Die schwarze Sonne – 16. Anura



Erster Eindruck: Der nüchterne Blick auf die Apokalypse

In seiner Kindheit ist Nicola Tesla ein Außenseiter, in den Augen der anderen Kinder ein Dummkopf. Als diese ihn nicht zum nahen See zum Angeln mitnehmen wollen, beschließt er auf eigene Faust eine Angel zu bauen – und begegnet just in dem Moment, als er nur einen Frosch gefangen hat, einer geheimnisvollen Fremden. Viele Jahre später wirkt sich Sarahs Teilnahme bei „Aware“ ganz anders aus, als sie vermutet hätte...

Günter Merlau versteht es wirklich sagenhaft, mit seinen Hörern zu spielen – immer wenn man glaubt, die Marschrichtung von „Die schwarze Sonne“ erahnen zu können, einen trüben Ausblick auf den Zusammenhang geworfen zu haben, wischt er das, was der Hörer zu wissen glaubt, wieder beiseite und fügt gänzlich andere Elemente hinzu. Gerade in der 16. Folge der Serie vergrößert er wieder einmal den Raum für seine Figuren und setzt alte wie neue Elemente zu ganz unerwarteten Szenen zusammen. So beschäftigt man sich hier mit verschiedenen Theorien zum Ende des Weltalls, und das mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen, die sehr unterhaltsam in Form einer ebenso launigen wie substanziierten Talkshow präsentiert werden. Dann wiederum wird in der oben beschriebenen Szene um Nicola Tesla der Bogen zur ersten Staffel geschlagen und mit einem langen Bibelpsalm geschlossen. Dann wiederum wird Sarahs Schicksal weiter beleuchtet und Fragen rund um die mysteriöse Organisation Aware aufgeworfen, dann wiederum der Cliffhanger der letzten Folge weitergesponnen, wiederum mit einem Charakter, den man in diesem Szenario nicht unbedingt vermutet hätte. Das war es immer noch nicht an Themen, soll aber veranschaulichen, wie komplex das Ganze ist und wie fein auf der Klaviatur der Serie gespielt wird. „Anura“ fordert viel Aufmerksamkeit vom Hörer, die scheinbar zusammenhanglosen Bruchstücke wollen in einen Kontext gesetzt werden, zudem kommt man ohne Wissen der bisherigen Ereignisse – auch aus der ersten Staffel – kaum weiter. Doch es lohnt sich, „Anura“ diese Konzentration zu widmen, man wird mit vielen sehr intensiven Szenen und fesselnden Momenten belohnt.

Christian Stark darf in dieser Folge wieder einmal in die Rolle des Adam Salton zu hören und hat nicht von seiner Intensität, seinem Facettenreichtum und seinem präsenten Auftreten verloren, sodass er auch hier viel Eindruck hinterlässt. Reinhilt Schneider beeindruckt einmal mehr in der Rolle der Arabella March, setzt ihre Stimme wieder sehr gekonnt ein und bringt eine Eindringlichkeit mit, die alles mädchenhafte aus ihrem Klang verbannt. Jürgen Uter spricht die Rolle des Direktor Bayan ebenfalls sehr gekonnt, mal locker, mal hart, aber immer sehr glaubhaft. Weitere Sprecher sind Jenniger Frank, Vanida Karun und Oliver Schönfeld.

Auch akustisch wird dem Hörer hier wieder einiges geboten, besonders die eingesetzte Musik steuert viel Stimmung bei. Während sie sich bei einigen Szenen eng an die Dialoge schmiegt und in ihrer Wirkung unterstützt, während andere Momente gerade durch die Abwesenheit stilistischer Mittel so eingängig wirken. Das ist sehr lebendig, und genauso treffend werden auch die Geräusche eingesetzt.

Der fein gekleidete Mann mit dem Kopf eines Frosches ist ein sehr ansprechendes, gut gestaltetes Cover, welches erst auf den zweiten Blick mit der Handlung in Einklang gebracht werden kann. Die dunklen Töne und die dazu im Kontrast stehenden roten Buchstaben ergänzen das Motiv sehr gelungen. Die Gestaltung im Inneren ist schon bekannt und wie immer sehr ansehnlich gelungen.

Fazit: Was sich hier alles in einem einzigen Hörspiel tummelt, ist beachtlich und fordert viel Aufmerksamkeit vom Hörer, ist aber auch sehr fein konzipiert und führt die Geschichte der Serie in immer neue Richtungen, führt neue Bruchstücke ein und setzt andere in einen neuen Kontext. Dabei gibt es gar nicht mal so viele Entwicklungen zu hören, dennoch ist jede Szene sehr aufregend und intensiv geschildert.

VÖ: 16. März 2018
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-960660-95-8