Geronimo (Leon de Winter)



Am 2. Mai 2011 hat die lange Suche nach Osama Bin Laden Erfolg, ein Trupp von Elitesoldaten stürmt sein Versteck in Pakistan. Doch dies ist nur der Gipfel des Eisbergs, die langen Vorbereitungen hat auch der ehemalige CIA-Mitarbeiter Tom geprägt. Neben diversen Konflikten mit seiner Ex-Frau gerät er unversehens zwischen die Fronten des erbitterten Krieges...

Leon de Winter hat sich bereits seit langen einen Namen als international erfolgreicher Autor gemacht und baut immer wieder neue Ideen in seine Romane ein. „Geronimo“ bietet wieder eine handfeste Überraschung und hat sich aktuellster Zeitgeschichte angenommen: Der Tod Osama Bin Laden, Kopf von Al Quaida, Hintermann der Anschläge vom elften September, Drahtzieher einer globalen Terrororganisation. All das wird in der Geschichte, die in einer aufwändigen Hörspielfassung auch beim Audio Verlag erhältlich ist, zu großen Teilen ausgespart und eben nur die Entwicklungen präsentiert, die schließlich zur Exekution des wohl meistgesuchten Mannes führten – und zwar in einer sehr alternativen Version, die deutlich von offiziellen Versionen abweichen. Er hat seine ganz eigene Sicht der Dinge präsentiert, Bin Laden wird beispielsweise als herrischer Hausmann mit Hang zu Eiscreme dargestellt. Da blitzt dann auch immer wieder Humor mit auf, bei dem man sich unweigerlich fragt: Darf er das? Vor dem Hintergrund des Todes unzähliger Menschen? Die Antwort wird jeder für sich selbst beantworten müssen, die Qualität des Hörspiels beeinflusst dies jedenfalls nicht. Der Aufbau ist dynamisch, da zwischen verschiedenen Erzählperspektiven gewechselt wird, die Charaktere sind sehr klar und greifbar (wenn auch manchmal etwas eindimensional). Es haben sich allerdings auch einige langwierige Szenen eingeschlichen, die die Handlung ins Stocken bringen. Wie immer bei Romanen von Leon de Winter ist die Verwendung der Sprache vielseitig, treffend und flüssig, was über die kleinen Stolpersteine hinwegtrösten kann.

Tom Johnson wird von Sylvester Groth gesprochen, der sehr gut in die Rolle passt und mit viel Ausdruck zum Leben erweckt. Er verändert seinen Klang immer wieder um feine Nuancen, sodass auch die Entwicklung seines Charakters nachvollzogen werden kann. Barbara Nüsse bildet als Ruth Florentino einen markanten Gegenpart zu ihm, auch sie trifft immer genau den richtigen Ton und vertieft die Stimmung der Handlung noch weiter. Matthias Bundschuh schafft einen sehr gelungenen Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und bitterer Satire, was seinen Szenen ein sehr eindringlichen Eindruck verleiht. Weitere Sprecher sind Stephanie Eidt, Birte Schöink und Sebastian Urzendowsky.

Die Umsetzung des NDR, der das Hörspiel produziert hat, ist stimmig und einem modernen Thriller sehr angemessen. Dabei halten sich Musik und Geräusche die Waage, die endgültige Entscheidung ist dabei immer zugunsten der Dialoge gefallen. Dennoch wird der Spannungsbogen gekonnt untermalt und nachgezeichnet, was insgesamt gut gelungen ist.

Der strahlend weiße Hintergrund der Buchvorlage wurde auch hier übernommen, ebenso wie das Motiv mit dem stilisierten Hubschrauber, dessen Rotoren rot leichten und einen der wenigen Farbtupfer bildet. Die vier CDs sind in einem Digipack mit Papplaschen untergebracht, wobei neben einem Foto aus den jüngeren Jahren von Bin Laden auch ein unvergessenes Motiv der von ihm initiierten Anschläge zu sehen ist.

Fazit: Ein ungewöhnliches und durchaus heikles Thema, Osama Bin Laden einerseits auch in privaten Momenten zu zeigen – als auch seinen Tod unter anderen Blickwinkeln zu betrachten. Das ist über weite Teile spannend und dynamisch, lässt aber an einigen Stellen auch nach und kann den Nervenkitzel nicht durchgehend halten. Die Umsetzung ist ebenso wie die sprachliche Verwendung gelungen, doch vollkommen ist der Funke nicht übergesprungen.

VÖ: 20. Juli 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0642-2

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