Die Original-Hörspiele – Die Prinzessin auf der Erbse und weitere Märchen



Eine verregnete Besucherin wird von der Schlossherrin auf eine harte Probe gestellt. Trotz seiner Schwerbehinderung nimmt ein Zinnsoldat seine Aufgabe sehr ernst. Eine Prinzessin schätzt künstlich erzeugte Dinge mehr als ein freundliches Wort. Ein kleiner Mann nimmt Kinder mit auf eine nächtlich Reise. Ein Regierungsoberhaupt wird ordentlich vorgeführt. Ein armes Mädchen muss eine eiskalte Silvesternacht überstehen. Aus dem Ei einer stolzen Entenmutter schlüpft ein ziemlich hässliches Küken.

Bereits im Frühjahr 2018 hat Der Audio Verlag tief in den Archiven gegraben und vier CDs mit etlichen Märchen aus den Anfängen des Hörspiel ausgegraben. Später im Jahr ist nun die zweite Staffel mir vier weiteren Episoden erschienen, in der erstmals auch Märchen von Hans Christian Andersen zu hören sind. Es haben ganze sieben seiner Geschichten auf der CD Platz gefunden, die nach der Titelgeschichte „Die Prinzessin auf der Erbse“ benannt wurde und etwa 70 Minuten lang läuft. Viele der Episoden sind dabei recht kurz geraten, andere laufen länger, zwei von ihnen sind gar nur vorgelesen denn mit verschiedenen Stimmen gespielt zu werden. Doch eines haftet fast allen Geschichten an: Eine gewisse Melancholie, die den Märchen des dänischen Autors anhaftet und die mal mehr, mal weniger stark in den Vordergrund tritt. Das sehr traurige „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ hat es mir sowieso angetan, aber auch „Der standhafte Zinnsoldat“ ist von großen Emotionen gekennzeichnet. „Des Kaisers neue Kleider“ und „Der Schweinehirt“ üben beide auf ihre Art Kritik an der Gesellschaft und bestimmten Eigenschaften der Menschen aus. So ist eine hübsche Mischung entstanden, die durch die nostalgischen Faktor der alten Aufnahmen noch mehr zur Geltung kommt.

In den meisten Geschichten dieser CD ist Eduard Marks als Erzähler im Einsatz, der diese gewisse Märchenonkel-Stimme mitbringt und gekonnt einsetzt, um eine warme Grundstimmung zu schaffen. Dennoch geht er an den traurigen Momenten nicht einfach vorbei, sodass dort eine bittersüße Note in die Handlung eingebracht wird. Evelin Jacob ist in „Der Schweinehirt“ als verwöhnte und hochmütige Prinzessin zu hören, was sie auch mit viel Energie und sehr entschlossen in Szene setzt. Vera Beutel hat mir als Zinnsoldat leider nicht allzu gut gefallen, ihre Stimme klingt der kindlich und kann die Dramatik der Geschichte nicht so recht erfassen. Weitere Sprecher sind Fritz Grieb, Margot Bieler und Astrid Meyer-Gossler.

Elf Jahre umfasst die Zeitspanne, in der diese Hörspiele entstanden sind: 1957 bis 1968. Da lässt sich schon erahnen, dass nur wenig Musik eingebaut ist und die Geräusche auch eher sparsam im Einsatz sind. Der Klang ist dabei nicht ganz so klar wie bei heutigen Produktionen, ein leicht blecherner Unterton ist geblieben, doch die Qualität der Aufnahmen ist schon sehr in Ordnung und kann sich gerade in Anbetracht des Alters hören lassen.

Wie schon bei den ersten vier CDs dieser Serie ist die Grundfarbe des Covers und der restlichen Gestaltung ein reines weiß, während das Titelbild eine nostalgische Zeichnung eines jungen Mädchens auf einem Kissenberg zeigt – natürlich die Prinzessin auf der Erbse. Das Blumenmuster, das darum zu sehen ist, erinnert aber eher an eine geschickte Werbemaßnahme, die einige Jahre später in große Mode gekommen ist.

Fazit: Die Märchen von Hans Christian Andersen mit ihrer ganz besonderen Ausstrahlung werden hier sehr hübsch aufbereitet, selbst wenn diese recht knapp erzählt wurden. Mich freut sehr, dass eine so gute Mischung aus nachdenklichen und witzigen Momenten geraten ist und die Moral der Geschichten nicht zu sehr in den Mittelpunkt gerückt werden.

VÖ: 26. Oktober 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0391-9

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