Die schwarze Sonne – 15. Phasenraum



Erster Eindruck: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Während der Weltausstellung ist Chicago im Jahr 1893 völlig überladen, kaum ein Hotelzimmer ist noch zu finden. Umso glücklicher ist Winfield Lovecraft, als er in dem neu erbauten Hotel „The Castle“ noch eine Bleibe für eine Nacht findet – auch wenn der Besitzer ziemlich merkwürdige Fragen stellt. Nikola Tesla und Nathaniel de Salis haben währenddessen einen wahren Sprung in ihrer Forschung gemacht...

Wer die erste Staffel von „Die schwarze Sonne“ gehört hat (und das werden wohl die meisten, die nun die zweite verfolgen), wird sich noch erinnern, wie komplex, verschachtelt und rästelhaft diese im Laufe der Zeit geworden ist. Der zweite Abschnitt der Serie ist spätestens mit Folge 15 auch an diesem Punkt angekommen, auch hier sind die einzelnen Handlungsstränge immer verschlungener und geheimnisvoller angesiedelt – und es werden immer mehr. So ist beispielsweise anfangs eine kurze Szene mit Winfield Lovecraft zu hören, wiederum ganz am Ende werden Elemente hieraus wieder aufgegriffen und in eine andere Richtung gelenkt, die einer wahren Schreckensvision gleicht. Das ist packend, aber bis auf die Zusammenhänge der Charaktere kann der Hörer noch nicht ausmachen, wie dies mit dem Projekt „Aware“ und den Nahtoderfahrungen zusammenhängt. Dieser Strang wird wieder von der Rolle der Sarah aufgegriffen und weiter verfeinert, ihr Leben vor der Beschäftigung bei dem Institut geschildert, sodass man einen noch lebendigeren Eindruck von ihr bekommt. Aber auch die Vorgehensweise, mit denen junge Menschen motiviert werden, ein Teil von „Aware“ zu werden, wird sehr eindringlich geschildert. Bleibt noch der Handlungsstrang um Nathaniel und Nicola Tesla, der ebenfalls einen großen Teil der Handlung einnimmt und hier so richtig in Fahrt kommt, mit sehr interessanten Szenen angereichert wird und die Richtung der Serie weiter bestimmt. In der Komposition ist „Phasenraum“ wieder hervorragend gelungen, auch die Stimmung weiß erneut zu begeistern, sodass eine sehr hörenswerte Folge entstanden ist.

Jennifer Frank ist hier wieder in der Rolle der Sarah Frank zu hören, und wieder kann sie ihre Zuhörer völlig in die Welt der kontrollierten Nahtoderfahrungen einführen, aber auch die frühere, ungebändigte Seite einer innerlich zerstörten jungen Frau sehr intensiv aufarbeiten, was mir hier bestens gefallen hat. Matthias Leja überzeugt in der Rolle des Howard Holmes mit prägnantem Auftreten, wobei er in den beiden Szenen am Anfang und am Ende ganz unterschiedliche und eingängige Passagen vortägt. Torsten Weis ist wieder als Nicola Tesla dabei, der die düstere Atmosphäre der Folge mit seiner präzisen Aussprache noch verstärkt. Weitere Sprecher sind Anne Moll, Charlotte Marty und Harald Halgerdt.

Wieder schaffen Günter Merlau und sein Team eine sehr eindringliche Atmosphäre, die in dieser Art durchaus ein Alleinstellungsmerkmal der Serie ist. Dazu spielen verschiedene Melodien ineinander und breiten einen sehr dichten Klangteppich für die Szenen aus, sodass auch längere Erzählpassagen sehr eindringlich wirken. Die Geräuschkulisse ist ähnlich opulent und steigert sich mit den lauten Stimmen gerade in der letzten Szene zu einer beeindruckenden Szene.

Die Optik mit den verschnörkelten, an altertümliche Schreibschrift erinnernden Lettern ist natürlich auch hier wieder im Inneren verwendet worden, die aus den vorigen Folgen bekannte Zeichnung der zweiten Staffel ebenso. Das Cover zeigt inmitten eines geometrischen Koordinatensystems einen Wirbel aus weißen Linien, was eine Idee aus dem Hörspiel auf interessante Weise aufgreift.

Fazit: Die zweite Staffel von „Die schwarze Sonne“ wächst mit dieser Folge immer weiter an, fügt neue Facetten hinzu und weitet die Komplexität aus. Toll ist auch, wie intensiv der Mittelteil geschildert ist, aber auch die Schlussszene mit ihrem Schreckensszenario ist äußerst gelungen und lässt den Hörer beklommen zurück. Sehr hörenswert!

VÖ: 5. Januar 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-960660-94-1