Die feuerrote Friederike



Von den Kindern in der Straße wird Friederike ausgelacht und gehänselt – und das nur wegen ihrer feuerroten Haare, die ihr in wilden Locken vom Kopf abstehen. Sie wächst bei ihrer Annatante auf und findet bei ihr und dem Kater Geborgenheit und immerhin einen Freund: Der Briefträger Bruno ist völlig egal, welche Haarfarbe sie hat – vielleicht auch, weil er farbenblind ist...

Bis ins hohe Alter hat die 2018 verstorbene Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger gearbeitet und neue Bücher veröffentlicht, vollkommen zurecht gilt sie als eine der wichtigsten Vertreterinnen ihres Genres. 2018 ist auch ein Hörspiel von SWR und NDR produziert und vom Audio Verlag auf CD gepresst worden, welches ganz an den Anfang ihres Werkes zurückblickt und ihr allererstes Buch vertont: Die feuerrote Friederike. Die Geschichte hat nichts von ihrer Aktualität verloren, im Kern geht es um ein Kind, das gehänselt wird, Außenseiter ist und nirgendwo richtig Anschluss findet. Ein wenig von dem Beiwerk wirkt dabei einen Hauch nostalgisch, aber auf sehr angenehme Art und so, dass auch „Kinder von heute“ sich in der Geschichte wiederfinden können – insbesondere weil die Umsetzung modern und ansprechend geraten ist. Das fängt schon bei den rhythmisch-melodischen Hänseleien der Kinder an und hört bei den lebendig agierenden Sprechern noch lange nicht auf. Schön sind besonders die magischen und geheimnisvollen Elemente, die eingebunden sind, beispielsweise die Fähigkeit, die Friederike durch ihre Haare hat, oder der Aufenthaltsort einer wichtigen Figur, die durch ein kleines Wortspiel eingebaut wurde. Viele liebenswerte Momente und eine wundervolle Grundstimmung bei Friederike zu Hause prägen das Hörspiel, dazu in hartem Kontrast die Gemeinheiten der anderen Kinder – in „Die feuerrote Friederike“ geht es sehr dynamisch und ein bisschen spannend zu, was durch das ungewöhnliche Ende noch unterstrichen wird. Nicht nur als Buch, sondern auch als Hörspiel ist das Erstlingswerk von Nöstlinger sehr empfehlenswert.

Die Sprecherauswahl ist dem Produktionsteam sehr gut gelungen, bekannte und neue Stimmen wechseln sich hier ab. Toni Lorentz gehört wohl eher zur zweiten Kategorie, hat als Friederike aber eine sehr gute Leistung abgeliefert: Mit dem nötige Feuer, um enttäuschte Hilflosigkeit und ebenso treffend darzustellen wie eine ordentliche Portion Starrsinn setzt sie die Figur wild und entschlossen um. Toll auch Sandra Schwittau, die ihre Stimme hier besonders kratzig klingen lässt und so dem Kater zu einer ganz besonderen Ausstrahlung zu verhelfen. Die wunderbare Brigitte Grothum ist als Erzählerin zu hören, sie verleiht ihren Passagen viel von der Warmherzigkeit, die auch in den Spielszenen zu hören ist und lässt diese sehr lebendig wirken. Weitere Sprecher sind Sewtlana Schönfeld, Heiko Pinokowski und Leo Knizka.

Wie bereits erwähnt wirkt die Umsetzung der Handlung sehr treffend, besonders die rhythmisch vorgetragenen Beleidigungen von Friederike sind perfekt umgesetzt. Aber auch andere Protagonisten sind mal singend zu hören, dann ist mal eine kleine instrumentale Melodie zu hören, dann gibt es eine mit Geräuschen hübsch gestaltete Szene, sodass eigentlich immer etwa los ist, was sehr stimmig wirkt.

Klar, dass das Buchcover auch für diese Audioausgabe verwendet wurde. Ein dicker, natürlich roter Rahmen fasst das Bild von Friederike ein, die mit herrlich einfachen Formen gezeichnet wurde und deren buschige Haare bestens zur Geltung kommen. Das Innere des schlichten und hübschen Digipacks ist übersichtlich gestaltet.

Fazit: „Die feuerrote Friederike“ ist eine wundervolle Geschichte voller Fantasie und Kraft, in der sich Kinder mit einem wichtigen Thema konfrontiert sehen – sei es, weil die selbst geärgert werden oder ihr eigenes Verhalten reflektieren müssen. Die Umsetzung ist dank toller Sprecher und einer lebendigen Gestaltung sehr gut gelungen und macht einfach Spaß.

VÖ: 21. September 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0762-7

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