Hanni und Nanni – 59. Bittere Lehre für Hanni und Nanni



Als die Schülerinnen des Lindenhofs dazu verdonnert werden, bei der Hausarbeit mitzuhelfen, suchen sich die Zwillinge und ihre Freundinnen aus, den Dachboden zu entrümpeln. Dabei haben Hanni und Nanni einen Hintergedanken, denn dort oben lagern sicherlich noch viele Dinge, die verkauft werden können. Die haben dabei einen Flohmarkt im Hinterkopf und wollen den Erlös an einen gute Zweck spenden. Voller Eifer machen die Mädchen sich an die Arbeit...

Auch wenn vorrangig kurzweilige Internatsgeschichten erzählt werden, ist in den „Hanni und Nanni“-Episoden von Europa auch immer ein gewisser Lerneffekt für die zuhörende Zielgruppe versteckt – mal mehr und mal weniger offensichtlich. Wer nun bei dem Titel „Bittere Lehre für Hanni und Nanni“ eine wahre Moralkeule erwartet, irrt sich glücklicherweise, denn gerade der erste Teil stürzt sich vor allem auf das heitere Internatsleben, bei dem sich die Mädchen gleichwohl für einen guten Zweck engagieren wollen und dabei noch Nützliches erledigen. Die Vorbereitungen auf den Flohmarkt haben mit der eigentlichen Handlung zwar recht wenig zu tun, sind aber kurzweilig und charmant umgesetzt worden. Mit dem Verschwinden einer wertvollen Puppe geht es dann mit dem Hauptteil der Episode weiter, die ein eher düsteres Bild zeichnet und von einem ziemlich gemeinen Betrug, aber auch von Armut handelt. Das ist gar nicht mal so leichte Kost für ein Kinderhörspiel und auch nicht sonderlich differenziert umgesetzt, hier werden einige Möglichkeiten verspielt, die Szenerie um die kleine Anna geschickter aufzubauen, dennoch sind viele positive Ansätze und eine flüssig erzählte Handlung vorhanden, die keine langwierigen Szenen beinhaltet.

Die Sprecherriege der Lindenhofmädchen ist wieder gewohnt stark, die unterschiedlichen Charaktere werden gut herausgearbeitet, als Beispiel seien Reinhilt Schneider, Susanne Wulkow und Barbara Schipper genannt. Lucia Mahler ist in dieser Folge als Anna zu hören und kann die widerstrebende Gefühlswelt des Mädchens treffend darstellen, besonders ihre Gewissensbisse nimmt man ihr ab. Ihre Mutter wird von der wunderbaren Katja Brügger gesprochen, die mit ihrer kratzigen Stimme sofort auffällt und dieser einen harten Klang verleiht. Auch Dagmar Dreke und Herma Koehn sind zu hören, als sympathisches Duo zweier aufgeweckter Damen spielen sie sehr gut miteinander.

Akustisch wurde wieder eine saubere Leistung von Europa abgeliefert, die besonders die verschiedenen Szenen mit passenden Geräuschen unterlegt. Aber auch das Stimmgewirr der Mädchen sorgt für einen positiven Eindruck und lässt das Hörspiel lebendiger wirken. Die Musik ist passend zur Handlung ausgewählt und sorgt für angenehme Szenenwechsel.

Eine Szene vom Flohmarkt ist auf dem Cover dargestellt, dass dieses mal in sehr mädchenhaften Rosatönen gehalten ist. Das eigentliche Motiv zeigt Hanni und Nanni an ihrem Verkaufsstand, wobei auf einige Details wieder mit Hilfe der Fotostreifen hingewiesen wird. Das Innere ist wieder sehr schlicht und unauffällig gestaltet.

Fazit: Die Handlung entwickelt sich über mehrere Ebenen weiter, von der anfänglichen heiteren Betriebsamkeit im Lindenhof bis zu dem kleinen Sozialdrama gibt es unterschiedliche Stimmungen zu erleben. Das hätte zwar etwas differenzierter geschehen können, ist für ein Kinderhörspiel aber treffend und gut verständlich umgesetzt.

VÖ: 15. Juni 2018
Label: Europa
Bestellnummer: 190758095622

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