Dreamland Grusel - 36. Galgendorf



Tom und Nina widmen sich nach ihrem Abenteuer rund um die dämonischen Krähen dieses Mal dem Verschwinden eines Mannes – praktischerweise sind sie am Ort des Geschehens sowieso als Betreuer in einem Feriencamp engagiert. In ihrer freien Zeit erkunden sie die Gegend, doch auch die Bewohner des Camps legen einige merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag...

Für die 36. Episode von Dreamland Grusel kehren zwei alte Bekannte zurück, die bereits die Hauptfiguren der 22. Folge waren: Tom und Nina. Und das bedeutet, dass hier wieder weniger der Grusel im Vordergrund steht, sondern unverhohlen den kultigen Hörspielen der 80er Jahre gefrönt wird. Man kann sich gut vorstellen, dass das weitere Leben einiger lieb gewonnener Figuren genau so verlaufen würde, sie ermitteln weiter in verzwickten Fällen, die allerdings auch hier an Heftigkeit und Gruselfaktor hinzugewonnen haben. Die Umgebung des Feriencamps mit einem verlassenen Dorf und eben einem alten Galgen birgt so einige Geheimnisse, die langsam erkundet werden und so immer neue Informationen hinzugefügt werden. Doch leider stoppt die Folge dabei einige Male an den spannenden Stellen und verpasst so die Chance, richtig gruselig zu werden – und das ist ja eigentlich schon im Titel der Serie verankert. Die Idee, bei dieser Serie erneut einen anderen Weg zu gehen und das Abenteuer- und Krimi-Flair früherer Zeiten aufleben zu lassen, gefällt mir sehr gut, hier wäre dafür aber an einigen Stellen eine Schippe mehr wohl besser gewesen. Die Auflösung führt die zuvor ausgelegten Puzzlesteine gut zusammen und findet eine ungewöhnliche, aber durchaus passende Erklärung für die unheimlichen Vorkommnisse. Die Erzählweise ist geschickt gewählt, da nur wenige Passagen von einem gesonderten Erzähler gesprochen werden und die Hauptfiguren einige Ereignisse aus ihrer Sicht erzählen – dies aber eher mit einem Augenzwinkern anstatt allzu ernst, sodass es natürlich und locker wirkt. Als Hommage an die Hochzeiten des Hörspiels taugt diese Episode vor allem auch wegen der vielen witzigen, frechen Anspielungen, für ein Gruselhörspiel reicht es hingegen nicht ganz.

Sascha Draeger schlüpft erneut in die Rolle des Tom und bringt die energiegeladene und gradlinige Art des jungen Mannes sehr gut zur Geltung, er klingt locker, draufgängerisch und sympathisch. Kerstin Draeger ist auch wieder als Nina zu hören und passt wunderbar in die Szenerie, kann sowohl Spannung erzeugen als auch die vielen eingestreuten Gags sehr trocken herüberbringen. Dietmar Wunder ist in einer kleinen Rolle zu hören, die er wie immer souverän und mit viel Energie umsetzt, er wirkt glaubhaft und spontan. Weitere Sprecher sind Wolfgang Bahro, Merete Brettschneider und Ulrike Stürzbecher.

Natürlich gibt es auch hier einige unheimliche Szenen, die dann auch dementsprechend mit passender Musik und Geräuschen umgesetzt sind. Zu weiten Teilen orientieren sich die Macher aber eben an den Vorlagen der 80er Jahre, die hier aufgegriffen werden und so für zusätzliche Stimmung sorgen. Der Klang ist klar, die Abmischung stimmig, was für einen gelungenen Gesamteindruck sorgt.

Passend zum Folgentitel wird auf dem Cover ein natürlich ziemlich düster beleuchtetes Haus gezeigt, auch die Umgebung mit den weiten Wäldern wird im Hintergrund angedeutet. Auf dem Giebel des hoch aufragenden Gemäuern setzt sich der Galgen noch einmal ab und zieht schnell die Blicke auf sich. Alles ist hier wieder in ein unheimliches Rot getaucht, was die typische Stimmung der Serie erzeugt.

Fazit: Die vielen Anspielungen auf die guten alten Serienproduktionen sind noch etwas mehr eingesetzt als in der ersten Episode um Tom und Nina, was immer wieder für Lacher sorgt. Für ein Gruselhörspiel fehlt aber einfach noch etwas mehr – nun ja, Grusel. Aus vielen Szenen hätte man noch mehr herausholen können, so bleibt es eher eine gelungene Hommage an die vielen Jugendkrimiserien.

VÖ: 26. Oktober 2018
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-960660-99-6

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