Sherlock Holmes – 34. Die quietschende Tür



Erster Eindruck: Eine kleine Notlüge...

Katherine Moody wendet sich mit einem Fall an Sherlock Holmes, von dem dieser bereits aus der Zeitung erfahren hat. Als er erfährt, dass er Katherines Verehrer vom Verdacht des Mordes an einem jungen Künstler befreien soll, ist er schnell mit einer Zusage dabei. Die quietschende Tür der Arbeitsstätte des Opfers erregt dabei sofort seine Aufmerksamkeit...

Mit dem Frühjahrsprogramm 2018 hat Titania Medien für eine Überraschung in ihrer Reihe um Sherlock Holmes gesorgt und zwei Fälle vertont, die eigentlich gar nicht für den bekannten Ermittler geschrieben wurden. Vielmehr wurden Holmes und Watson in die Geschichte hineingeschrieben und fügen sich dort völlig authentisch ein. Der Humor der beiden Figuren, Holmes Überheblichkeit und die charmante Ahnungslosigkeit von Watson verleihen der Geschichte viel Ausdruck und Witz, wobei auch der Fall an sich aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle stammen könnte. Diese beinhaltet nämlich einige lange Dialoge, in denen Sherlock Holmes von den Hintergründen des Mordes erfährt und dem wahren Täter so auf die Spur kommt. Diese sind immer wieder mit kleinen Rückblicken in gespielten Szenen gespickt, sodass ein dynamischer Eindruck entsteht. Auch sehr bezeichnend für die Serie ist, dass die Lösung hier an scheinbaren Kleinigkeiten ausgemacht wird, dass eine scharfe Beobachtungsgabe hilfreich ist – hat aber im Gegensatz zu einigen von Doyles Geschichten den Vorteil, dass Holmes keinen deutlichen Wissensvorsprung gegenüber den Hörern hat, dieser also selbst seine Schlüsse ziehen kann. Zwar ist irgendwann klar, weil die Ermittlungen in diese Richtung gehen und Holmes durch sein Verhalten seine Einschätzung preisgibt, doch es gilt dennoch, den Täter zu überführen und die letzten Details zu klären. Auch das ist noch sehr unterhaltsam und kurzweilig erzählt, zumal eine sehr dramatische Wendung für viel Aufregen sorgt. Die trickreiche und sehr gelungene Geschichte macht viel Spaß, zumal auch die Umsetzung wieder sehr gelungen ist.

Auch die Besetzung des Falles überzeugt auf ganzer Linie, es hat sich eine gute Mischung aus bekannten Stimmen und frischem Wind hinter dem Mikrofon versammelt. Besonders gefreut habe ich mich dabei, Janina Sachau mal wieder in einer großen Rolle zu hören, die sie in ihrer gewohnt lebendigen und treffsicheren Sprechweise ausfüllt. Jacques Breuer ist als John Playfair zu hören, auch er passt sehr gut zu seinem Charakter und gestaltet diesen eingängig und authentisch. Rolf Berg ist als Bernard Power zu hören, der sich jeder Situation gekonnt anpasst und dabei ebenfalls einen sehr positiven Eindruck hinterlässt. Weitere Sprecher sind Matthias Lühn, Louis Friedemann Thiele und Thomas Balou Martin.

Die Akustik dieser Folge ist sehr sauber umgesetzt, alles fügt sich sehr stimmig ineinander. Es sind dabei besonders die Geräusche, die dieser Folge viel Atmosphäre verleihen – beispielsweise natürlich das Quietschen der Tür, aber auch viele andere detailreiche Sounds. Musik tritt dabei eher in den Hintergrund, sorgt aber immer mal wieder für etwas Auflockerung.

Das hübsche Cover rundet den stimmigen Eindruck ab, viele Einzelheiten aus der Handlung sind hier eingebaut. Der blutüberströmte Tote fällt dabei als erstes ins Auge, aber auch das Portrait von Katherine Moody ist zu sehen und sorgt in der rötlichen Umgebung für einen gelungenen Eindruck. Im Inneren sind die bereits bekannten, immer noch sehr ansehnlichen Zeichnungen von Holmes und Watson zu sehen.

Fazit: Die Idee, Holmes und Watson in die Geschichte von Herman Cyril McNeile einzubauen, funktioniert hervorragend und ist eine sehr gelungene Alternative zu den bereits bekannten Geschichten. Denn neben der spannenden und sehr gut durchdachten Handlung gibt es eben auch ziemlich viel von der typischen Atmosphäre der Serie und der besonderen Beziehung zwischen den Hauptcharakteren zu spüren.

VÖ: 27. April 2018
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5630-0