Sherlock Holmes Chronicles – 48. Die verschwundene Witwe



Erster Eindruck: Vier Fälle für den Meisterdetektiv

Die junge Beth kommt auf Dr. Watson zu, da ihre Mutter spurlos aus einem Hotelzimmer verschwunden ist. Doch sie zweifelt an ihrem Verstand, denn auch die Eintragung aus dem Gästebuch ist nicht mehr zu erkennen. Doch auch ein Fall in einem Zug mit einer eher unangenehmen Begleitung mit einem Autor will aufgeklärt werden, denn ein Mord erschüttert die Fahrgäste...

Till Hagen hat sich als Hauptsprecher der „Sherlock Holmes Chronicles“ von WinterZeit etabliert, doch ab und an ist auch Karlo Hackenberger in dieser Rolle zu hören. Wer sich nicht entscheiden kann, wen von beiden er lieber hören mag, kann getrost zu der 48. Folge der Serie greifen. Hier sind gleich vier kurze Geschichten um die bekannte Romanfigur zu hören, und jeweils zwei der kleinen Episoden werden von den beiden Sprechern vertont. Der titelgebende Fall um „Die verschwundene Witwe“ wartet mit einem verzwickten Rätsel auf, auch die Not der jungen Mandantin bringt Reiz in diese Erzählung. Sehr gradlinig erzählt und auf das Wesentliche reduziert ist dabei eine kurzweilige Geschichte entstanden, die dann auch gleich das Highlight der CD darstellt – was auch durch die interessante Umgebung der Weltausstellung unterstützt wird. „Das indische Kraut“ ist eine pfiffige kleine Geschichte mit gelungener Auflösung, während „Sherlock Holmes trifft Old Shatterhand“ meinen Geschmack leider nicht so recht getroffen hat. Die Geschichte konzentriert sich zu sehr auf den unangenehmen Charakter der Gastfigur, während die Auflösung des Mordes ziemlich einfach gehalten ist. „Der ägyptische Gnom“ macht den Abschluss der vier Episoden und ist da wieder etwas umfangreicher und bietet eine interessante Wendung, sodass die Folge gelungen abgeschlossen wird. Durch die Einfachheit der Geschichten ist der Reiz beim zweiten mal Hören jedoch erst einmal verloren, nach einiger Zeit macht die Folge aber sicherlich wieder Spaß.

Anna Gamburg ist in der ersten Episode als Beth zu hören, sie kann die Verzweiflung der jungen Frau, aber auch ihren natürlichen Charme sehr gut wiedergeben und schafft so in wenigen Momenten eine sehr präsente Figur. Dirk Hardegen ist als Karl May zu hören, sein Akzent wirkt aber ebenso wie die recht dümmliche Verhaltensweise reichlich überzogen, was selbst innerhalb des satirischen Kontextes nicht so recht passt. Bernd Vollbrecht gibt sich mal wieder als Inspector Lestrade mal wieder die Ehre, seine markante Stimme bereichert auch diese Produktion. Weitere Sprecher sind Johannes Berenz, Bert Stevens und David Riedel.

Bei gleich vier verschiedenen Geschichte und unterschiedlichen Ansätzen sind natürlich auch viele Szenerien zu hören, die allesamt sehr stimmig umgesetzt wurden. Sei es die hektische Zeit der Weltausstellung oder das gleichmäßige Rattern des Zuges, alles ist mit passenden Hintergründen ausgestattet. Musik ist auch im Einsatz, aber eher im Hintergrund und nicht sehr hervorstechend.

Das Cover wirkt sehr mystisch und fast wie das Plakat zu einem Gruselfilm. Nebst dem alten Hotel und einer verschleierten Frau im Rollstuhl wird das Titelbild durch die Augen einer jungen Dame beherrscht, die über allem zu schweben scheinen. Im Inneren gibt es wie immer ein kleines Booklet mit einigen einleitenden Worten zu dieser besonderen Folge.

Fazit: In dieser Folge wird mit gleich vier Episoden viel Abwechslung geboten, sowohl was Stimmungen als auch Themen angeht. Die Fälle sind natürlich bei weitem nicht so komplex und bleiben wohl auch nicht so lang in Erinnerung, sind aber dennoch sehr kurzweilig und dienen auch als kleine Hörspielhappen für zwischendurch.

VÖ: 5. Januar 2018
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-96066-050-7