Sherlock Holmes – Die Memoiren



Erster Eindruck: Acht Fälle für den Meisterdetektiv

Lange Zeit hat Sherlock Holmes den ersten Fall für sich behalten, den er selbst als Detektiv gelöst hat. Doch nach der langjährigen Freundschaft mit Dr. Watson berichtet er ihm dann doch von der Gloria Scott und seinem alten Studienkollegen Victor Trevor. Doch wo es einen Anfang gibt, muss es auch ein Ende geben, und so scheint Sherlock Holmes zum ersten mal einem Gegner nicht gewachsen zu sein...

Das Phänomen „Sherlock Holmes“ ist ungebrochen, vielleicht heute populärer denn je. Dem geschuldet (und weil es einfach richtig, richtig gute Vertonungen sind) hat der Audio Verlag im September 2017 zwei Boxen mit alten Radiohörspielen veröffentlicht, im Februar 2018 sind nun zwei weitere erschienen. „Die Memoiren“ enthält dabei satte acht Hörspiele auf fünf CDs mit einer Gesamtlaufzeit von über viereinhalb Stunden – genug Zeit also, um die Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle noch einmal aufleben zu lassen. Interessant ist dabei, dass in dieser Box sowohl der erste als auch der (scheinbar) letzte Fall des Detektivs vorhanden sind. Aber auch Sherlocks Bruder Mycroft wird hier chronologisch das erste mal erwähnt, man lernt also die Hauptfigur etwas besser kennen. Die Darstellung seiner Figur ist hier durchweg sehr gelungen, der leise Humor, der dabei zum Tragen kommt, kommt dabei immer wieder hervor. Und auch die Fälle sind gut zusammengestellt und sorgen für viel Abwechslung: Es gilt den Mord an einem Jockey zu klären (Silberstrahl), ein brisantes Dokument aufzuspüren, das aus dem Besitz eines Regierungsangestellten verschwunden ist (Das Geheimabkommen) und einem Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen (Das Musgrave-Ritual) – ganz unterschiedliche Ansätze und auch verschiedene Lösungswege sind hier zu hören, was nicht nur Fans alter Radiohörspiele erfreuen wird.

Drei unterschiedliche Sprecher sind hier in der Hauptrolle des Sherlock Holmes zu hören, die meisten Einsätze hat Peter Pasetti, der sich die Figur völlig zu eigen macht und mit trockenem Humor, Gewitztheit und einer ordentlichen Portion Scharfsinn eine sehr überzeugende Leistung abliefert. Rolf Henninger bleibt da schon etwas blasser und versprüht nicht so viel Charme, sondern bleibt auf einer sachlicheren Ebene, was insgesamt einen soliden Eindruck hinterlässt. Alexander Kerst reiht sich dabei irgendwo in der Mitte ein, er lässt immer wieder den feinen Humor der Figur aufblitzen, widmet sich den Ermittlungen aber sehr ernsthaft. Weitere Sprecher dieser Box sind Horst Tappert, Elmar Wepper und Gert Grellmann.

Zwei der Hörspiele stammen aus dem Jahr 1984, die übrigen aus den 60er Jahren. Der Klang ist dabei überraschend gut, die Stimmen klingen größtenteils klar, ein Grundrauschen oder ähnliche störende Nebengeräusche sind nicht wahrzunehmen. Die Geräuschkulisse ist etwas reduzierter als bei aktuellen Produktionen, doch durch wohlplatzierte Sounds und einige kleine Musikstücke ist dennoch eine gute atmosphärische Gestaltung entstanden.

Ein kräftiges Türkisblau ist als Hauptfarbe der Gestaltung gewählt worden, was sich durch die gesamte Aufmachung in Kombination mit Schwarz und etwas Weiß zieht. Das Cover des etwas dünn geratenen Pappschubers ist bereits von den anderen Teilen der Serie bekannt und auch in dieser Farbkombination sehr ansehnlich, während auch die Titelbilder der einzelnen CDs individuell und ansprechend gestaltet wurden.

Fazit: Die acht Fälle dieser Box sind sehr unterschiedlich angelegt und sorgen so für viel Abwechslung und verschiedene Grundstimmungen. Dabei sind einige sehr prägnante Fälle vorhanden, wobei „Das letzte Problem“ aufgrund seiner Dramatik besonders heraussticht. Die Umsetzungen sind klassisch, auf den Punkt gebracht und sehr unterhaltsam.

VÖ: 9. Februar 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0459-6

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