Dreamland Grusel – 33. Der Fluch von Morosko



Erster Eindruck: Unheimlicher Road-Trip der besonderen Art...

Kurz vor seinem Tod legt Nicolai von Hohenstein seine Lebensbeichte bei dem Journalisten Artur Drayton ab. Er erinnert sich, wie er als junger, mittelloser Student das nächste Semester nicht mehr bezahlen kann, aber eine Chance wittert. Denn in einem Streitgespräch mit einem geheimnisvollen Fremden kündigt sein Professor van den Broek eine längere Forschungsreise an. Nicolai bietet sich an, ihn als wissenschaftlicher Assistent zu begleiten, ahnt aber noch nicht den Grund der Recherchen...

„Der Fluch von Morosko“, die 33. Folge von Dreamland Grusel, entfernt sich von den Grundsätzen, klassische Horrorhörspiele zu vertonen, recht deutlich und wendet sich eher dem modernen Gruselhörspiel zu – und schafft gerade damit eine sehr starke und hörenswerte Produktion. Die kleine Rahmenhandlung um den alten Nicolai dient am Anfang dazu, eine hübsch unheilvolle Ankündigungen zu machen, am Ende wird die Handlung rund abgeschlossen. Doch auch der Start in die eigentliche Handlung ist mit dem sehr kurzen Auftritt einer bekannten Romanfigur reizvoll, was das Interesse des Hörers zu wecken weiß. Auch das Leben des jungen Studenten wird hier in wenigen Minuten kurzweilig dargestellt, was den Start in die Reise quer durch Europa reizvoll gestaltet. Danach folgen einige Szenen, die eher episodenhaft sind und scheinbar übernatürliche Vorgänge und Orte durchleuchten. Dabei kommt auch die sehr interessante Beziehung zwischen Student und Professor zur Geltung, dieser Mittelteil ist sehr unterhaltsam geraten und punktet mit ganz unterschiedlichen, stimmigen Bildern. Schön, dass durch die klassisch anmutenden Szenerien ein frischer Wind weht und gleichzeitig das Zeitalter der Kutschen und tragbaren Öllampen lebendig zu werden scheint. Das ganze gipfelt dann in einer recht langen Episode mitten im russischen Winter, welche sehr mysteriös wirkt und mit einer sehr prägnanten Gestalt punktet, in der sich tragische Liebe, eine faszinierende Szenerie und ein sehr stimmungsvoller Handlungsverlauf vereinen. Mit „Der Fluch von Morosko“ ist eine überraschende, atmosphärische und düstere Folge entstanden, die mich von Anfang bis Ende gepackt hat. Definitiv die bisher beste Folge der Reihe!

Christian Stark ist als junger Nicolai von Hohenstein in der Hauptrolle zu hören und übernimmt auch viele Erzählerparts, was ihm kurzweilig und sehr intensiv gelingt. Besonders die letzten Szenen wirken durch ihn sehr intensiv, hier zeigt er facettenreiche Wandlungen. Der wunderbare Eckart Dux ist als engagierter Professor zu hören, den er mal grantig, mal voller Elan und auch mal verzweifelt klingen lässt, was einen sehr dynamischen Eindruck hinterlässt. Kathatine von Daake ist als Nastjenka zu hören, die ihre Stimme sehr gezielt und intensiv einsetzt und ihr viel kühle Ausstrahlung verleiht. Weitere Sprecher sind Lara Trautmann, Andreas Fröhlich und Thomas Nero Wolff.

Akustisch sind zwar einige kleinere Unsauberheiten feststellbar, insgesamt wurde die Stimmung des Hörspiels aber gut inszeniert. Dafür sorgen während der Erzähltexte stimmungsvolle Musikstücke, die sich gut einfügen. Zudem gibt es wieder eine Vielzahl an Geräuschen, die die Dialoge plastischer wirken lassen.

Durch die sich abwechselnden Farben des Cover der Serie ist hier wieder ein kühler Blauton in Verwendung, der sich gemeinsam mit der schwarzen Grundfarbe zu einem atmosphärischen Bild zusammenfügen. Ein winterlich verschneites Schloss, dazu eine düstere Silhouette mit leuchtenden Augen – auch das wirkt mystisch und stimmt gut auf die Handlung ein.

Fazit: Eine ungewöhnliche Handlung mit vielen kleinen Episoden quer durch Europa, dazu prägnante Charaktere und ein sehr lebendiger Verlauf. Der Höhepunkt ist dann aber die letzte, deutlich längere Geschichte im winterlichen Russland, die mit ihrer sehr mysteriösen Ausstrahlung punkten kann. Ein sehr starkes Hörspiel, welches mich vollkommen überzeugen konnte.

VÖ: 1. Dezember 2017
Label: Dreamland
Bestellnummer: 978-3-939066-82-2