Gruselkabinett – 136. Das Königreich der Ameisen



Erster Eindruck: Reise ins Ungewisse...

Der Schiffsingenieur Holroyd begrüßt es sehr, die neue Besatzung eines fertig gestellten Kanonenschiffs direkt vor Ort einzuweisen und die erste Reise mit ihnen zu unternehmen. Doch als er vom Kapitän Guerilleau den Grund hierfür erfährt, wird seine Freude getrübt. Es geht darum, am Amazonasufer nach dem Rechten zu sehen, da sich dort aggressive Ameisen angesiedelt haben sollen...

H.G. Wells begleitet den Hörer momentan durch das Gruselkabinett, auch die 136. Folge der Serie stammt von dem Autor, der hier jedoch eine für ihn ungewöhnliche Geschichte vorgelegt hat. Diese ist hier sehr atmosphärisch und eindringlich umgesetzt und konzentriert sich ganz auf den Kern der Handlung. Schnell wird das Thema mit den aggressiven Ameisen eingebracht und im Anschluss immer weiter verfeinert. Es kommen keine ganz großen Überraschungen mehr dazu, sondern eher neue Details, Verschärfungen, der Szenerie und zahlreiche unheimliche Szenen. Interessanterweise stehen dabei gar nicht mal wirklich übernatürliche Elemente im Mittelpunkt, aber die Gefahr durch die Ameisen geht schon sehr viel Stimmung aus. Unterstützt wird dies durch die sehr intensive Beschreibung des Amazonas-Dschungels mit seiner drückenden Hitze, der Einsamkeit und der stets zu spürenden Macht der Natur, das alles fügt sich durch die Beschreibungen Holroyds so dicht zusammen, dass man sich selbst völlig in die Szenerie hineinversetzen kann. Die Handlung schreitet dabei glücklicherweise nur langsam voran, sodass man die einzelnen Szenen völlig genießen kann – und die haben es in sich. Sie rücken die Charaktere, insbesondere Kapitän Guerilleau in den Mittelpunkt, sind teilweise sehr dramatisch und immer sehr treffend erzählt. Gerade wegen der ruhigen Ausstrahlung hat mir diese Folge so gut gefallen.

Simon Roden ist als Holroyd zu hören und übernimmt dabei auch einige Erzählerparts. Seine Stimme passt sich sehr dynamisch den unterschiedlichen Szenerien an, vermittelt aber insbesondere auch sehr viel Atmosphäre, indem er sehr genau von der eigentümlichen Landschaft oder dem seltsamen Verhalten der Ameisen berichtet. Ihm vollkommen ebenbürtig ist Jean Paul Baeck als Kapitän Guerilleau, der mit Leidenschaft und Feuer spricht und sich von dem ruhigen Anfang bis zum schrecklichen Ende immer weiter zu steigern weiß. Marc Gruppe beweist hier als Leutnant Da Cunha, dass er auch als Sprecher abliefern kann, er setzt seine Szenen eindringlich um, betont die Panik ebenso überzeugend wie den Vorwurf. Die weiteren Sprecher sind Joachim Tennstedt, Bert Stevens und Bodo Primus.

Auch akustisch wird wieder eine hervorragende Arbeit abgeliefert, die bestens auf die Geschichte abgestimmt ist. Dabei sind wieder viele Geräusche eingebaut, die die verschiedenen Szenen lebendig wirken lassen, die Dynamik wird hingegen besonders von der Musik unterstützt. Gerade die Szenen mit den angreifenden Ameisen werden hierdurch besonders hervorgehoben.

Ertugrul Edirne hat wieder ein einzigartiges Titelbild geschaffen, das eine ganz eigene Stimmung vermittelt und dennoch gut in das Konzept passt. Er konzentriert sich einerseits auf die bedrohlich aufgerichtete Ameise mit rötlichen Augen und scharfen Mandibeln, andererseits aber auch auf die Totenschädel, die dem ganzen einen noch düsteren Anklang verleihen. Die grünliche Färbung ist dazu sehr passend gewählt.

Fazit: Eine sehr atmosphärische Folge der Reihe, die mit ihrer sehr dichten Stimmung und der genauen Beschreibung der Szenerien überzeugt. Die Bedrohung durch die Ameisen wird immer präsenter, die Charakterisierung immer detaillierter, sodass ein sehr stimmiges Gesamtbild entsteht. Die langsame Entwicklung und die sehr guten Sprecher tragen ebenso ihren Teil zum Gelingen bei.

VÖ: 27. April 2018
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5628-7