Die drei ??? - und der schwarze Tag



Nachdem Peter gefesselt in einem stockdunklen Raum aufwacht, treffen die drei Detektive auf ein zerstrittenes Zwillingspaar, das sich gegenseitig beschuldigt. Auch der Besitzer eines Dunkelrestaurants und die Besucher des örtlichen Kindergartens brauchen die Hilfe von Justus, Peter und Bob. Anschließend versetzt noch eine wild gewordene Oma Rocky Beach in Angst und Schrecken, bis schließlich der Detektivclub in die Fänge eines alten Bekannten gerät...

„Die drei ??? und der schwarze Tag“ ist nicht die erste Box mit Kurzgeschichten der bekannten Detektivserie, der geneigte Hörer kann sich also schon vorher darauf einstellen, dass eben nicht nur einfach kürzere Geschichten mit geringerem Umfang erzählt werden, sondern auch viele Experimente gewagt werden. Man sollte also mit Offenheit gegenüber Neuem an diese spezielle Folge herangehen, und auch wenn dann vielleicht nicht jede Episode zündet, kann man eben doch interessante neue Facetten entdecken. Häppchenweise zu je etwa einer halben Stunde oder am Stück gehört wird man so über einige Zeit gut unterhalten.
„Das schwarze Verlies“ ist dann gleich eines dieser Experimente, denn es sind wirklich nur die Stimmen der drei Detektive zu hören. Der Ort ist auf einen dunklen Raum beschränkt, die Gespräche laufen in Echtzeit ohne Sprünge ab. Dabei offenbart sich nur nach und nach, an welchem Fall die Detektive momentan arbeiten, was eine ganz andere Erzählweise erfordert. Die leicht klaustrophobische Atmosphäre kommt dabei gut herüber, die Länge ist sehr gut gewählt, sodass mir der Auftakt schon einmal sehr gut gefallen hat.
Ein bisschen konventioneller ist „Schwarze Seelen“, in der sich ein Zwillingspaar gegenseitig beschuldigt, das Testament ihres Vaters gelesen zu haben. Ihre Versionen der Geschichte sind absolut identisch, Detektiven wie Hörer ist sofort klar, dass nur ein winziges Detail zur Auflösung führen kann. Automatisch rätselt man hier mit, selbst wenn man am Ende auf die richtige Lösung gekommen ist, gibt es noch einen kleinen, unerwarteten Dreh.
„Ein schwarzer Tag für Mr. Kingstone“ bringt mit der Idee des Dunkelrestaurants eine momentan recht populäre Idee mit ein und spielt mit der völligen Finsternis. Auch hier ist der Aufbau recht gradlinig und bringt zwar keine ganz neuen Ideen mit ein, punktet aber mit einer cleveren Überführung des Täters und einer passenden Grundstimmung.
„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ spielt mit dem Schreckgespenst aller Kinder und lässt dabei so einige Besucher eines Kindergartens an diese Legende glauben. Dass das kein Zufall sein kann ist klar, die Ermittlungen führen aber in eine ganz andere Richtung als gedacht und überraschen mit einigen unerwarteten Wendungen.
„Die schwarze PhantOma“ ist wieder experimenteller und versetzt Justus, Peter und Bob endgültig in die Zeit sozialer Medien und moderner Technik. Die eingebundenen Schnipsel aus SMS, E-Mail, Voice-Nachrichten und Co sorgen für neuen Informationsfluss, sind aber auf Dauer etwas anstrengend. Technisch gut umgesetzt, aber irgendwie eher wie ein Fremdkörper in die Handlung.
Mit „Das schwarze Nest“ ist die letzte Episode auch leider die deutlich schwächste. Absolut skurrile, dabei aber auch komplett unsinnige Gags sollen wohl lustig sein, ebenso wie Verballhornungen von Sprichwörtern und eine ziemlich schräge Handlung, in der eine bestens bekannte Nebenfigur eine ganz andere Seite von sich zeigt. Das hat mir leider überhaupt nicht gefallen und ist für mich somit komplett überflüssig gewesen.

Wie gekonnt Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich miteinander agieren, zeigt sich hier immer wieder, besonders aber in der ersten Episode, wo wirklich nur die drei zu hören sind und sich die Bälle so geschickt zuspielen, dass alles absolut authentisch und lebhaft klingt. Dorette Hugo ist in der zweiten Episode gleich in einer Doppelrolle als Helen und Ellen zu hören, den eigens gewählten zickigen Unterton variiert sie sehr fein, sodass dennoch zwei individuelle Charaktere entstehen. Michael Harck ist als Skinny Norris zu hören, auf den nochmal ein anderes Licht geworfen wird. Auch er passt sehr gut in die Atmosphäre der Episode und bringt seine ganz eigene Note mit ein. Weitere Sprecher sind Juliane Szalay, Sabine Hahn und Pamela Punti.

Akustisch zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Episoden. „Das schwarze Verlies“ spielt eher mit den Stimmen und den Entfernungen zueinander, während in „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ deutlich mehr, leider aber auch nicht immer passende Musik eingesetzt wurde. Grundsätzlich ist das aber bodenständig und solide umgesetzt.

Das Cover der Folge zeigt eine Collage aus einem Kalender mit – natürlich – einem Freitag, den 13. darauf, was mit dem Gesicht einer schwarzen Katze und einer schattenhaften Teufelsgestalt ansehnlich umgesetzt ist, zu den Episoden aber nur bedingt passt. Die drei CDs finden sich in einer dicken CD-Hülle wieder, das ein dickes Booklet mit den Produktionsangaben zu jeder der Episoden bereithält.

Fazit: Sechs sehr unterschiedliche Episoden, die neben klassischen, aber kürzeren Geschichten auch einige neue Ideen präsentieren. Dabei nimmt die Qualität in meinen Augen im Laufe der Zeit etwas ab, der Anteil der starken Episoden ist aber deutlich höher als die der schlechteren. Auch wenn mir die sechste Geschichte gar nicht gefallen hat, ist diese Box insgesamt sehr hörenswert.

VÖ: 26. Oktober 2018
Label: Europa

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