Jules Verne: Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg – 17. Wie alles begann



Das Zusammentreffen der beiden Freunde Phileas Fogg und Kapitän Nemo an einem verregneten Tag endet in dem Bericht des Weltenbummlers und Abenteurers, wie er sein erstes großes Abenteuer bestand. Dort war ihm zunächst noch sein treuer Diener Passepatout unbekannt, dem er auf höchst ungewöhnliche Weise begegnet ist...

Für die 17. Episode müsste die Hörspielserie nach Motiven von Jules Verne eigentlich in „Die alten Abenteuer des Phileas Fogg“ umbenannt werden. Denn hier wird nicht dem eigentlichen Serienkonzept gefolgt, die Hauptfigur des bekanntesten Werkes des Science Fiction-Autors in eine spannende Handlung voller bekannter Romanfiguren zu versetzen, sondern setzt das eigentliche Werk von Jules Verne „In 80 Tagen um die Welt“ um – und das ist mehreren Teilen, um die Komplexität des Originals nicht zu beschneiden. Die Rahmenhandlung um das Gespräch von Phileas Fogg und Kapitän Nemo nimmt nur einen sehr kleinen Teil des Hörspiels ein, der Rest der Handlung hält sich sehr nahe an die Vorlage. Mir gefällt, wie die Rolle des Passepartout dabei betont wird, sein Hintergrund und sein bisheriges Leben gerade zu Anfang im Mittelpunkt stehen, aber auch wie sich langsam die ganz besondere Beziehung zu Phileas Fogg aufbaut. Der Verlauf ist spannend und abenteuerlich geraten, die anfängliche Wette und die verschiedenen Station der Reise bekommen allesamt genügend Aufmerksamkeit gewidmet, ohne dass dies auf Kosten der Dynamik gehen würde. Der Schluss ist etwas abrupt gewählt, es gibt keinerlei abschließende Worte, keinen Hinweis darauf, dass es sich um einen Mehrteiler handelt. Dass sich die Serie hier auf die eigentlichen Ursprünge der Figur konzentriert, ist eine gelungene Unterbrechung der Serienhandlung, fügt sich aber nicht so ganz stimmig ein und hätte als Sonderfolge vielleicht besser funktioniert.

Marius Claren ist natürlich wieder als Passepartout zu hören, er verleiht der Figur einen einzigartigen Ausdruck, spricht mit viel Charme und windet sich mit Gewitztheit aus den gefährlichsten Situationen heraus. Schön, dass er hier so viel Raum bekommt, um sich zu entfalten. Udo Schnenks markanter Klang ist als Jonathan Fix zu hören, der so eine prägnante Aura bekommt und die Wichtigkeit dieser Rolle für die Handlung betont. Klaus Dieter Klebsch ist als Kapitän Nemo in der anfänglichen Szene mit seiner großen Präsenz wieder ein gelungener Akzent, zumal er die Rolle wie immer sehr gekonnt umsetzt. Weitere Sprecher sind Sascha Draeger, Kaspar Eichel und Peter Kirchberger.

Wie die anderen Episoden zuvor ist auch „Wie alles begann“ mit vielen passenden akustischen Elementen umgesetzt. Besonders die Musik passt sich dabei den verschiedenen Stationen der Reise an, sodass es auch schon einmal exotisch anmutende Momente gibt, die sehr gut aufeinander abgestimmt sind. Die Geräuschkulisse ist vielfältig und treffend, der Hintergrund klingt so sehr lebendig und nahbar.

Der Startpunkt der Handlung wird auf dem Cover gekonnt in Szene gesetzt, im Hintergrund ist die Silhouette Londons im dämmernden abendlich rötlich beleuchtet und erhält so einen starken Ausdruck – ebenso wie der Mann mit dem Zylinder, der mit ernstem Gesichtsausdruck in die Ferne schaut. Die Düsternis, die dieses Bild ausstrahlt, sorgt für ein weiteres sehr ansehnliches Titelbild der Serie.

Fazit: „In 80 Tagen um die Welt“ ist ein hervorragender Roman und zählt völlig zu recht zu den Klassikern der Unterhaltungsliteratur. Diese Umsetzung nimmt sich viel Zeit, die einzelnen Elementen zur Geltung zu bringen und mit viel Leben zu füllen. Der Fokus auf Passepartout tut der Serie sehr gut, bremst aber natürlich auch die Entwicklung der eigentlichen Handlung.

VÖ: 16. November 2018
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-96066-152-8

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