Gruselkabinett – 139. Der Rabe



Auf einer Reise durch das europäische Festland lernt der Engländer Noel Baron die faszinierende Lady Ligeia kennen, die ihn sofort mit ihrer dunklen Ausstrahlung in ihren Bann zieht. Aus der gegenseitigen Zuneigung entwickelt sich bald eine tiefe, wilde Liebe, doch irgendwann ziehen dunkle Schatten über die beiden, die Ligeaia in einem Gedicht über einen Raben verarbeitet...

Edgar Allan Poe ist als Meister des Grusels schon des öfteren im Gruselkabinett von Titania Medien vertreten, auf sein wohl bekanntestes Werk „Der Rabe“ mussten sich die Hörer jedoch bis zur 139. Episode gedulden. Und da das Gedicht gar nicht mal so lang ist und ein ganzes Hörspiel kaum gefüllt hätte, wurde es wie schon bei vorigen Folgen mit einer anderen Geschichte verknüpft: Ligeia. Eine Geschichte voller Begehren, Verlangen und wilder Liebe, auf die sich aber auch schnell ein dunkler Schatten legt. Von der ersten Begegnung mit Ligeia an verändert sich Noel, was im Hörspiel sehr gut zur Geltung kommt und immer weiter vorangetrieben wird. So verfangen sich die beiden Liebenden in einer sehr intensiven Beziehung, die jedoch von einer bedeutenden Wendung heimgesucht wird. Und genau dann setzt auch die wortgetreue Inszenierung von „Der Rabe“ ein, in der einzelne Worte wie das prägende „Nimmermehr“ von einer anderen Stimme übernommen werden. Dieses kurze Intermezzo der Geschichte wird zwar später in einigen Motiven noch einmal aufgegriffen, steht aber eher für sich, die Handlung konzentriert sich später wieder auf die Handlung von „Ligeia“. Hier zeigt sich dann, wie sehr sich Noel durch die Beziehung verändert hat, wie sich viele seiner Eigenschaften ins Gegenteil verkehrt haben, wie er Gefallen an Grausamkeit und Verachtung empfindet. Das alles ist bislang nicht sonderlich übernatürlich, was sich aber in dem packenden Finale ändert. Die Inszenierung ist sehr intensiv geraten, die Motive der beiden Folgen sind bestens verknüpft – mir hat „Der Rabe“ nach zwei der herausragendsten Erzählungen von Poe gerade wegen des leisen Grusel bestens gefallen.

Johannes Raspe ist in der Hauptrolle des Noel Baron zu hören, den er ganz und gar authentisch und intensiv spricht, seine Veränderung treffend umsetzt und den Spannungsbogen der Folge mit seiner Stimme nachzeichnet. Auch das Vortragen von „Der Rabe“ ist ihm sehr gut gelungen, durch ihn kommt dieser Abschnitt sehr eindringlich zur Geltung. Kristine Walther spricht die Rolle der Ligeia mit ausdrucksstarker Stimme und genau der richtigen Portion erotischer Ausstrahlung, sodass man Noels Faszination sofort nachempfinden kann. Auch Reinhilt Schneider ist hier mal wieder im Gruselkabinett zu hören, bestimmt den zweiten Teil der Handlung wesentlich mit und kann die Veränderung der Person mit sehr treffenden Variationen ihrer Stimme erlebbar machen. Weitere Episoden sind Max Schautzer, Detlef Bierstedt und Joachim Tennstedt.

Natürlich sind auch hier wieder zahlreiche akustische Elemente eingebaut, die die jeweilige Szene gekonnt unterstreichen. Besonders die eingebaute Musik trägt dazu bei und legt sich eng um die Geschichte, ohne zu sehr von den Sprechern abzulenken. Auch der Vortrag des Gedichtes erfährt mit einigen Effekten eine Aufwertung, die den Grusel noch unterstützt.

Das Cover zeigt Motive aus beiden Teilen der Geschichte, wobei der Rabe mit den rot leuchtenden Augen, der wütend die Flügel aufgestellt hat, den ersten Blick auf sich zieht, gefolgt von den beiden melancholisch schauenden und halb durchsichtig dargestellten Frauen, wie sie auch im Hörspiel beschrieben werden. Doch es sind noch weitere Elemente eingebaut, die man erst nach dem Hören wirklich wahrnimmt – sehr ansehnlich.

Fazit: Sicherlich nicht die unheimlichste Episode des Gruselkabinetts, und auch die Verknüpfung zweier Poe-Geschichten ist in anderen Folgen etwas besser gelungen. Dennoch hat mich „Der Rabe“ völlig gepackt, die Szenerie voller düsterer Liebe, Begehren und Faszination hat mir ebenso gut gefallen wie die intensive Umsetzung der beiden Geschichten.

VÖ: 31. August 2018
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5719-2

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