Sherlock Holmes: Die neuen Fälle – 36. Remis in zehn Zügen



Erster Eindruck: Genies unter sich...

Der Palace of Westminster ist nicht nur Schauplatz eines wichtigen Schachturniers, sondern auch Ausstellungsort des Sovereign's Orb, einer wertvollen Insignie des Königshauses. Doch über Nacht verschwindet das mit Edelsteinen besetzte Stück, dabei hat die Alarmanlage überraschend nicht angeschlagen. Nach der Besichtigung des Schauplatzes hat der zufällig anwesende Sherlock Holmes gleich einige wichtige Hinwiese gesammelt...

Sherlock Holmes wurde in diversen Geschichten ja schon mit allerlei positiven Attributen versehen, da nimmt man ihm eine zielgerichtete Schachspielweise auch sofort ab. Dass er es dabei wie in der 36. Folge der neuen Fälle von Romantruhe Audio auch gleich mit dem amtierenden Weltmeister aufnehmen kann, ist allerdings vielleicht eine Spur zu viel. Glücklicherweise ist dies nur ein kleines Element ganz am Ende, vorher gibt es eine kurzweilige, wellenförmig verlaufende Handlung, in der schrittweise immer neue Teile des Diebstahls aufgedeckt werden. Hat man das Gefühl, dass nun alles erzählt sei, wird eine weitere Frage aufgeworfen, gibt es ein weiteres wichtiges Details aufzudecken, was die Folge sehr unterhaltsam wirken lässt. Der scheinbar so einfache Fall entwickelt so schnell eine interessante Eigendynamik, die durch sehr gelungen gezeichnete Charaktere verstärkt wird. Und das gilt nicht nur für Holmes und Watson, die wieder für einige humorvolle Einschübe sorgen, sondern auch für die Nebencharaktere dieser Folge, zu denen auch mal wieder Sherlocks Bruder Mycroft gehört, dessen gespannte Beziehung zueinander gekonnt eingebunden ist. Und das oben bereits kurz erwähnte Finale ist dann noch einmal richtig trickreich und lässt das Thema Schach noch einmal gut aufleben.

In der Sprecherliste tummeln sich wieder einige bekannte Namen, die Rollen sind hochkarätig besetzt und sorgen für viel Ausdruck. Jürgen Thormann hat seine Stimme passend zur Atmosphäre der Serie etwas nach unten geschraubt, klingt aber immer noch sehr markant und bleibt mit seinem kratzigen Klang lange im Gedächtnis. Reent Reins ist mal wieder als Mycroft Holmes zu hören, sein grantelnder und mürrsicher Ausdruck passt wunderbar zu dem Charakter und verleiht seinen Szenen mehr Schärfe. Und dass das wunderbare Duo aus Christian Rode und Peter Groeger mal wieder perfekt aufeinander abgestimmt ist und mit Charme, Witz und Scharfsinn agiert, muss wohl kaum noch erwähnt werden. Weitere Sprecher sind Harry Kühn, Thomas Petrou und Jörg Hengstler.

Auch diese Folge ist mit individuell komponierter und auf die einzelnen Szenen abgestimmter Musik versehen, wobei als Solist dieses mal Sandro Friedrich am Sopransaxhophon zu hören ist. Er entlockt seinem Instrument viele passende Facetten, aber auch die Geräusche sind wie immer sehr stilsicher eingesetzt und sorgen an den passenden Stellen für einen lebendigeren Ausdruck der Handlung.

Das Cover zeigt die letzte und entscheidende Partie zwischen Holmes und seinem Kontrahenten am Schachbrett, wobei die siegessichere Miene des Meisterdetektivs gut angedeutet wird. Der Zeichenstil, der an ein altes Ölgemälde erinnert, kommt auch hier wieder gut zur Geltung, der gediegene Eindruck wird von dem dunkelgrünen Grundton fortgesetzt.

Fazit: Sherlock ermittelt mal in einem eher einfachen Diebstahl, der sich aber verzwickter darstellt als gedacht – und im Laufe der Folge immer neue Facetten mit sich bringt. Der Fall ist geschickt erstellt, das Schachturnier stimmig eingebaut, die Figuren wirken sehr präsent und entwickeln schnell Strahlkraft. Eine sehr solide Folge der Serie.

VÖ: 16. März 2018
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 978-3-86473-221-8