Inspector Lestrade – 1. Der Augenblick des Todes



Erster Eindruck: Eine eigene Serie für die bekannte Nebenfigur

Zunächst scheint es ein Routinefall für Inspector Lestrade zu sein, als eine weibliche Leiche in einem Waschhaus gefunden wird. Doch zwei Dinge stören den Ermittler: Einerseits ist die Frau laut der Obduktion keineswegs in der Waschlauge ertrunken, andererseits sind ihre Augen komplett weiß. Bei seinen Recherchen stellt sich heraus, dass dies nicht der erste Todesfall mit diesem merkwürdigen Detail ist...

Fritzi Records bringt in dem aktuellen Hype um Sherlock Holmes eine weitere Serie auf den Markt, die eine Verbindung zu dem Meisterdetektiv aufweist. Denn als Titelfigur wurde Inspector Lestrade ausgewählt, der oftmals voreingenommene und leicht kurzsichtige Ermittler von Scotland Yard, der dem Holmes-Watson-Gespann mal hinderlich, mal hilfesuchend begegnet. Sein Charakter ist in der ersten Folge jedoch anders angelegt, hier ist er scharfsinnig, nachdenklich und offen für ungewöhnliche Gedankengänge. Sicherlich hätte die als etwas einfältige dargestellte Figur nicht im Rampenlicht getaugt, für Holmes-Puristen ist dies aber doch befremdlich. Aber natürlich bekommt er in einer kurzen Szene Schützehilfe von Holmes, der sich gemeinsam mit Watson die bisherigen Ereignisse anhört und seinen Rat beisteuert – eine witzige Szene mit gewohnt liebevoller Ausstrahlung. Die Handlung von „Der Augenblick des Todes“ ist in Krimi in klassischer Machart, Actionszenen oder ein aufgeblasener Spannungsbogen sind nicht zu finden. Vielmehr konzentriert sich die Folge auf die Polizeiarbeit in Scotland Yard, lässt den Figuren aber Luft zu Atmen und ihre eigene Note einzubringen. Der Täter ist – auch dank seiner markanten Stimme – schnell identifiziert, es geht als nur noch darum, ihn dingfest zu machen. Auch sein Motiv für die Morde wirft noch Fragen auf, und durch einen neuen Mord, der in einigen kleinen Szenen vorbereitet wird, kommt mehr Schwung in die Handlung. Das konnte mich durchaus unterhalten, ist aber stellenweise etwas statisch erzählt, weil die Mühlen der Polizei eben doch etwas langsamer mahlen als es bei der bekannten Romanfigur.

Lutz Harder ist in der Hauptrolle des Inspector Lestrade zu hören und bekommt eine gelungene Mischung aus nüchternem Ermittler und einer guten Prise Witz und Ausstrahlung hin. Zudem versteht er es, sich in den richtigen Momenten zurückzunehmen und den anderen Figuren den Vortritt zu überlassen. Ihm zur Seite steht Michael Pink als Sergeant Dash, der als Sidekick gut funktioniert und als etwas ungestümerer Charakter einen passenden Kontrast darstellt. Als Holmes und Watson ist natürlich das wunderbare Gespann aus Christian Rode und Peter Groeger zu hören, die in der kurzen Szene wieder ihren gesamten Charme entfalten können. Weitere Sprecher dieser Folge sind Gerald Paradies, Udo Schenk und Hartmut Neugebauer.

Akustisch wird hier mal ein anderer Weg beschritten. Zwar gibt es auch hier wieder viele passende Geräusche, die gut eingebaut sind, die Musik ist aber recht ungewöhnlich. Da gibt es mal eine schrammelnde Gitarrenmelodie, mal eine Hammond-Orgel und andere genreuntypische Instrumente. Das hat mir wirklich gut gefallen und verleiht der Serie ihre ganz eigene Stimmung.

Das Cover ist da schon wesentlich klassischer gehalten und erinnert wohl nicht umsonst an die erfolgreiche Holmes-Serie, nur dass statt einem dunklen Grün hier ein kräftiges Rot als Grundfarbe ausgewählt wurde. Auch die übrige Gestaltung orientiert sich hieran. Das eigentliche Motiv zeigt die Leiche der Frau mit den weißen Augen, während Lestrade sich halb über sie beugt. Der Zeichenstil erinnert an ein altes Ölgemälde und ist recht detailreich geraten.

Fazit: Der Auftakt der auf drei Folgen ausgelegten Miniserie ist schon einmal gelungen und erzählt trotz einiger langatmiger Szenen eine interessante und hörenswerte Geschichte. Zwar ist der Täter schnell bekannt, die Idee hinter dem Fall offenbart sich aber recht spät, zumal die Spannung durch einen weiteren geplanten Mord hoch gehalten wird.

VÖ: 2. Februar 2018
Label: Fritzi Records
Bestellnummer: 978-3-86473-336-9

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