Sherlock Holmes Chronicles – 50. Der verbrauchte Talisman



Erster Eindruck: Die doppelte Entführung

Von einem alten Freund wird Sherlock Holmes nach Hamburg gebeten, um das Verschwinden seiner Tochter aufzuklären. Denn trotz erfüllter Geldforderungen wird diese nicht freigelassen, immer weitere Beträge soll Henry Jasper bezahlen. Bei seinen Nachforschungen konzentriert sich der Meisterdetektiv auf die Hafengegend, in dem mehr als nur eine Gefahr droht...

Herzlichen Glückwunsch an WinterZeit zur 50. Folge der „Sherlock Holmes Chronicles“! Für das wichtige Jubiläum und die damit verbundene, durchaus gesteigerte Erwartungshaltung der Fans hat sich das Label sehr viel Mühe gegeben – und das hat sich auch gelohnt. War die erste Jubiläum (Folge 25) noch einem Original von Sir Arthur Conan Doyle gewidmet, ist hier ein Roman von Michael Buttler vertont worden. „Der verbrauchte Talisman“ entpuppt sich als ideale Geschichte für ein Jubiläum, nicht nur, weil sie deutlich umfangreicher ist. Mit fast drei Stunden Laufzeit übertrifft die Folge eine „normale“ Episode um ein Vielfaches, und jede Minute davon ist angefüllt mit gut erzählter und unterhaltsamer Kost. So ist die Handlung dieses mal auch deutlich komplexer und vielschichtiger als gewohnt, noch mehr Hinweise wollen aufgenommen, doch mehr Informationen verknüpft werden, was sich als durchaus fordernd, aber auch der lohnenswert für den Hörer darstellt. Und dabei wurden viele interessante Elemente verbaut, so gilt es im Grunde gleich zwei Entführungen und noch eine wahre Verschwörung aufzudecken. Auch die vielen kleinen, aber nie überzogenen Actionszenen sind sehr gut eingefügt, die erhöhen an den richtigen Stellen den Druck in der Handlung. Charmant ist auch die Darstellung Hamburg zu Zeiten kurz vor der Industrialisierung, wobei der typische Dialekt zwar erwähnt wird, aber nie selbst zu hören ist. Dafür kommt noch eine große Portion geschichtliches Hintergrundwissen hinzu. Eingerahmt wird das Ganze von einem Blick in die Vergangenheit: Das sehr atmosphärische Intro gibt zunächst Rätsel auf, wie sich der Zusammenhang zur eigentlichen Handlung darstellt, was erst ganz am Ende clever aufgelöst wird. Auch die Zusammenstellung der Charaktere ist äußerst gelungen, ein Querschnitt durch die Gesellschaft, Sympathieträger ebenso wie unangenehme Zeitgenossen – das alles führt in der Summe zu einem sehr hörenswerten 50. Teil dieser wunderbaren Serie.

Zum Jubiläum hat sich WinterZeit etwas ganz besonderes ausgedacht das es bisher selten gab bei Hörspielproduktionen. Neben der gewöhnlichen Abmischung hat Markus Winter auch eine Tonspur in Dolby Surround produziert. Mit einer entsprechenden Abspielanlage ist man also mittendrin, hört Stimmen Geräusche und Musik aus verschiedenen Richtungen. Das ist ziemlich bombastisch geraten und schafft dem Hörer ein neues Erlebnis, sich einem klassischen Krimi zu nähern. Und besonders die Introszene wirkt damit sehr beeindruckend. Technisch ist das sehr gut gelöst, der große Aufwand zu dieser Abmischung hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Bernd Rumpf hat in dieser Jubiläumsfolge die wichtige Rolle des Henry Jasper inne, wobei er immer einen sehr präsenten Eindruck hinterlässt und dem Mann so einige unterschiedliche Facetten abgewinnen kann. Alice Bauer spricht seine Tochter Alice Jasper, auch sie kann man sanft, dann wieder fordernd oder kühl wirken und so die Gefühlswelt der jungen Frau treffend darstellen, besonders gegen Ende hat sie mich vollkommen überzeugt. Als Kommissar Kreyer ist der wunderbare Santiago Ziesmer u hören, der seiner Stimme mal wieder einen ganz anderen Klang verleiht und den Kommissar nervend und überheblich klingen lässt. Das Duo aus Till Hagen und Tom Jacobs harmoniert auch hier wieder bestens, die beiden Hauptsprecher haben auch weiterhin hörbaren Spaß an den Figuren. Weitere Sprecher dieser Folge sind Daniela Molina. Anita Hopt und Kim Hasper.

Dass Musik und Geräusche wie immer bei WinterZeit sehr stimmig eingebaut sind, ist bereits aus den vielen vorigen Folgen bekannt. Durch die Surround-Abmischung erhält das noch einmal eine neue Dimension, das sehr präzise Einfügen von Geräuschen sorgt für einen lebendigen Eindruck, wobei besonders die handlungsreicheren Szenen eindrucksvoll gelungen sind. Die Musik fügt sich dabei sehr stimmig ein und ist bestens auf die unterschiedlichen Szenerien angepasst.

Diese Jubiläumsbox hat dann auch eine ganz besondere Aufmachung erhalten. Allein das Titelbild mit der verschleierten orientalischen Schönheit hat ein großes Lob verdient, wenn das aber auch noch mit Goldfolie und Glanzlack aufgehübscht wurde, kommt ein ganz besonderes Cover dabei heraus. Zudem sind die drei Discs (2 CDs, eine DVD), in einem sehr stabilen Digibook untergebracht, das wegen der gleichen Größe perfekt ins heimische CD-Regal passt. Im Inneren gibt es gleich mehrere schwarz-weiß Aufnahmen, die die damalige Zeit aufleben lassen, aber auch tolle Illustrationen, ein Überblick über die bisherigen Folge und mehrere sehr lesenswerte Infotexte sind dort zu finden. Auch die Biographien von einigen Sprechern sind hier abgedruckt. Auf der DVD befindet sich noch umfangreiches Bonusmaterial in Form von unterhaltsamen Interviews mit einigen Mitwirkenden.

Fazit: Zum Jubiläum hat es WinterZeit ordentlich krachen lassen und ein wahres Schmuckstück geschaffen – nicht nur wegen der sehr hübschen Aufmachung, sondern auch wegen der tollen Folge. Die extra-lange Laufzeit ist angefüllt mit spannenden Szenen, rätselhaften Vorgängen und einer sehr komplexen und dichten Handlung, die den Geist des Meisterdetektivs genau trifft und neben privaten Schicksalen auch geschichtliche Themen in den Vordergrund rückt. Alles ist sehr gut verknüpft und toll aufeinander abgestimmt, sodass „Der verbrauchte Talisman“ zu einem sehr starken Hörspiel wird.

VÖ: 29. März 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-9606-6124-5