Der Butler – 1. setzt auf Sieg



Die englische Lady Amanda Marbely engagiert für ihre Deutschlandreise einen Butler, allerdings nicht nur, um ihr zu Diensten zu sein. Denn mit seinen zahlreichen Zusatzausbildungen und Spezialausrüstung wie einer kugelsicheren Melone handelt es sich eigentlich um einen Agenten, der ihr helfen soll, ihr bei der Einschätzung eines unverhofften Erbes zu helfen. Nicht zu Unrecht, denn schon bald geschieht der erste Mordanschlag...

Der Autor Josef J. Preyer hat einige neue Krimigeschichten für bekannte Figuren wie dem unumgänglichen Sherlock Holmes geschrieben, aber auch mit eigens erdachten Charakteren eine treue Leserschaft um sich gesammelt. Eine seiner Serien dient dem Remscheider Hörspiellabel WinterZeit als Vorlage für eine eigenständige Reihe: „Der Butler“. Die Szenerie wird dabei gleich sehr gelungen beschrieben, denn während sich Lady Amanda und eben der Butler (der hier nur einen fiktiven Namen von sich nennt und vom Erzähler mit eben dieser Berufsbezeichnung benannt wird) kennen einander bisher nicht und müssen sich erst einmal annähern. Durch das reizvolle Arrangement zwischen den beiden entsteht schnell eine gelungene Szenerie, was durch die charmante Kommunikation noch ergänzt wird. Mir gefällt, wie Lady Amanda bei deutschen Sprichwörtern immer wieder ein Wort vertauscht und deswegen Missverständnisse entstehen oder wie der Butler hinter seiner steifen Höflichkeit immer wieder Humor durchblitzen lässt. Doch auch die Handlung ist sehr trickreich erzählt, die Laufzeit von über zweieinhalb Stunden deutet ja schon auf eine gewisse Komplexität hin. In der Tat kann sich der Hörer auf ziemlich viele unterschiedliche Szenerien und Voraussetzungen freuen, sodass die Handlung immer weiter am Laufen gehalten wird. Besonders das aufkeimende Misstrauen der beiden zentralen Figuren der Folge ist ein sehr gelungener Ansatz, der für einige Überraschungen sorgt. Trotz einiger Szenen, die zu lang geraten sind, ist die Handlung sehr unterhaltsam geraten, weil immer wieder neue Rückshchlüsse auf das große Geheimnis der Folge gezogen werden können. Der Erzähleranteil ist dabei stellenweise ziemlich hoch, worauf auch durch die Bezeichnung „inszenierte Lesung“ hingewiesen wird. Der Detailreichtum hätte dabei manchmal auch etwas eingedämmt werden können, so aber kommt die Stimmung noch besser zur Geltung – beispielsweise wenn über die verschiedenen Speisen berichtet wird. Ein ebenso spannender wie humorvoller Auftakt zu der Serie.

Die Sprecher sind sehr gut ausgewählt und setzen ihre Rollen mit viel Engagement um. Detlef Bierstedt spricht den Hauptfigur des Butlers mit einer markanten Stimme sehr eingängig um, webt immer eine feine Spur Humor mit ein und bleibt auch in spannenden Szenen in seiner zurückhaltenden Art, steigert aber auch dann gekonnt den Druck. Hildegard Meier ist als Lady Marbely zu hören, ihr trockener Humor, die ebenso warme wie angenehm gealterte Stimme und die sehr charmante Art Erzähler Helmut Winkelmann bringt eine ruhige Art mit ein und lässt sich Zeit bei seinen Passagen, setzt kleine Pausen und treffende Betonungen ein, um eine dynamische Ausstrahlung zu bieten. Weitere Sprecher sind Bert Stevens, Corinna Doerenkamp und Tom Jacobs.

Die musikalische Gestaltung der Folge hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, alles ist bestens aufeinander abgestimmt. Die Atmosphäre ist dem edlen Ambiente von Lady und Butler angemessen und ist mit klassischen Instrumenten sehr warm umgesetzt. Ergänzt durch viele Geräusche, die auch in die Erzähltexte mehr Leben einbringen, ist ein sehr stimmiges Gesamtkonzept entstanden.

Dem Butler steht auf dem Cover das Wasser bis zum Hals (noch so ein Sprichwort das bei Lady Marbely wohl anders geklungen hätte). Nur von hinten zu sehen hat er mit schwarzem Regenschirm und seiner Melone auf dem Kopf genau die beiden Erkennungsmerkmale, die auch in dem ansonsten schlichten Schriftzug verwendet werden. Im Inneren des dicken Booklets findet sich ein ausführlicher einleitender Text nebst Informationen und Fotos der drei Hauptsprecher.

Fazit: „Der Butler“ bietet einen interessanten Ansatz und verbindet Krimi- und Agentenelemente zu einer komplexen, spannend erzählten Handlung. Die Hauptfiguren agieren mit äußerst viel Charme und Witz, sodass die eine oder andere etwas langwierige Passage gut verkraftet werden kann. Die Auflösung passt sehr gut zu der wendungsreichen Handlung mit den ganz unterschiedlichen Stationen, sodass eine sehr gelungene erste Episode der Serie entstanden ist.

VÖ: 28. Juni 2013
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9437-3230-6

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