Gruselkabinett – 134. Das älteste Ding der Welt



Erster Eindruck: Wenn die Zeit ihren Lauf verliert...

Harald von Calmus entflieht der ermüdenden Vorbereitung auf seine Matura und streift lieber durch die nahe gelegenen Wälder. Auf einer Lichtung voller Pilze schläft der Sohn des Reichsfreiherren ein und erwacht erst Stunden später. Doch fortan scheint die Zeit für ihn Sprünge zu machen, ihm fehlen einige Stunden Erinnerung. Bald sind auch seine Eltern sehr besorgt um den jungen Mann...

Für die 134. Folge des Gruselkabinetts haben Stephan Bosenius und Marc Gruppe von Titania Medien mal wieder eine Geschichte ausgegraben, die von einem deutschen Schriftsteller verfasst wurde. Bereits 1923 von Willy Seidel veröffentlicht hat „Das älteste Ding der Welt“ 95 Jahre später seinen Einstand als Hörspiel, welches über weite Teile von einem Erzähler begleitet wird. So kommen die unterschiedlichen Szenerien und die lebendigen Landschaftsbeschreibungen sehr gut zur Geltung und werden detailliert beschrieben, allerdings hat die Erzählung dadurch auch szenenweise einen leicht statischen Ausdruck. Die Geschichte startet schnell mit den ersten übernatürlichen Elementen und weckt damit das Interesse des Zuhörers, schwenkt später aber noch einmal komplett um. So werden ganz unterschiedliche Stimmungen präsentiert, nach dem mystischen Anfang entfaltet sich später ein wahres Horrorszenario. Dabei steht die Beziehung von Harald zu einem weiteren Charakter im Vordergrund, welche sehr prägnant geschildert wird. So vergehen die immerhin 88 Minuten sehr kurzweilig, zumal das Finale ziemlich furios geschildert ist und noch einmal mit einer kleinen Wendung punkten kann. Dem „ältesten Ding der Welt“ bleibt dabei immer noch ein letzter Hauch des Geheimnisvollen anhaften.

Der wunderbare Peter Weis trägt mit seiner getragenen Stimme die Erzähltexte vor und geht dabei sehr intensiv auf die unterschiedlichen Stimmungen ein, kann leisen Grusel ebenso präsent klingen lassen wie bedrohliche und dramatische Szenen. Louis Friedemann Thiele ist in der Rolle des Harald von Calmus zu hören, seine anfängliche jugendliche Schlitzohrigkeit weicht einer immer ernsteren Sprechweise, er zeichnet dabei sehr gekonnt den Spannungsbogen der Handlung nach. Matthias Lühn hat mich in seiner Rolle ebenfalls sehr überzeugt, seine sehr prägnante Art und der immer ausdrucksstarke Klang seiner Stimme sorgen für eine sehr intensive Atmosphäre. Weitere Sprecher sind Horst Naumann, Dagmar von Kurmin und Bodo Primus.

Wie immer bei Titania Medien kann man sich auch hier auf eine sehr eingängige szenische Gestaltung freuen, bei der insbesondere die stimmungsvolle Musik hervorsticht. Auch Geräusche sind natürlich reichlich vorhanden und passgenau eingefügt. Jedoch wäre hier an einigen Stellen weniger mehr gewesen, beispielsweise wenn in der Handlung von einer Phase des Schweigens berichtet wird, Musik und Erzähler aber durchgängig weiter zu hören sind – hier wäre eine wirkliche Pause wohl noch stimmungsvoller gewesen.

Das Cover zeigt direkt eine der ersten Szenen, in der Harald von Calmus schlafend auf der Lichtung voller Pilze liegt und über dem Boden schwebt. Der schauerromantische Ausdruck dieses Bildes und die violette Einfärbung setzen dieses Motiv sehr gekonnt in Szene und verleihen ihm einen unheimlichen Ausdruck. Dazu passt das tolle Säulendesign der Serie wieder sehr gut.

Fazit: Die Geschichte ist sehr erzählerlastig aufgebaut, schafft aber schnell unheimliche Stimmungen und spielt dabei verschiedene Stimmungen durch, bis der eigentliche Kern der Handlung offenbart wird. Hier wird dann wieder ein wahres Schreckensszenario aufgebaut, in der sich die Titelfigur als kleiner Spielball wiederfindet. Das ist treffend und wie immer atmosphärisch umgesetzt.

VÖ: 29. März 2018
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 978-3-7857-5625-6