Hotzenplotz 3



Erster Eindruck: Geläutert oder mit fiesen Hintergedanken?

Der stets unrasierte Hotzenplotz wird vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen - Kasperl und Seppel können es kaum fassen. Doch will der ehemals gemeinste Räuber aller Zeiten tatsächlich die Gaunereien lassen, wie er es verspricht? Auch Oberwachtmeister Dimpfelmoser ist skeptisch und bittet die Wahrsagerin Frau Schlotterbeck um Hilfe. Doch Kasperl und Seppel stellen ihre eigenen Nachforschungen an...

Nachdem schon die ersten beiden Teile der Geschichten um den Räuber Hotzenplotz vom WDR neu vertont und anschließend von DAV veröffentlicht wurden, durfte auch der dritte und letzte Roman von Otfried Preußler nicht fehlen. Der angeblich geläuterte Räuber ist der Aufhänger für die Geschichte und wird sinnvoll, spannend und unendlich unterhaltsam fortgeführt. Die leicht skurrilen Figuren, immer wieder aufkommende Motive und neue, spaßige Einfälle sorgen auch hier für über 100 Minuten liebevolle Unterhaltung. Faszinierend finde ich, dass die Geschichte stellenweise recht nostalgisch wirkt, beispielsweise in der Wortwahl und der gesamten Atmosphäre, dabei aber trotzdem auf der Höhe der Zeit wirkt und einen ruhigen Gegenpol zu actiongeladenen Unterhaltungsformaten für Kinder der heutigen Zeit darstellt. Ich bin mir sicher, dass diese Geschichte auch heute noch bei jüngeren Zuhörern gut ankommt, besonders wenn die Umsetzung so zauberhaft ist wie hier. Und dass auch Erwachsene ihren Spaß daran haben werden, steht für mich völlig außer Zweifel.

Die Sprecherauswahl ist erneut hervorragend, die Stimmen sind allesamt aus den vorangegangenen Produktionen bekannt und wissen erneut zu begeistern. Dustin Semmelrogge ist als Seppel wunderbar schusselig und bringt das leichte Stottern des Namens "Hotzenplotz" sehr komisch, aber zu keiner Zeit albern herüber. Als gute Fee ist Sigrid Burkholder zu hören, die das Wesen ihres Charakter stimmlich umzusetzen weiß. Tom Deininger ist als schusseliger Wachtmeister Dimpfelmoser herrlich ironisch und kann seine Rolle durchgehend überzeugend darstellen. Weitere Sprecher sind Gunter Schoß, Tana Schanzara und Michael Mendl als Hotzenplotz.

Das Konzept der akkustischen Gestaltung geht auch hier auf. Obwohl recht viele Geräusche und Musik eingebaut sind, wirkt die Handlung zu keiner Zeit überladen, sondern wird immer sinnvoll begleitet. Die Musik leitet angenehme Szenenübergänge ein, die Geräusche unterstützen die Sprecher in ihrem Wirken. Sehr überzeugend, was der WDR da bietet!

Als einheitliche Linie präsentiert sich auch die Covergestaltung der CD. Auch hier wurde das Buchcover verwendet, eine charmante Zeichnung mit Witz. Die klare Struktur wurde auch hier übernommen, sodass alle drei Teile aneinandergereiht ein einheitliches Bild vermitteln, das die drei Cover noch einmal in einer Mini-Version zeigt.

Fazit: Auch Nummer drei der Serie ist ein Volltreffer! Witzig, unterhaltsam und voller Einfälle - wunderbar und eine wärmste Empfehlung meinerseits.

VÖ: Januar 2008
Label: DAV (Der AudioVerlag)
Bestellnummer: 978-3-89813-723-2