Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat!



Der erste Weltkrieg hat Deutschland auch wirtschaftlich ruiniert, die Bevölkerung ist der alten Staatsordnung müde. Dass dabei gerade im konservativen Bayern eine Revolution angezettelt wird, die unblutig zur Demokratie führt, ist kaum bekannt, und doch hat Kurt Eisner genau dies geschafft und mit Hilfe seiner Unterstützer den Freistaat modernisiert...

Geschichte wird immer noch oft als trockenes und langweiliges Auswendiglernen von Daten verstanden, da dies oft genug in der Schule so gelehrt wird. Dass das aber auch anders geht, zeigt das Hörspiel „Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat“, einer Produktion des Hörverlags aus dem Jahr 2018. Denn hier wird Geschichte lebendig, man folgt einigen Charakteren auf ihrem Weg zur Demokratie, lernt die Zusammenhänge kennen und bekommt den Weg aufgezeichnet, der seine Auswirkungen bis in die heutige Zeit hat. Die Erzählweise ist dabei sehr gelungen, die einzelnen Teile fügen sich stimmig zusammen und ergeben mit der Zeit ein immer vollständigeres Bild der Zeit bekommt, gut nachvollziehbar und lebendig. Schön ist, dass das in eine Rahmenhandlung eingebunden ist und dennoch kleinere Episoden als Nebenschauplätze ihren Platz gefunden haben, was lebendig und dynamisch wirkt. Aber natürlich gibt es hier auch nicht den Aufbau eines gewöhnlichen Hörspiels, dazu ist die Produktion zu realitätsbezogen, sodass es eben auch einige Längen gibt, in denen die Handlung ins Stocken kommt. Es lohnt sich dann aber durchzuhalten und dennoch alles in sich aufzunehmen, denn in der Gesamtbetrachtung ist ein sehr hörenswertes und gleichzeitig lehrreiches Stück entstanden, das mit Anspruch und historischen Momenten überzeugt.

Johanna Bittenbender ist in kommerziellen Hörspielen bisher nicht in Erscheinung getreten, sorgt in dieser Produktion aber für eine sehr dichte Atmosphäre und überzeugt mit ihrer kraftvollen und ausdrucksstarken Stimme. Auch Gisela Schneeberger macht ihre Sache sehr gut, sie taucht tief in die Atmosphäre der damaligen Zeit ein und punktet mit glaubhafter und eingängiger Sprechweise. Heinz-Josef Braun trifft ebenso in jeder Szene den richtigen Ton und bereichert die Sprecherriege mit seinem prägnanten Klang. Weitere Sprecher sind Bernhard Butz und Grd Heidenreich.

Akustisch ist eine sehr passende Atmosphäre geschaffen worden, die die Dialoge in den Mittelpunkt stellt, aber auch authentische Musik einfließen lässt – klassische bayrische Volksmusik, mit Schwung gespielt von den „Wellbappn“, die immer sehr gut die jeweilige Stimmung getroffen haben. Es sind auch O-Töne mit eingeflossen, die sich natürlich vom Rest unterschieden, aber für noch mehr Authentizität verleihen.

Der Hörverlag hat der Eigenproduktion eine sehr ansehnliche Verpackung spendiert und ein mehrfach aufklappbares Digipack entworfen, das mit seinem schwarz-weißen Cover mit einigen roten Absetzungen gut gestaltet ist. Im Inneren gibt es neben den beiden CDs, Zitaten und Quellenangaben noch ein eingeklebtes Booklet mit einer Einführung in das Thema, Informationen zu Zeitzeugen, den Mitwirkenden und einem sehr informativen Zeitstrahl zur Orientierung.

Fazit: „ Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat!“ ist eine sehr hörenswerte Art, sich sowohl dem Medium Hörspiel als auch der Historie auf eine ganz neue Art zu nähern – lebendig, authentisch und sehr gekonnt erzählt. Viele Zitate untermauern die Handlung, die zwar einige Längen hat, insgesamt aber unterhaltsam geraten ist.

VÖ: 29. Mai 2018
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2867-1

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