Die Ferienbande – 11. bricht in See



Erster Eindruck: Der rätselhafte Rattansessel

Für die Auflösung eines – nun ja, nennen wir es mal Falles – bekommt die Ferienbande eine Reise auf einem Kreuzfahrtschiff geschenkt. Schnell lernen sie dort Besatzung und Mitreisende mit, wobei sie auch einige bekannte Gesichter treffen (und sich mal mehr, mal weniger freuen). Doch das unbeschwerte Abenteuer nimmt eine schreckliche Wendung mit einem spektakulären Todesfall – nicht der einzige, den es auf der Reise geben soll...

Bereits zum dritten mal ist die „Ferienbande“ mit einem Live-Programm auf Tour gegangen und passt sich damit den Entwicklungen im Musikmarkt an, der schon lange erkannt hat, dass Events und das Gefühl, direkt „dabei“ zu sein, sehr im Trend liegen. Und so ist das elfte Abenteuer der grenzdebilen Juniordetektive wieder als Live-Mitschnitt veröffentlicht worden. Das ist Fluch und Segen zugleich: Zwar kommt die gelöste Stimmung bestens zur Geltung, zudem kommen einige spontane Gags hinzu, die so sicherlich nicht geplant waren beispielsweise wenn eine falsche Stimme zum Text erklingt). Andererseits fehlen dem Zuhörer der Doppel-CD einfach auch wesentliche Informationen – Bewegungen und Requisiten, die auf der Bühne genutzt werden, fehlen hier nun mal. In einem der typischen witzigen Kommentaren wird darauf auch angespielt. Der Fall an sich ist natürlich wieder eine urkomische und schräge Persiflage auf diverse Hörspielserien, wobei wieder einige Zitate eingebaut wurden, aber auch andere kultige Formate oder aktuelle gesellschaftliche Phänomene bekommen einen kleinen Seitenhieb verpasst. Die Handlung ist chaotisch, nicht gerade gradlinig und auf die vielen exzentrischen Charaktere ausgelegt, wie man es aus den vorigen Folgen schon gewohnt ist. Das sorgt für Kurzweil, nur die Szene nach der Pause will nicht so recht passen: Die beiden Animateure sind einfach nicht so witzig wie der Rest der Folge, da kann auch die kleine Gesangseinlage und ein schmissiger Übergang nichts mehr retten. Ansonsten gibt es derben Humor auch gern unterhalb der Gürtellinie, viele politisch ziemlich inkorrekte Gags und eine gehörige Portion Nonsens. Das muss man mögen. Ich mag es.

Die „Ferienbande“ besteht aus gerade einmal vier Sprechern, die aber insgesamt ist 16 Rollen auftreten. Sven Buchholz ist beispielsweise in den Hauptrollen des Bend und Bröckchen zu hören (und vertut sich da auch mal...) und verleiht beiden ihren eigenen Charme, aber auch exzentrische Frauenrollen bringt er mit sehr viel Humor herüber. Kai Schwind, der unter anderem Baul spricht, legt eine ähnliche Stimmvielfalt an den Tag und bringt jede Menge Humor mit ein. Chris Peter spricht Babsi, das Mädchen, herrlich überspitzt und sehr treffend, manche Kommentare kommen herrlich unerwartet und trocken. Matthias Keller ist nicht nur als Erzähler, sondern auch als Kommissar Tappert zu hören, auch er trägt sehr zur Steigerung des Humorfkators bei.

Die Geräusche sind zahlreich und vielseitig – und wurden live auf der Bühne erzeugt. Dies kann man natürlich auch nicht sehen, und das ist schade, so geht hiervon nicht der volle Reiz aus. Doch die lebendige Atmosphäre kommt dennoch sehr gut zur Geltung, inklusive einiger eingespielter Musikstücke und Gesangseinlagen.

Verpackt sind die beiden CDs in einem stabilen Digipack, das sich mehrfach aufklappen lässt und im Inneren nicht nur die Beteiligten an der Produktion auflistet, sondern auch jede Menge Fotos von der Show und eine kleine Trackliste enthält. Das Cover – standesgemäß mit schwarzem Rand – zeigt ein Foto der vier Sprecher mit Seemannsoutfit.

Fazit: Hier reiht sich Gag an Gag, und wenn einer mal nicht vollkommen zündet, stehen noch viele weitere bereit. Das macht wieder richtig Spaß und ist eine treffende Persiflage auf das Medium Hörspiel und viele andere Themen, sodass es gar nicht sonderlich auffällt, dass die Handlung dann doch eher dünn geraten ist – solange ab und an eine Riesenkrake auftaucht, ist schließlich auch für Spannung gesorgt.

VÖ: 6. April 2018
Label: WortArt
Bestellnummer: 978-3-9462-0731-3