Sherlock Holmes Chronicles – 56. Die Akte Ludwig II.



Die Bekanntheit von Sherlock Holmes als Meisterdetektiv ist längst über die englischen Landesgrenzen getreten, sodass sogar ein waschechter Bayer seine Hilfe sucht. Xaver Wanninger weckt sein Interesse mit einer sehr ungewöhnlichen Geschichte: Er hat sein Gedächtnis verloren und kann sich nicht erklären, woher seine frischen Operationsnarben stammen. Doch mehr noch: Im Gegensatz zu alten Fotos hat er nun eine unverkennbare Ähnlichkeit mit dem verstorbenen König Ludwig II....

Viele Geschichten der „Sherlock Holmes Chronicles“ sind nicht exklusiv für diese Reihe entstanden, sondern wurden von bereits veröffentlichten Handlungen adaptiert. In der 56. Episode ist dies anders, hier handelt es sich um eine Auftragsarbeit, die nach einer Idee von Markus Winter von James A. Brett verfasst wurde. Und dabei steht mit dem Märchenkönig Ludwig II. nicht nur eine real existierende, sondern auch sehr faszinierende Persönlichkeit im Mittelpunkt, ohne jedoch selbst aufzutauchen. Die Ereignisse spielen nach dem rätselumwitterten Tod des bayrischen Herrschers und stellen eine merkwürdige, fast schon bizarre Szenerie an den Anfang. Dass es für einen Mann ohne Gedächtnis und einer kürzlich vorgenommenen Schönheitsoperation auch eine außergewöhnliche Auflösung geben muss ist klar, was aber anfangs seltsam klingen mag, entpuppt sich als durchaus gut durchdacht und spannend erzählt. Die Ermittlungen führen über weitere gelungenen Ideen mit Bezug zu einem nicht minder bekannten Komponisten und mehrere unterschiedliche Stationen und markanten Szenerien zu einem überraschenden, aber stimmigen Schluss. Diese Folge entfernt sich schon deutlich von den streng logischen und bodenständigen Ideen Sir Arthur Conan Doyles und ist für Puristen vielleicht nicht die beste Wahl – allein schon, weil nicht alle Geheimnisse restlos aufgeklärt werden, sondern einiges offen bleibt und in einer mysteriösen Schlussszene noch eine große Überraschung auf den Hörer wartet. Sie bringt aber auch viele frische und ungewohnte Ideen ein, die für einen interessanten und kurzweiligen Verlauf sorgen.

Christian Jungwirth steht in der Rolle des Franz Xaver Wanninger oft im Mittelpunkt und bringt dafür einen glaubhaften, aber nicht übertriebenen bayrischen Akzent mit. Er gestaltet seine Rolle lebhaft und in den verschiedenen Szenerien glaubhaft, was einen sehr guten Gesamteindruck hinterlässt. Jill T. Böttcher spricht als Elsa sehr treffend und vielseitig, sie setzt ihre Stimme dabei sehr zielgerichtet ein, um die Emotionen der Frau glaubhaft zu machen. Corinna Doerenkamp setzt die Rolle der Isolde mit einer prägnanten Sprechweise und viel Authentizität um, sodass ein sehr interessanter Charakter entsteht. Weitere Sprecher sind Kirstin Hesse, Leon Boden und Frank Röth.

Die schillernde Ausstrahlung des Märchenkönigs kommt auch ein wenig in der akustischen Gestaltung zur Geltung, die in Sachen Musik einige sehr dazu passende Melodien präsentiert. Dabei werden nicht nur die Szenenübergänge harmonischer gestaltet, sondern auch einige Dialoge atmosphärischer gestaltet. Die Geräusche sind wieder passgenau und lebendig eingefügt, alles passt sehr gut zueinander.

Ludwig der II. Ist auch auf dem Cover zu sehen, sein Kopf schimmert groß und mit intensivem Gesichtsausdruck über einem seiner prächtigen Schlösser. Ein sehr ansehnliches Cover, welches in seiner typischen Farbgebung gut gestaltet ist. Im einleitenden Text verrät Markus Winter, dass die Idee zur dieser Folge bereits in einem anderen seiner Hörspiele umgesetzt wurde, hier aber noch einmal gründlich überarbeitet wurde.

Fazit: Durch die Einbindung der realen Figur des Ludwig II. ist der Reiz der Handlung von Anfang an sehr hoch, die Szenerie ist durch einige skurrile Ideen aber nicht allzu typisch für die Figur des Sherlock Holmes. Die Geschichte wird flüssig und unterhaltsam erzählt, zumal sich die einzelnen Hinweise interessant gestalten und am Ende überraschend zusammengefügt werden.

VÖ: 5. Oktober 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6058-3

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