Homo Faber



Der Schweizer Ingenieur Walter Faber ist auf seiner Flugreise nach Venezuela alles andere als begeistert, neben dem aufdringlichen Herbert Hencke zu sitzen und überlegt sogar, bei einem Zwischenhalt nicht noch einmal an Bord zu gehen. Erst als er herausfindet, dass es sich um den Bruder seines alten Studienfreundes handelt, ist er aufgeschlossener. Doch dann kommt es zu Turbulenzen, und das Flugzeug muss notlanden...

In Zusammenarbeit von Hessischem Rundfunk und dem Hörverlag ist 2018 eine Hörspielversion von Max Frisch' Werk „Homo faber“ erschienen – und damit über 60 Jahre nach der Veröffentlichung der Vorlage. Bei dem Transport in das neue Medium sind alle Beteiligten sehr sorgfältig vorgegangen und haben sich immer eng an die Vorlage gehalten und eben doch die Vorteile des Hörspiels mit der Konzentration auf Dialoge genutzt. Auch hier gibt es noch einige monologartige Passagen, auch sind die vielen sprachlichen Feinheiten mit der sehr differenzierten Verwendung einiger Worte erhalten geblieben, wie ein schlicht vorgelesenes Buch wirkt diese Produktion aber nie. Zwei große Abschnitte sind hier auszumachen, einerseits die oben angerissene Bekanntschaft zu Herbert Hencke und seinem Bruder, andererseits die Begegnung mit einer schönen Fremden, die ihn an seine Jugendliebe erinnert und eine unheilvolle Beziehung zu ihm aufbaut die – so viel sei verraten – tragisch endet. Beides wird sorgfältig aufgebaut und demontiert den zunächst so rationalen und technisch orientierten Ingenieur, konfrontiert ihn mit einigen Zufällen und einer dramatischen Liebe voller wechselhafter Emotionen, was ihn in seinen Grundfesten erschüttert. Zahlreiche andere Motive sind ebenfalls mit eingebunden und können entdeckt werden, auch beim mehrfachen Hören entdeckt man immer neue Details oder Bezüge. Dabei hilft es, sich ein wenig in der griechischen Mythologie auszukennen, um die diversen Querverweise zu erkennen – wenn nicht wird man zwar trotzdem allem folgen können, wird aber eben einige Kommentare nicht verstehen. Im Grunde stellt Frisch jedoch auf sehr interessante Art und Weise die Frage, was den Menschen glücklich macht – sich damit zu beschäftigen und sich gleich mehrere Stunden intensiv mit den Charakteren und ihren Entscheidungen auseinanderzusetzen sorgt auf jeden Fall nicht nur für unterhaltsame Momente, sondern regt auch den einen oder anderen Gedankenanstoß an.

Matthias Brand übernimmt die Hauptrolle des Walter Faber und spricht sehr präzise, jede Betonung hat ihre Bedeutung und gibt das von Frisch erdachte Wortgefüge sehr genau wieder. Und er macht auch auf emotionaler Ebene die Figur begreifbar, lebendig und wechselt bald von der nüchternen Sprechweise zu gefühlsbetonteren Momenten hin. Paula Beer ist in der Rolle der Sabeth zu hören, sie klingt sehr natürlich und frisch, auch sie bringt die Figur auf den Punkt und arbeitet die Rolle akribisch aus. Eva Mattes ist als Hanna zu hören, Walters Jugendliebe, die in ihren Szenen sehr präsent wirkt und durch ihr Aura auch darüber hinaus im Gedächtnis nachhallt. Weitere Sprecher sind Ueli Jäggi, Valery Tscheplanova Sascha Nathan.

Die hr-Bigband sorgt bei dieser Produktion für die musikalische Begleitung, wobei viele Musiker mit ihren Instrumenten natürlich auch eine Vielzahl unterschiedlicher Stimmungen erzeugen können. So wird für jede Szene ein passendes Kleid geschneidert, wobei die Bläser oft im Vordergrund stehen, sich aber auch in das klangvolle Gesamtgebilde einfügen können.

Ganze sechs CDs umfasst diese Produktion, wobei eine noch einmal die tolle Musik Revue passieren lässt und einige Stücke ohne die Sprecher zu Gehör bringt. Zudem ist auf der vorletzten CD noch ein Werkstattbereicht enthalten, neumodisch wohl Making Of genannt was einige interessante Aspekte an den Tag bringt und eine neuartige und sehr gelungene Ergänzung ist. Die dicke Box ist mit dünnen Plastikhüllen für die einzelnen CDs gefüllt, ergänzt um ein umfangreiches Booklet mit zusätzlichen Informationen und Bildern.

Fazit: „Homo faber“ als eines der zentralsten Werke von Max Frisch wurde in diese Hörspieladaption sehr sorgfältig behandelt, der Transport in das Medium ist bestens gelungen. Nicht nur, weil die Sprecher ihre Sache hervorragend machen, sondern auch weil alles so respektvoll angegangen wurde und sich nicht allzu weit vom Original entfernt wurde. Ein Stück Weltliteratur in einer stimmigen Umsetzung.

VÖ: 1. Oktober 2018
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2976-0

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