Sherlock Holmes – 36. Das unheimliche Pfarrhaus



Es sollten ein paar entspannte Tage in malerischer Umgebung für Sherlock Holmes und Dr. Watson werden, doch auch an der beschaulichen englischen Küste wartet ein neuer Fall auf den Meisterdetektiv. Denn in dem Pfarrhaus des Städtchens ereignen sich Nacht für Nacht seltsame Geistererscheinungen, die die Bewohner in Angst und Schrecken versetzen...

Bereits zweimal sind Sherlock Holmes und sein Chronist Dr. Watson in Geschichten anderer Autoren eingetaucht, und auch die 36. Episode der Serie von Titania Medien stammt nicht aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle. Vielmehr haben Stephan Bosenius und Marc Gruppe eine Geschichte von Herman Cyril McNeile adaptiert und die beiden bekannten Figuren hineingeschrieben, was sehr nahtlos geschehen ist. Da die beiden Figuren wieder ihren vollen Charme entfalten können und ihre besonderen Eigenschaften gut aufgegriffen wurden, fügen sich beide gekonnt ein, ein Versatz ist an keiner Stelle zu merken – zumal mit Inspector Lestrade eine weitere Figur die Bühne betritt, die dem geneigten Hörer bestens bekannt ist. Andersherum funktioniert der Kniff übrigens genauso gut, tatsächlich ist der Aufbau den ursprünglichen Vorlagen nicht weit entfernt. Auch dass eine scheinbar übernatürliche Erscheinung aufgedeckt werden und dabei auf die kleinen Details geachtet werden muss, ist auch beim britischen Autor mehrfach vorgekommen. Die Stimmung ist zunächst gelöst und ziemlich charmant, bringt dann aber auch eine hübsch unheimliche Note mit ein. Die anschließenden Ermittlungen sind recht ausführlich geraten und legen Wert auf genaue Erläuterungen, was das Tempo der Folge etwas drosselt. Dennoch ist alles unterhaltsam geraten und punktet mit einem konsequent erzählten Verlauf mit gelungenem Spannungsaufbau. Die Auflösung des Ganzen kommt dann zwar nicht allzu überraschend, kleine Wendungen und ein sehr elegantes Finale sorgen aber dennoch für einen geschliffenen Eindruck der Folge.

Das Duo aus Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt hat mich in den beiden Hauptrollen wieder überzeugt, beide spielen sich gekonnt die Bälle zu und sorgen mit ihren kleinen Wortduellen für lockere und angenehme Unterhaltung. Hans Beyers markante Stimme passt gut zu der Rolle des Mr. Maxwell, den er mit viel Wucht und sehr präsent umsetzt, den anderen Figuren aber dennoch genügend Raum lässt. Jonas Baeck spricht in dieser Folge den jungen Maguire und legt dabei einige Finessen in seine Stimme, die einen weiteren passenden Charakter formen. Weitere Sprecher sind Lutz Reichert, Jean Paul Baeck und auch Marc Gruppe ist mal wieder selbst zu hören.

Große Experimente werden zumindest in akustischer Hinsicht nicht gewagt, sodass ein sehr gepflegter und gediegener Eindruck entsteht. So kann man gut abtauchen in die damalige Zeit, was sowohl in Sachen Geräusche als auch musikalisch einen stimmigen Eindruck ergibt. Die unheimlichen Szenen sind dabei recht dezent umgesetzt, sodass der Fokus eher auf den Ermittlungen liegt.

Auf dem Cover wird hingegen eher auf den gruseligen Aspekt des alten Pfarrhauses gelegt, welches sich inmitten eines Nebelfeldes vom dem ihn umgebenden verwitterten Friedhof erhebt und von einem riesigen Vollmond beschienen wird. Die spärliche Beleuchtung sorgt für einen gelungenen Gesamteindruck. Im Inneren gibt es die bereits bekannten, sehr hübschen Illustrationen von Holmes und Watson.

Fazit: Die Idee, Holmes und Watson in eine andere Geschichte hineinzuschreiben, funktioniert auch hier wieder bestens, die Handlung hätte gut und gerne auch von Sir Arthur Conan Doyle stammen. Die Erzählweise ist stellenweise vielleicht einen Tick zu langsam geraten, was durch viel Atmosphäre aber wieder ausgeglichen wird. Auch der Auftritt von Lestrade hat mir hier sehr gut gefallen.

VÖ: 26. Oktober 2018
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5726-0

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