Gruselkabinett – 141. Der Judas-Kuss



Auf einer Schiffsreise mit seinem Butler Adams macht Colonel Rowan die äußerst unangenehme Bekanntschaft mit einem fremden Mann. Zunächst hat er sich bei dem Kapitän des Schiff über den Gesundheits- und Geisteszustand des zurückgezogenen und verlotterten Mann erkundet, da attackiert ihn dieser auf übelste Weise. Auch als er von einer unheimlichen Legende erfährt, lassen ihn die Gedanken an die Begegnung nicht los...

Mit einem ungewöhnlichen Cover und einem ebensolchen Titel lenkt die 141. Episode des Gruselkabinetts schon einmal die Aufmerksamkeit auf sich. Umso schöner natürlich, dass die so geweckten Erwartungen erfüllt werden und eine richtig starke Episode der Serie entstanden ist. Schon zu Beginn wird mit der oben beschriebene Szene an Deck des Flussschiffes eine sehr dichte Stimmung geschaffen, der äußerst unfreundliche und abweisende Fremde mit seinen heftigen verbalen Beschimpfungen ist in dieser Deutlichkeit für die Serie ungewöhnlich. Den Mann verliert die Handlung erst einmal aus den Augen und widmet sich anderen Themen, die eine alte Legende zum Thema hat – wie das Cover schon andeutet handelt es sich dabei um einen Vampir-Mythos. Aber auch die Anleihen an andere Werke haben ihren Platz gefunden und steigern den Reiz der Episode. Zum einen ist da die ganz offene Nennung vom wohl bekanntesten Werk über einen Vampir, aber auch ein altes Märchen der Brüder Grimm und andere populäre Geschichten werden erwähnt und beeinflussen die Handlung, im Zentrum steht dabei natürlich die Bibelstelle um Judas. Am Ende gibt es dann noch in einem dunklen Schloss einige sehr unheimliche Szenen, die in einem packenden Finale gipfeln und eine Szenerie voller Schrecken und Unheil verbreiten. Das setzt der sowieso schon starken Handlung das berühmte Tüpfelchen auf dem i auf, sodass „Der Judas-Kuss“ eine sehr starke Episode der Serie wird.

Die Folge greift mal wieder auf einen externen Erzähler zurück, was sich jedoch in angenehmen Grenzen hält. Dennoch sorgt Peter Weis für viel Atmosphäre, indem er seine Szenen sehr vielfältig betont und gekonnte Akzente setzt. Colonel Rowan ist mit Rolf Berg ebenfalls sehr gut besetzt, mit seiner volltönenden Stimme füllt er die Szenen mit Leben und ist besonders in den unheimlichen, bedrückenden Szenen sehr stark. Perfekt ist auch die Interpretation von Jean Paul Beack, der mit viel Wucht, eindringlicher Betonung und einem Hauch Pathos für sehr intensive Momente sorgt und sich perfekt in die Handlung einfügt. Weitere Sprecher sind Tom Raczko, Bert Stevens und Claus Thull-Emden.

Wie nicht anders zu erwarten ist auch hier wieder eine sehr dichte atmosphärische Gestaltung gelungen, die die einzelnen Szenen eng einfasst und immer sehr präsent ist – mal durch passende Hintergrundgeräusche, meist durch viele Melodien, die die Aura der Szenen einfangen und verstärken. Wieder ist dabei alles fein aufeinander abgestimmt, was die Stärken der Folge weiter unterstreicht.

Illustrator Ertugrul Edirne hat hier ein sehr besonderes Cover geschaffen, welches durch seinen kühlen und modernen Zeichenstil aus der bisherigen Galerie heraussticht. Die bläuliche Grundstimmung gepaart mit knallroten Elementen passt sehr gut zu der Folge, das ausdrucksstarke Gesicht der Vampirin ist dazu sehr fesselnd geraten. Ein echter Hingucker!

Fazit: Ein starkes Intro, eine düstere Legende, viele Reminiszenzen an andere Geschichten, ein spannender Verlauf, ein packendes Finale - „Der Judas-Kuss“ hat mir sehr gut gefallen und mich von Anfang bis Ende gefesselt. Die sowieso schon starke Vorlage wurde zudem sehr dynamisch und treffend umgesetzt, was eine sehr hörenswerte Folge ergibt.

VÖ: 28. September 2018
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5721-5

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