H.G. Wells – Krieg der Welten – Teil 2



Langsam verbreitet sich die Nachricht von den angreifenden Marsbewohnern in England, bis nach London sind die Gerüchte gedrungen. Die Bevölkerung reagiert mit ängstlicher Skepsis, mittendrin drei Studenten, die sich ebenfalls uneins sind, was von den Berichten zu halten ist. Doch als sowohl die Telegrammleitungen als auch die Bahnstrecken in die Regionen zusammenbrechen, kommt langsam Panik auf...

Auch Oliver Döring hat sich den Geschichten von H.G. Wells angenommen und daraus eine eigene Hörspielreihe produziert, wobei das wohl bekannteste Werk des Science Fiction-Autors „Krieg der Welten“ als Dreiteiler erscheint – in dieser Folge wird also der Mittelteil erzählt. Und eben dieser wird oft verschrien, kaum neue Informationen zu bieten und die bekannten Figuren in Stellung für den finalen Showdown zu bringen. Doch davon kann bei diesem Hörspiel keine Rede sein, im Gegenteil werden noch einmal komplett neue Hauptcharaktere eingeführt, die zwar die begonnene Handlung weiterführen, aber von einem ganz anderen Punkt aus. Dieser Perspektivwechsel ist sehr interessant, zumal andere Schwerpunkt gesetzt werden. Hier geht es vorrangig um das langsame Zusammenbrechen der Zivilisation, um Ängste und Sorgen um geliebte Menschen, um die Rolle der Presse, die Reaktionen der Menschen. Die langsam ausbrechende Panik und die Flucht vor den Angriffen sind hervorragend inszeniert, insbesondere weil alles so realistisch und nahbar wirkt. Die neuen Charaktere kommen dabei sehr gut zur Geltung, auch der spätere Schwung zu bereits bekannten Figuren ist gelungen und verbindet die beiden Episoden miteinander. Und natürlich gibt es auch hier wieder beängstigende Kämpfe gegen die Marsinvasoren, die Dynamik verleihen und mit viel Wucht umgesetzt sind. Ein sehr stimmiges Bild wird dabei gezeichnet, was die den zweiten Teil dann auch so hörenswert macht.

Nico Sablik ist in dieser Episode als Stuart zu hören und bringt mit seiner ausdrucksstarken Stimme die Atmosphäre der Folge sehr gut zur Geltung, immer mehr Druck legt er in seinen Klang und hilft so, die Spannung zu steigern. Auch Jan Rohrbach hat mich als Lester vollkommen überzeugen, mit viel Überzeugungskraft und authentischer Aussprache setzt er gekonnt Akzente, und nimmt so den Hörer schnell für sich ein. Als wundervoller Nebencharakter entpuppt sich Marianne Gross als Mrs. Chandler, ihre reife Stimme mit dem unverkennbaren Unterton hat mir auch hier sehr gut gefallen, zumal auch die sehr nahbar klingt. Weitere Sprecher sind Christina Pucita, Roland Wolf und Roman Shamov.

Döring und sein Team haben es wieder geschafft, eine sehr intensive Atmosphäre zu erzeugen und so jeder Szene ein passendes Gewand zu schneidern – von den anfänglichen lockeren Szenen steigert sich der Sound immer weiter und unterstreicht so den Fortlauf der Episode. Dabei sind Musik und Geräusche eng miteinander verknüpft und bilden eine Einheit, die untrennbar mit den Dialogen verwoben scheint.

Das Endzeitszenario wird auf dem Cover im modernen Look dargestellt, London wird dabei von den marsianischen Angreifen zerstört, beobachtet von der Silhouette eines Menschen. Das ist sehr ansehnlich in Szene gesetzt und punktet auch mit den zur Stimmung passenden Farben. Im Inneren ist alles übersichtlich gestaltet, wobei nicht alle Sprecher ihren Rollen zugeordnet wurden.

Fazit: Der erste Teil hat schon stark vorgelegt, hier wird aber keinesfalls nachgelassen. Im Gegenteil: Durch den Perspektivwechsel kommt noch einmal eine ganz andere Stimmung auf, es werden neue Schwerpunkte gesetzt. Die aufkommende Panik und das Zusammenbrechen der Zivilisation werden mit menschlichen Schicksalen verknüpft, was sehr spannend und unterhaltsam geraten ist.

VÖ: 6. Juli 2018
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 0602557140422

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