TKKG – Ein fast perfektes Weihnachtsmenü



Kurz vor Weihnachten wird Tim von Familie Vierstein in ein edles Restaurant eingeladen, das sogar einen eigenen Michelin-Stern hat. Ausgerechnet an diesem Abend ist der scharfzüngige Gastro-Kritiker Pierre Ragueneau zu Besuch und sorgt für eine unangenehme Stimmung – bis er kurz nach dem Verzehr des Desserts zusammenbricht. Offenbar ist er einem heimtückischen Giftanschlag zum Opfer gefallen, doch wer hatte die Möglichkeit, dies unauffällig zu tun?

Das kurz vor Ende des Jahres ein neues TKKG-Hörspiel mit weihnachtlichem Thema erscheint, das in 24 Kapitel aufgeteilt ist, ist kein Zufall – bei Europa sind in den letzten Jahren immer wieder Hörspiel-Adventskalender erschienen, die die Zeit bis zum Heiligen Abend verkürzen sollen. Doch natürlich kann man den knapp dreistündigen Fall auch am Stück hören, einzig die häufigen Wiederholungen von Namen und deren Rolle in der Geschichte ist dabei auffällig, aber keinesfalls störend. Die Geschichte ist dank der längeren Laufzeit auch deutlich komplexer als die normalen Hörspielfolgen, was der Serie hörbar guttut. Denn es gibt mal wieder einiges zu ermitteln, da viele Verdächtige ins Visier von TKKG rücken und nach und nach verhört werden müssen. Dabei entstehen immer mehr Verzierungen an dem anfangs so übersichtlich scheinenden Fall. Die Beziehungen einiger Figuren sind vielschichtiger als es anfangs den Anschein hat, zudem sind viele „schärfere“ Szenen eingebaut, in denen es um einen Giftanschlag und viele brenzlige Situationen für TKKG geht. Doch leider haben sich dann eben doch auch einige langwierige Szenen eingeschlichen, das Tempo ist dann einfach zu niedrig, um wirklich unterhaltsam zu sein. Dann tritt die Handlung etwas auf der Stelle, kommt aber auch immer wieder in Schwung und präsentiert neue Entwicklungen. Etwas unüassend finde ich zudem die Kommentare zum aktuellen Weltgeschehen, beispielsweise den amerikanischen Präsidenten, die hier aus dem Zusammenhang gerissen sind und nicht so recht in die Szenerie passen wollen. So bleibt ein etwas zwiespältiger Eindruck, insgesamt dominieren aber die positiven Elemente des Falles.

Gordon Piedesack ist in der Rolle des Pierre Ragueneau besetzt und macht seine Sache sehr gut. Er gibt den Gastro-Kritiker polternd und mit viel Präsenz, kann in späteren Szenen aber auch eine glaubhafte Wandlung mitmachen und neue Facetten hinzufügen. Mignon Remé spricht seine Frau Helene und setzt dabei mit ähnlich viel Präsenz einen guten Gegenpart, auch sie punktet in den verschiedenen Szenen mit glaubhaftem Auftritt. Oliver Hermann gibt den Restaurantbesitzer Thomas Berger solide und stimmig, klingt aber nicht durchgängig spontan und hätte dann mehr Energie in seine Stimme legen können. Weitere Sprecher sind Tina Eschmann, Tim Kreuer und Nicola Schäffler.

Die Musik stammt auch hier aus dem Archiv von Europa, wobei einige Stücke etwas zu häufig eingesetzt werden. Sicherlich erhöht das den Wiedererkennungswert, wirkt mit der Zeit aber auch etwas enervierend. Die Geräuschkulisse ist hingegen gut umgesetzt, sowohl die Hintergrundgeräusche als auch die Sounds zur Untermalung der Handlung fügen sind passend zusammen.

Eine dicke Plastikbox wurde als Verpackung für die drei CDs ausgewählt, das beiliegende Booklet ist wie immer übersichtlich und ohne weitere Extras umgesetzt. Das Cover zeigt die anfängliche Szene im Nobelrestaurant, Pierre Ragueneau ist mit dem Gesicht auf seinem Teller zu sehen, während die übrigen Gäste und das edle Ambiente gut umgesetzt sind.

Fazit: Die extralange und leicht weihnachtlich angehauchte Handlung können insgesamt überzeugen, ist jedoch an einigen Stellen zu ausschweifend geraten und verliert dann die Dynamik. Die vielen Verdächtigen, die komplexen Beziehungen und einige sehr spannende Szenen sorgen aber für gute Unterhaltung, nicht nur in der Weihnachtszeit.

VÖ: 12. Oktober 2018
Label: Europa
Bestellnummer: 190758426327

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