Sherlock Holmes Chronicles – 54. Die Kaiserattentate



Der russische Zar Nikolai II ist zu Besuch im Berliner Luxushotel Adlon, wo ein Attentat auf ihn verübt wird. Niemand anderes als der Meisterdetektiv Sherlock Holmes scheint diesen Fall aufklären zu können und wird von dem Zaren selbst beauftragt. Doch schon kurze Zeit später wird ein zweiter Anschlag verübt, und Holmes gerät unter Zeitdruck...

Bei der 54. Episode der „Sherlock Holmes Chronicles“ von WinterZeit ist wieder mal eine Langfolge auf zwei CDs erschienen, was per se auf eine eher komplexe Handlung hindeutet. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit von „Die Kaiserattentate“, denn hier sind viele historische Aspekte eingebunden, die Handlung basiert auf vielen realen Fakten und wurde mit einer spannenden Handlung angereichert. Da sind natürlich viele Erklärungen notwendig, die dann gerade am Anfang auch reichlich geliefert werden. Dr. Watson ist hierfür zuständig und hat dementsprechend einige recht lang geratene Monologe, was dann etwas starr wirkt und den Einstieg etwas holprig gestaltet. Später gleicht sich dieser Eindruck aber wieder sehr aus, dann wird die Handlung deutlich dialoglastiger und auch temporeicher, wobei einige geschickt platzierte Wendungen für Abwechslung sorgen. Gut gefällt mir dabei, dass sich viele Rätsel aneinanderreihen und gelöst werden müssen, damit aber immer nur Teilbereiche aufgedeckt werden. Holmes und Watson arbeiten sich durch mehrere Schichten und kommen dem Kern immer näher, wobei die geschichtlichen Aspekte sehr präsent eingebunden sind. Die Atmosphäre kommt dabei gut zur Geltung und wirkt immer sehr ernsthaft und präsent, verzichtet zugunsten der erwachsenen Stimmung auf die lockeren Sprüche und lockeren Momente. Das ist sehr stimmig konzipiert und spannend erzählt, sodass eine weitere empfehlenswerte Episode entstanden ist.

Die Besetzung der Folge ist sehr gut und punktet mit vielen starken Stimmen. Peter Lontzek ist beispielsweise als Zar Nikolai zu hören und klingt sehr markant und gestaltet seine Szenen facettenreich, sodass ein sehr präsenter Charakter entsteht. Rainer Fritzsche ist als Bobrinski zu hören, auch er bereichert die Handlung mit seiner kräftigen und lebendigen Sprechweise, indem er in seine Szenen viel Energie einfließen lässt. Engelbert von Nordhausens unverkennbare Klangfarbe sticht auch hier hervor, durch seine sehr treffsichere Betonung wirkt auch der Charakter des Pollmann sehr eingängig. Weitere Sprecher sind Frank Felicetti, Cathlen Gawlich und Jannick Endemann.

Die Folge konzentriert sich sehr auf die Handlung und die Dialoge, die akustischen Stilmittel sind dabei eher zurückgefahren. Sicherlich gibt es auch hier wieder einige Melodien, die die Szenenübergänge auflockern, auch Geräusche sind wieder an den richtigen Stellen eingebaut. Doch dies wirkt hier eben noch ein wenig reduzierter und lenkt den Fokus auf die richtigen Dinge.

Das Cover ist dieses mal besonders gelungen und zeigt das Portrait von der Familie Romanov, das in das Konterfei von Sherlock Holmes eingebunden ist – gemeinsam mit dem alten Schriftstück im Hintergrund sehr ansehnlich. Im Inneren gibt es noch zwei Gemälde zu sehen, die eine wichtige Rolle in der Handlung spielen, in dem kleinen Einleitungstext ist noch die Erklärung zu finden, warum der Name Rasputin hier nicht immer gleich ausgesprochen wird.

Fazit: „Die Kaiserattentate“ ist eine außergewöhnliche Episode, die stark in einen geschichtlichen Kontext eingebettet ist und diesen gekonnt auskostet. Die Anschläge müssen dabei auf verschiedenen Ebenen aufgeklärt werden, jede Teillösung bringt weitere Fragen mit sich. Die Atmosphäre ist dabei immer sehr präsent, sodass eine überzeugende Langfolge entstanden ist.

VÖ: 27. Juli 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6056-9

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