Sherlock Holmes Chronicles – 52. Die Geisterschlange / Fünf Apfelsinenkerne



Der Geburtstag eines alten Freundes von Dr. Watson, Sir Roderick, gestaltet sich anders als gewünscht, denn ein weiterer Gast stirbt auf seinem Anwesen unter merkwürdigen Umständen. Sherlock Holmes ist ebenfalls anwesend und muss seine ganze Cleverness aufbieten... (Die Geisterschlange)
Sein neuer Mandant John Openshaw berichtet nicht nur von dem Tod seines Vaters und seines Onkels, sondern auch von den Briefen, in denen neben einem kurzen Text auch stets fünf Orangenkerne zu finden waren. Neben den beiden Toten hat nun auch John solche Briefe erhalten... (Die fünf Orangenkerne)

Die „Sherlock Holmes Chronicles“ setzen seit Beginn nicht nur die Originalgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle um, sondern auch Interpretationen der bekannten Figur von anderen Autoren, die sich in verschiedenen Anthologien versammeln. Die 52. Folge der Reihe enthält beides, wobei „Die Geisterschlange“ aus der Feder von Guido Krain den Anfang macht. Es ist eine kleine, aber trickreiche Geschichte in klassischem Ambiente: Ein altes Anwesen inmitten eines Unwetters, von der Außenwelt fast abgeschnitten, dazu ein begrenzter Personenkreis und ein rätselhafter Mord. Dennoch ist der Fall keineswegs vorhersehbar, und auch wenn man den Täter schon recht bald erahnen kann. Denn der Weg, den Tathergang zu entschlüsseln, nimmt mehr Platz ein. Und auch die Überführung ist nicht geradeheraus, sondern trickreich geschehen. Ein kleiner, aber feiner Fall, bei dem die Charaktere gut zur Geltung kommen.
Als zweite Geschichte ist „Fünf Apfensinenkerne“ von Sir Arthur Conan Doyle zu hören, die hier auf den Punkt gebracht wurde. Denn viel zu ermitteln gibt es für Holmes nicht, nach dem Bericht seines Mandanten zieht dieser bereits seine ersten Schlussfolgerungen. Bei seinen Ermittlungen ist der Hörer nicht dabei, hier wird nur kurz Bericht erstattet, bis eine wahrlich unerwartete Wendung die Handlung erschüttert. Das alles geschieht fast nur in einer Szenerie in der Behausung von Holmes umgesetzt und entfaltet dennoch eine große Faszination, gerade weil das Tempo so hoch und das Thema so rätselhaft ist. Angereichert mit viel Charme der beiden Charakteren und einem sehr gut erzählten Intro ist auch diese zweite Episode gut gelungen.

Sir Roderick wird von Bodo Wolf gesprochen, der viel Energie in seiner Stimme legt und einige markante Szenen abliefert. Luisa Wietzorek ist als seine Tochter Grace zu hören und macht diesem Namen auch stimmlich alle Ehre, ihre vornehme Art und ihr gefühlsbetonten Auftreten passen bestens in das Ambiente dieser Episode. Tobias Kluckert überzeugt in der zweiten Episode um die Apfelsinenkerne mit einer sehr eingängigen Sprechweise und seiner wie immer gekonnt eingesetzten Stimme. Weitere Sprecher sind der wundervolle Peter Groeger, Adam Nümm und Bert Franzke.

Das Intro überrascht mit exotischen Klängen und einer Frauenstimme, die eine sehnsuchtvolle Melodie singt – die Aufmerksamkeit wird so direkt geweckt und auf die folgende Geschichte gelenkt. Doch auch danach fügen sich Musik und Geräusche sehr stimmig zusammen, sodass die Szenerie immer sehr präsent wirkt – selbst wenn diese aufgrund der beiden Geschichten nur selten wechselt.

Der Titel „Die Geisterschlange“ verführt ja geradezu zu einem um Aufmerksamkeit heischenden Titelbild. Dieser Versuchung wurde allerdings nicht nachgegeben, sondern es wird ein recht schlichtes Motiv von Holmes mit seiner stilistischen Kappe und seiner Pfeife präsentiert. Mit der düsteren Beleuchtung wirkt das sehr ansprechend, könnte aber auch zu vielen anderen Folgen der Reihe passen.

Fazit: „Die Geisterschlange“ geht gar nicht so sehr darum, den Täter zu ermitteln, das ist schnell geschehen. Vielmehr ist es sehr interessant, seine Vorgehensweise und Motive zu ermitteln und ihn zu überführen, was sehr eingängig geraten ist. Die sehr auf den Punkt gebrachte zweite Geschichte ist durch das hohe Tempo ebenfalls sehr hörenswert.

VÖ: 18. Mai 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-96066-054-5

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