Die Original-Hörspiele – Rapunzel und weitere Märchen



Eine schwangere Frau bekommt unstillbaren Hunger nach Feldsalat. Ein junger Mann will nichts weiter lernen, als mal so richtig Angst zu haben. Ein Fisch zeigt sich ziemlich dankbar für seine Freilassung. Eine Handvoll Süddeutscher bricht zu Abenteuern auf. Die Überwachungskamera eines Königs scheint defekt zu sein. Ein Esel entschließt sich zu einer gewagten Umschulung...

Die Märchen der Brüder Grimm sind zeitlose Klassiker und gehörten sicherlich zum ersten Stoff, der als Hörspiel umgesetzt wurde. Der Audio Verlag hat nun wieder einige dieser Produktionen zusammengetragen und in der Reihe „Die Original-Hörspiele“ veröffentlicht, als Titelgeschichte wurde dieses Mal Rapunzel ausgewählt. Mir gefällt, dass hier eine gute Mischung aus bekannten und nicht ganz so populären Märchen gefunden wurde und ganz unterschiedliche Stimmungen geschaffen wurde. „Rapunzel“ mit seinen magischen Anklängen und der übermächtigen Zauberin, das schaurig-schöne „Märchen von einem, der auszog, das Fürchte zu lernen“ oder das humorbetonte „Die sieben Schwaben“. So wird vielleicht nicht jeder Hörer jede Geschichte vollkommen überzeugend finden, andererseits ist für jeden etwas dabei. Mir persönlich hat „Die Bremer Stadtmusikanten“ nicht allzu sehr gefallen, was auch daran liegen mag, dass es die einzige Lesung dieser CD ist. Die Idee, die einzelnen Tiere mit Musikinstrumenten ein bestimmtes Thema zu verleihen, ist anfangs vielleicht recht witzig geraten, verliert aber auch schnell wieder seinen Reiz. Dafür hat mir beispielsweise die Umsetzung von „Vom Fischer und seiner Frau“ sehr gefallen, da sich die Intensität gelungen steigert. Alle Produktionen stammen aus den Jahren 1959 bis 1961 und sind damit eher nostalgisch als modern, transportieren aber gerade dadurch diese besondere Märchen-Stimmung, was mir sehr gut gefallen hat.

Eduard Marks ist in allen sechs Geschichten als Erzähler zu hören, er hat eine typische Märchenonkel-Stimme, die er lebendig einsetzt, um die jeweilige Stimmung sehr gut hervorzukehren. Immo Kronenberg hat mir als Fisch ebenfalls sehr gut gefallen, an seiner zunehmenden Gereiztheit und der härter werdenden Stimme können auch Kinder schnell ausmachen, dass Gier und Unhöflichkeit nahe beieinander liegen. Winfried Steinhoff spricht den Jungen, der das Fürchten lernen will, so munter und heiter, dass auch die gruseligsten Szenen für Kinder nicht zu spannend und schrecklich wirken. Weitere Sprecher sind Eva Fiebig, Wolf von Gersum und Anneliese Lindner.

Durch das Alter der Produktionen ist der Klang natürlich beeinflusst worden, man hört hier noch das typische Knacken und Knistern. Damit wird sich aber wohl jeder abfinden können, der diese Art von Hörspielen schätzt – wenn er es nicht gar begrüßt. Dafür werden dann auch recht viele Geräusche geboten, die die Szenen lebendig wirken lassen. Und auch Musik ist mal mehr, mal weniger im Einsatz und überrascht auch mal mit ungewöhnlichen Klängen.

Die Titelillustration ist natürlich auch Rapunzel gewidmet und zeigt die wohl bekannteste Szene des Märchens, in der sie vom hohen Turm ihre Haare der Zauberin zum Emporsteigen herunterlässt. Der Zeichenstil ist nostalgisch und wird mit dem rein weißen Hintergrund und dem klaren Block mit dem Titel aber modernisiert. Die violette Farbgestaltung ist dazu sehr passend ausgewählt.

Fazit: Der Audio Verlag bietet hier sechs weitere wunderbare Märchen-Produktionen, die mit viel nostalgischem Charme und sehr nahe an den Originalen umgesetzt sind. Der Erzähleranteil ist insgesamt recht hoch, dafür wird aber mit recht vielen Geräuschen und Musikstücken die Stimmung aufgelockert. Eine schöne Mischung, die mir 70 Minuten kurzweilige Unterhaltung geboten hat.

VÖ: 26. Oktober 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0394-0

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