Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 13. Die Auktion der Diebe



Erster Eindruck: Wilde undercover...

Die Inhaftierung eines legendären Meisterdiebes, der sich selbst „Der Schatten“ nennt, ist ein großer Erfolg für Scotland Yard. Doch beim Verhör verspricht dieser weitere Informationen für eine geringere Strafe zu liefern. Denn schließlich ist die jährlich stattfindende Auktion der Unterwelt, in der wertvolles Diebesgut seinen Besitzer wechselt, nicht nur ein Magnet für zwielichtige Gestalten, auch sollen dieses mal äußerst brisante Pläne versteigert werden...

Auch wenn im Titel der Serie Schriftsteller und unfreiwilliger Geheimagent Oscar Wilde sowie der Bruder von Sherlock Holmes Mycroft in einem Atemzug genannt werden, sind gemeinsame Szenen mit den beiden eher rar gesät. Auch die 13. Folge der Serie macht da keine Ausnahme, da beide Charaktere für verschiedene Teile der Geschichte verantwortlich sind: Holmes für den Beginn und das Verhör, Wilde für den Mittelteil. Beides geht gelungen ineinander über, beides hat viel Atmosphäre und einen kurzweiligen Verlauf. Doch ganz so stark wie einige seiner Vorgänger ist diese Folge nicht, da waren andere Handlungsstränge klarer umrissen und prägnanter erzählt. Doch auch hier gibt es einige Highlights, der Sklavenmarkt, auf den Oscar unversehens gerät beispielsweise, oder eben die titelgebende Auktion der Diebe. Diese ist das unbestrittene Highlight der Geschichte und gut mit der bisherigen Serienhandlung und realen Ereignissen verknüpft, hier kommt die Bedrohung der Welt durch diverse Superschurken wieder sehr gut zur Geltung. So verzeiht man, dass sich auf dem Weg dorthin kleinere Längen eingeschlichen haben und das Ende eine Spur zu abrupt erzählt ist, denn wieder ist eine abenteuerlich-mysteriöse Stimmung entstanden, die zum Markenzeichen der Serie geworden ist und mich immer wieder begeistert.

Markus Pfeiffer ist als geheimnisvoller „Schatten“ zu hören und gestaltet seine Szene sehr intensiv, indem er seiner Stimme einen dunklen Klang verleiht und so in wenigen Momenten eine einprägsame Figur erschafft. Michael Pans unverkennbarer Klang erzeugt auch hier wieder viel Aufmerksamkeit und sorgt so für eine intensive Szene, die mir richtig gut gefallen hat. Auch Tommi Piper ist als Felix Perrin eine Bereicherung für das Hörspiel, eine weitere starke Stimme, die sehr gut in die vorherrschende Atmosphäre passt. Weitere Sprecher sind Tobias Lelle, Holger Mahlich und Rüdiger Schulski.

Die Atmosphäre ist auch hier wieder sehr gut ausgestaltet, was insbesondere durch die vielen unterschiedlichen Melodien gewährleistet ist. Hier kommt sogar ein wenig nordafrikanisches Flair auf, wenn Wilde in Marrakesch unterwegs ist, aber auch die restlichen Szenen sind sehr stimmig untermalt worden. Hinzu kommen zahlreiche treffende und authentische Geräusche, die die Dialoge lebendig wirken lassen.

Es ist eine Art kleiner Altar, der da in der typischen Farbgebung der Covergestaltung auf dem Cover zu sehen, wertvolles Diebesgut, sanft von einer Kerze beleuchtet. Das reichverzierte Design ist dabei sehr ansehnlich und stimmig inszeniert und hat einen Bezug zur Handlung, ohne zu viel von ihr zu verraten. Wie immer sind die Sprecher auch hier bereits auf der Rückseite angegeben.

Fazit: Ganz so prägnant wie einige andere Folgen der Serie ist „Die Auktion der Diebe“ zwar nicht, dafür weist der Mittelteil einen zu geringen Bezug zum eigentlichen Thema auf Doch die dichte Atmosphäre und besonders der sehr starke Schlussteil können hierfür entschädigen. So ist dennoch ein gutes Hörspiel entstanden, das mit markanten Charakteren punktet.

VÖ: 26. Januar 2018
Label: Maritim
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