Asterix – 29. und Maestria



Troubadix ist empört – die Frauen des Dorfes üben scharfe Kritik an ihm, einfach, weil er als Mann ein ziemlich einseitiges Weltbild vermittelt. Deswegen haben sie den weiblichen Barden Maestria als weitere Lehr- und Singkraft ins Dorf eingeladen. Troabadix verlässt schwer beleidigt das Dorf und bekommt so nicht mit, wie die Frauen immer mehr Macht über das unbeugsame Dorf erhalten – und wie die Römer einen neuen finsteren Plan schmieden...

Es ist schon richtig, in der Serie Asterix dominieren die Männer. Sie sind es, die die Handlung in der Hand haben, als Krieger durch die Länder ziehen und eben einfach die Helden sind. Und das, während einige der weiblichen Dorfbewohner oft nur nach ihren Männern benannt sind. In der 29. Episode, die unlängst auch als Hörspielumsetzung bei Karussell erschienen ist, wird das Thema Gleichberechtigung auf sehr charmante und witzige Weise behandelt. Dabei sollte man auch bedenken, dass nicht nur die Zeit Cäsars lange her ist, sondern die Emanzipation auch in den letzten Jahren seit Entstehen der Geschichte noch einmal einen deutlichen Sprung gemacht hat. Nimmt man das alles nicht bierernst, sondern eben mit dem dicken Augenzwinkern, wie es auch gemeint ist, kann man viel Spaß mit der Folge haben. Mit Maestria betritt ein sehr prägnanter Charakter die Bühne, die nicht nur herrisch ist, sondern auch ein Auge auf Asterix geworfen hat, was für allerlei sehr witzige Momente sorgt. Und auch ansonsten wird das Frauenbild ordentlich durcheinander gewirbelt – sowohl bei den Galliern als auch bei den Römern. Sollte der Comic heute erst erscheinen, wäre die Auflösung des Kampfes für viele wohl ein Anstoß für einen mittelschweren Aufreger, er spielt aber geschickt mit Rollenklischees und ist ziemlich witzig aufbereitet. Der Transport ins Medium Hörspiel ist dabei manchmal etwas holprig geraten, da die visuellen Informationen in teilweise zu langen Kommentaren von Erzähler Wolf Frass beigefügt werden – und das hemmt leider den Erzählfluss.

Dagmar Dreke bereichert diese Folge als Maestria mit ihrer sehr markanten Stimme, mit der sie die Eigenschaften des weiblichen Barden gekonnt herausarbeitet, aber auch den humoristischen Aspekt nicht vernachlässigt. Isabella Grothe hat als Gutemine ebenfalls einen größeren Auftritt und zeigt sich mal von einer anderen Seite, was sehr witzig geraten ist. Die Stimme von Katja Brügger sticht auch hier direkt hervor, die Zenturionin der Römer bekommt durch sie einen latent aggressiven und bedrohlichen Unterton, was der Folge ein bisschen mehr Schärfe verleiht. Nicht alle Sprecher der kleineren Nebenrollen konnten überzeugen, dafür waren Michael Grimm, Douglas Weltbat und Achim Schülke wieder sehr stark.

Die akustische Umsetzung hält sich hier eher zurück, da es nur wenige Actionszenen und wilde Prügeleien gibt, ist der Anteil an Sounds etwas zurückgefahren. Die Melodien sind zum großen Teil schon aus den vorigen Episoden bekannt und wiederholen sich häufiger, die Stimmung passt aber meist recht gut zu der jeweiligen Szenerie.

Klar, dass Maestria auch auf dem Cover zu sehen ist, voller Freude hält sie Asterix in den Armen, der sichtlich peinlich berührt von Obelix ausgelacht wird. Schön, dass auch bei der restlichen Gestaltung immer wieder Motive aus dem Comic zu sehen sind, sodass man auch gleich einen Eindruck davon bekommt, dass Gutemine auch in Hosen eine sehr gute Figur macht.

Fazit: Kaum eine Folge war ironischer, nur wenige haben einen so aktuellen Bezug: Das Thema Gleichberechtigung auf Gallisch wird humorvoll und mit starken Charakteren, aber manchmal etwas gebremst behandelt. Mir gefällt, wie hier ungezwungen mit Rollenklischees gespielt wird und Männer wie Frauen nicht besonders gut wegkommen.

VÖ: 23. November 2018
Label: Karussell
Bestellnummer: 0602567137733

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