Morgan & Bailey - 13. Töte deinen Nächsten



Erster Eindruck: Es werden immer weniger...

Charles Morgan und Rose Bailey begleiten einen befreundeten, kurzfristig an den Rollstuhl gefesselten Arzt auf eine einsame Insel, auf der er sich mit seinem Krimi-Club treffen möchte. Jährlich kommen dort die bunt gemischten Mitglieder zusammen, um gemeinsam einen Kriminalfall zu lösen. Doch dieses Jahr wird aus dem vermeintlichen Spaß bitterer Ernst, denn bereits in der ersten Nacht stirbt einer der Teilnehmer...

Es gibt wohl kein klassischeres Setting für einen gediegenen Krimi: Eine Gruppe von Menschen ist in einem alten Gemäuer abgeschnitten von der Außenwelt, als ein Mord geschieht und klar ist, dass einer der Anwesenden der Täter sein muss. Auch die 13. Folge von „Morgan & Bailey“ aus dem Hause Contendo Media hat sich dieser Szenerie angenommen, aber einen interessanten Ansatz gefunden, warum die Menschengruppe zusammengekommen ist – und natürlich auch, warum auch die beiden Hauptfiguren dort gelandet sind. Zudem wird auch die Atmosphäre auf der stürmischen Insel gekonnt dargestellt, die Charaktere stimmig dargestellt und mit einigen Szenen, die alles noch dramatischer wirken lassen, die Handlung kurzweilig gehalten. Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass die Folge in ihren Grundzügen recht durchschaubar ist. Schon vor dem Mord ist dem Hörer klar, welcher der Anwesenden den Tod finden wird, und durch die Zusammenstellung der Charaktere und deren Reaktion auf den Tod ist auch hier schnell klar, woher der Hase läuft – im Gegensatz zu Charles und Rose kann man auch das Motiv recht sicher benennen. Auch hier gibt es noch kleinere Überraschungen und Details, die es aufzudecken gilt, doch stets hat man das Gefühl, einige Momente vor den Protagonisten Bescheid zu wissen. So hinterlässt die Folge einen soliden Eindruck, der mir jedoch wenig Spannung geboten hat.

Wolfgang Bahro ist in der Rolle des Dr. Ruben zu hören, den die beiden Geistlichen auf die Insel begleiten. Er trifft immer den richtigen Ton und klingt dabei sehr glaubhaft. Karin Lieneweg hat mir gut gefallen, sie kann die Aufregung der älteren Dame nach dem Tod gekonnt darstellen und verleiht ihrer Stimme glaubhafte Facetten. Die wunderbare Nana Spier setzt ihre raue Stimme auch hier gekonnt ein und kann mit viel Energie überzeugen. Weitere Sprecher sind Peter Flechtner, Michael Bideller und Werner Wilkening.

Die Musik der Folge ist wieder gut auf die verschiedenen Szenen und Stimmungen angepasst und greift die Stimmung gut auf. Richtig lebendig wird es durch den guten Einsatz von Geräuschen, die sowohl im Hintergrund erklingen als auch einige Handlungen untermalen. So ist man mal an der stürmischen Küste, mal im Saal des Hotels, mal in der finsteren Nacht in den Fluren unterwegs – sehr treffend umgesetzt.

Das Titelbild dieser Folge ist ansehnlich, aber auch etwas nichtssagend. Denn ein wirklicher Bezug zur Handlung ist nicht vorhanden, vielmehr sind Pfeife und Lupe eher allgemeine Motive, die mit einem Krimi vorkommen, nichts von beiden spielt hier eine Rolle. Das Haus mit den kahlen Bäumen, das als weiteres Motiv gewählt wurde, ist da schon etwas passender.

Fazit: Dass die klassische Idee mit dem einsamen Hotel schon in vielen anderen Krimis vorgekommen ist, macht nicht viel aus, schließlich wurde die Stimmung gut an die Serie angepasst und einige eigene Ideen eingebaut. Schade ist allerdings, dass so vieles durch den Hörer vorhergesehen wird und nur wenige wirkliche Überraschungen aufkommen. So bleibt die Folge leider nur im Mittelfeld.

VÖ: 9. März 2018
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 978-3-945757-67-3