Gruselkabinett – 142. Das Zeichen der Bestie



Die Feier zum Neujahrswechsel begehen Kipling und seine Freunde Strickland und Fleete ausgelassen und mit viel Alkohol. Auf dem Weg nach Hause kommen sie an einem alten Tempel der indischen Gottheiten vorbei, was Fleete zu einer unbedachten und ziemlich respektlosen Tat verleitet. Das nehmen auch die Priester des Tempels wahr, was unheilvolle Mächte heraufbeschwört...

Rudyard Kipling ist auch heute noch bestens für sein bekanntestes Werk „Das Dschungelbuch“ bekannt, doch bereits die 31. Episode des Gruselkabinetts von Titania Medien hat bewiesen, dass er noch weitere interessante Geschichten verfasst hat. Auch die 142. Episode widmet sich einer Vorlage des Autors und weist – wie die beiden vorgenannten Geschichten – wieder einen starken Bezug zu Indien auf. Antrieb dieser Folge ist der Bezug zur dortigen Götterwelt, was zwar nicht sonderlich ausführlich geschehen ist, dafür für eine sehr unheimliche Atmosphäre sorgt. Besonders interessante ist dabei, dass Kipling hier aus der Ich-Perspektive schreibt, als hätten die Ereignisse aus „Das Zeichen der Bestie“ tatsächlich stattgefunden. So beschreibt er die Wandlung seines Freundes Fleete sehr eingängig und nahbar, den psychischen Verfall ebenso sehr wie die körperlichen Veränderungen, die mit ihm vorgehen. Nach dem intensiven und sehr intensiv beschriebenen Beginn geht es später eine Spur ruhiger zu, ein wirklicher Höhepunkt ist danach nicht mehr auszumachen. Dennoch kann die Episode gerade dadurch mit eher leisem Grusel und einer sehr vielseitigen Beschreibung der Ereignisse, von Land und Leuten überzeugen, was durch die sehr gelungene atmosphärische Umsetzung noch unterstützt wird. Das wirkt in sich sehr rund und stimmig und sorgt für einen sehr soliden Eindruck dieser Produkton.

Thomas Balou Martin taucht nicht zum ersten Mal im Gruselkabinett auf und überzeugt auch hier wieder in der Rolle der Rudyard Kipling, den er mit seiner ausdrucksstarken Stimme und einem Gespür für das richtige Timing sehr gut umsetzt. Claus Thull-Emden hat mit Fleete die markanteste Rolle des Hörspiels und überzeugt mit vielen Facetten und einer sehr lebendigen Sprechweise, er sorgt für zahlreiche unheimliche Momente. Rolf Berg komplettiert das Freundestrio als Strickland, auch er setzt in seiner Rolle gekonnt Akzente und zeichnet mit seiner Stimme den Handlungsbogen der Folge nach. Weitere Sprecher sind Sascha von Zambelly, Peter Weis und Horst Naumann.

Der indische Einfluss ist akustisch zwar nicht ganz so präsent wie in „Die Gespenster-Rikscha“, dennoch erinnern die eingesetzten Melodien an das ferne Land und bringen so eine neue Nuance in die Serie. Die unheimliche Szene ganz zu Beginn setzt dann auch mit vielen akustischen Elementen einen gekonnten Höhepunkt, ansonsten konzentriert sich die Umsetzung der Folge eher auf Dialoge und Sprecher.

Die Cover haben in letzter Zeit kleineren Experimenten Raum gelassen, hier ist aber wieder ein sehr klassisch anmutendes Titelbild zu sehen. Vor einer riesigen Affenstatue, die von zwei hoch lodernden Feuern beleuchtet wird, steh ein Mann in Expeditionskleidung und wird ebenfalls von rötlichem Licht eingetaucht, während die restliche Gestaltung eher in Grün- und Grautönen gehalten ist.

Fazit: Der ganz große Knall bleibt in dieser Episode zwar aus, doch durch den intensiven Beginn und die unheilvollen nachfolgenden Ereignisse wird hier dennoch für kurzweiligen und unterhaltsam Grusel gesorgt, der durch die unmittelbare Einbindung des Autors sehr präsent wirkt. Auch die Beschreibung der indischen Kultur wirkt sehr greifbar und runde diese hörenswerte Episode ab.

VÖ: 26. Oktober 2018
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5722-2

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