Vertigo – Aus dem Reich der Toten



Nach dem tödlichen Unfalls seines Partners und den damit einhergehenden Ängsten schlägt sich Roger Flavieres in Paris als Privatdetektiv durch. Der Besuch seines alten Freundes Paul beschert ihm einen neuen Auftrag, denn seit einiger Zeit geht eine merkwürdige Wandlung mit seiner Frau vor. Sie scheint völlig abwesend und fasziniert von einer längst verstorbenen Vorfahrin zu sein. Bei seinen Ermittlungen kommt Roger Madeleine auch privat immer näher...

„Vertigo“ ist besonders durch die Verfilmung von Alfred Hitchcock bekannt geworden, die Vorlage stammt aber aus dem Jahr 1954 und wurde von Pierre Boileau und Thomas Narcejac verfasst. 2018 hat das Kulturradio des rbb eine Hörspielvertonung produziert, die kurz nach der Sendung auch beim Audio Verlag in einer CD-Version erschienen ist. Dabei werde eindeutig viele Anleihen an das klassische Radiohörspiel genommen, der Klang, die Ästhetik erinnern sehr an frühere Zeiten – allerdings ohne deren oftmals zähe und langsame Erzählweise. Diese wirkt in dieser Produktion sehr gestrafft und auf den Kern gebracht, jede Szene hat ihren Platz und bringt die Geschichte auf die eine oder andere Weise weiter. Dabei gliedert sich die Handlung auf drei Zeitebenen: Zunächst wird in einem kurzen Intro der oben beschriebene Unfall von Rogers Partner beschrieben, später geht es mit der Beschattung von Madeleine weiter. Hier sind einige wunderbar mysteriöse Elemente eingebaut, die Psyche von Madeleine wird fragil und wechselhaft dargestellt. Auch der Hörer weiß bald nicht mehr, was er glauben soll, immer mehr verfällt die attraktive Frau in ihren Wahn bis zu einem vorläufigen Höhepunkt – und einem anschließenden Zeitsprung von mehreren Jahren. Ab dann wird die Handlung noch geheimnisvoller, verschachtelter, Roger verfällt nun seinerseits in einen Wahn. Das Spiel mit der Psyche wird hier noch weiter geführt und nach einem sehr guten Spannungsaufbau in einem bestens inszenierten Finale zur Spitze getrieben. Ein hörenswerter Krimi mit vielen ungewöhnlichen, aber sehr gut komponierten Elementen.

Alexander Radszun ist in der Hauptrolle des Roger Flavieres sehr gut besetzt und kann seinen Charakter sehr feinsinnig darstellen, auch kleine Gefühlsregungen treffen darstellen und so sehr vielschichtig und glaubhaft wirken. Patrycia Ziolowska ist als Madeleine ebenfalls eine sehr gute Wahl, ihre Stimme nimmt einen melancholischen Unterton an, auch die steigende Unsicherheit der jungen Frau und die spätere Wandlung werden sehr treffend von ihr aufgegriffen. Erzähler ist Matthias Scherwenikas, der eine eher ruhige, neutrale Sprechweise wählt und so den Fokus auf die komplex angelegten Figuren legt. Weitere Sprecher sind Michael Rotschopf, Margit Bendokat und Katja Teichmann.

Wie oben bereits erwähnt wurde die akustische Gestaltung gut an alte Radiohörspiele angepasst und würde unter ihnen kaum auffallen, nur dass der Klang sehr klar ist. Die Musik ist recht reichhaltig eingebaut und verleiht den Szenen viel Aufmerksamkeit, auch Geräusche sorgen für eine lebendige Atmosphäre, wobei die Sprecher und ihre Dialoge immer im Vordergrund stehen.

Das Cover setzt das Konzept weiter fort, die Silhouette des fallenden Mannes und die sich spiralförmig ineinander bewegenden geometrischen Formen in schwarz, weiß und rot werden erinnern ebenfalls an eine Veröffentlichung eines alten Radiohörspiels. Diese Optik setzt sich auch im Inneren vor, weitere Informationen sind nicht vorhanden. Der Raum hinter der CD wurde für ein Foto aus der Verfilmung reserviert.

Fazit: „Vertigo“ hat mit wegen seines Spiels mit der Psyche der Protagonisten sehr gut gefallen. Die Handlung ist spannend aufbereitet und vielschichtig, zumal sie sich über mehrere Jahre erstreckt und so unterschiedliche Ebenen erzählt. Toll, wie sich am Ende alles überraschend und doch sehr sinnvoll auflöst. Ein sehr gelungenes und hörenswertes Hörspiel.

VÖ: 20. Juli 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0721-4

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