Sherlock Holmes & Co – 36. Der Jungbrunnen -1-



Erster Eindruck: Erinnerungslücken und ungewöhnliche Kochkünste

Die kleine Grafschaft Suffolk an der englischen Ostküstewird von einem schrecklichen Doppelmord erschüttert, die Leichen sind grausam entstellt worden. Sherlock Holmes, der zuvor noch seine sehr speziellen Kochkünste an seinem treuen Gefährten Dr. Watson ausprobiert hat, wird zu dem Fall hinzugezogen, findet aber ein Gewirr an undurchsichtigen Verflechtungen vor...

Wieder einmal kehrt der titelgebende Detektiv in die Krimireihe von Romantruhe Audio „Sherlock Holmes & Co“ zurück, nach zahlreichen Auftritten anderer Ermittler ist die von Sir Arthur Conan Doyle erdachte Figur wieder mal zu hören. Das führt auch zu einer äußerst unterhaltsamen Einstiegsszene, in der Holmes seinem Verbündeten Watson eine Speise, von der er selbst nicht allzu begeistert ist. Schön, dass hier so gut auf die Charaktere und ihre besondere Beziehung zueinander eingegangen wird, zumal auch die nachfolgende Handlung stark ist. Das Tempo ist zunächst noch etwas langsam, viele Details der Tat werden aufgearbeitet, viel Zeugen befragt, erste Beweise gesammelt. Und dabei bekommt man schon eine erste Ahnung, wie alles zusammenhängen könnte, auch wenn noch wesentliche Bruchstücke fehlen. Das ist auch gut so, denn so wird die Lust auf den zweiten Teil geweckt, wobei der Fall tatsächlich genug Stoff für zwei CDs zu bieten scheint. Langatmig oder uninteressant ist es hier nämlich zu keinem Zeitpunkt, was an der gelungenen Kombination von markanten Charakteren und einem reizvollen, vielschichtigen Verbrechen liegt. Besonders der Auftritt einer noch namenlosen Frau ist dabei sehr gelungen eingebaut und sorgt für zusätzlichen Reiz.

Das Duo aus Charles Rettinghaus und Florian Halm in den beiden Hauptfiguren als Holmes und Watson funktioniert wieder prächtig, sie lösen sich von anderen Darstellungsweisen des Gespanns, besinnen sich auf eine exzentrischere Sprechweise und die besondere Beziehung der beiden Charaktere. Ronald Mitschke ist als Inspector Ronald Griffith zu hören und liefert eine sehr saubere Leistung ab, nimmt sich selbst aber etwas zurück und überlässt den anderen Charakteren den Vortritt. Kerstin Draeger macht ihre Sache ganz hervorragend und kann die Verwirrung ihrer Rolle sehr glaubhaft transportieren. Weitere Sprecher sind Wolfgang Condrus, Lutz Riedel und Melek Erenay.

Die akustische Gestaltung der Folge ist wieder sehr solide und stimmig geraten, wobei der Fokus immer auf den Sprechern und den Dialogen liegt. Doch mit einigen passgenau eingesetzten Geräuschen wirken diese lebendiger und greifbarer. Musik ist während der Szenenübergänge im Einsatz, hier wird die jeweils vorherrschende Stimmung gut aufgegriffen.

„Der Jungbrunnen“ bleibt als Titel für diese Folge noch etwas nebulös, auf dem Cover ist dieser allerdings schon prominent plaziert. Ein sprudelnder Springbrunnen in idyllischer Lage, der ganz dem Coverdesign der vorigen Episoden natürlich in schwarz-weiß abgedruckt ist, ist ein reizvolles Titelbild, der durch die orangene Grundfarbe des Rahmens genügend Aufmerksamkeit im CD-Regal auf sich zieht.

Fazit: Der Start in den neuen Zweiteiler von „Sherlock Holmes & Co“ ist kurzweilig gelungen, was nicht nur an der äußerst amüsanten Introszene liegt, sondern auch an dem verzwickten Fall, den reizvoll beschriebenen Morden, den starken Charakteren und vielen kleinen gelungenen Elementen. Die Lust auf den zweiten Teil ist auf jeden Fall geweckt.

VÖ: 16. März 2018
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 978-3-86473-355-0