Professor van Dusen – 16. Duell der Giganten



Kaum in Sankt Petersburg angekommen, werden Professor van Dusen und Hutchinson Hatch von der russischen Polizei gefangen genommen und in das Hochsicherheitsgefängnis der Stadt gebracht. Dort treffen sie auf den Innenminister des Landes, der überraschend um die Unterstützung der Denkmaschine bittet. Denn er nimmt die Drohung sehr ernst, dass die wertvollen Kronjuwelen aus ihrem Versteck gestohlen werden könnten...

Historische Gegebenheiten wurden von Autor Michael Koser häufiger in seine Geschichten um Professor van Dusen eingebunden, in „Duell der Giganten“ ist dieser Aspekt noch einmal verstärkt zu merken. Eingebettet ist die Handlung nämlich in die Szenerie des russisch-japanischen Krieges, wobei sowohl offene Kriegshandlungen als auch Spionage und Agenten ein Thema sind. Der Einstieg gerät mit der Festnahme der beiden Hauptfiguren recht aufregend, da nicht klar ist, welche Richtung die Handlung danach einschlagen würde. Tatsächlich ist hier eine Sache entscheidend anders als in den anderen Folgen: Van Dusen soll hier kein Verbrechen aufklären, sondern eines verhindern. Das bringt viel Dynamik mit in die Handlung, einige schnelle Szenenwechsel und die oft getriebene Stimmung durch neue Hinweise lassen das Hörspiel sehr kurzweilig wirken. Die Atmosphäre ist dabei sehr dicht, und dann bringt auch noch eine bekannte Person eine sehr individuelle Note mit ein. So entwickelt sich die Geschichte bis zu ihrem Höhepunkt unter dem Wasserspiegel immer weiter – und auch dann gibt es noch zahlreiche Überraschungen, für die besonders durch van Dusen mit seinem klugen und weisen Entscheidungen sorgt. Eine sehr starke Episode, die mit einem anderen Ansatz, historischen Gegebenheiten und einer cleveren Auflösung überzeugt.

Arnold Marquis ist in der Rolle des Innenministers Plehwe zu hören, der nicht nur die passende Aura von Macht und Kompromisslosigkeit bietet, sondern später auch auf charmante Weise einige Schwächen zugeben muss. Die wunderbare Susanna Bonasewicz begleitet das Detektivgespann als Fürstin Dolgoruki mit ihrer unverkennbaren Stimme, die sie mal sanft und zurückhaltend, dann aber auch scharf und schneidend klingen lässt. Harry Wüstenhagen ist als Kapitän Suchanow zu hören, auch er überzeugt mit einer sehr treffenden und lebendigen Sprechweise. Weiterhin zu hören sind Krikor Melikyan, Eric Vaessen und Wolfgang Condrus.

Ein schmissiger Marsch, eine leise Geigenmelodie – der Kontrast zwischen den eingesetzten Musikstücken ist stark, was die Dynamik der Handlung weiter unterstreicht. Das ist gut gelungen und greift verschiedene Stimmungen auf. Die Geräusche sind klassisch und sehr genau in die Dialoge eingebaut, sodass diese lebendiger wirken.

Schwere Ketten, Fesseln für Arme und Beine, eine einfache Pritsche und ein schlichter Hintergrund – in den typischen Farben der Covergestaltung gehalten greift das Titelmotiv einige Themen aus dem Hörspiel auf, was erst beim Hören so richtig zu passen scheint. Natürlich gibt es im Inneren wieder ein alternatives Cover mit deutlichen kräftigeren und kontrastreicheren Farben.

Fazit: „Duell der Giganten“ ist mal wieder sehr eigenständig und entwickelt eine individuelle Handlung, die sich nicht darum dreht, ein Verbrechen aufzuklären und den Täter zu entlarven – dieser ist über weite Teile bekannt. Vielmehr muss ein Diebstahl vor der Kulisse eines Krieges verhindert werden, was sehr eindringliche Stimmungen beinhaltet und gerade am Ende mit so einigen Wendungen überzeugt.

VÖ: 20. Oktober 2017
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-9606-6077-4

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