Die Elfen – Der Blick in den Himmel



Erster Eindruck: Ein Bild vor Augen...

Von ihrem Volk vertrieben schlägt sich das junge Trollweibchen Skanga gemeinsam mit ihrem Vater und ihren beiden Brüdern mehr schlecht als recht durch die Wildnis. Und auch wenn Skanga unter den Attacken ihrer Geschwister leidet und bei der Verteilung von Essen oft zu kurz kommt, ist ihr Vater ihr zugetan – insbesondere, weil sie in Visionen immer wieder in die Zukunft sehen kann. Doch seit einem Besuch bei einer Schamanin ist ihr diese Fähigkeit nicht mehr gegeben...

Die greise Schamanin der Trolle, Skanga mit Namen, ist wohl eine der faszinierendsten Figuren aus den Romanen von Bernhard Hennen und hat oft an wichtigen Scheidewegen für einen bestimmten Ausgang der Situation gesorgt und so den Verlauf der Geschichte maßgeblich geprägt. Grund genug für den Autor, ihr ihre eigene Kurzgeschichte zu widmen, die in der Hörbuchreihe mit in sich abgeschlossenen Folgen natürlich von Luise Lunow gesprochen wird. Erzählt wird, die die Wandlung von einem jungen, nicht sonderlich bemerkenswerten Trollmädchen zur größten Magierin des Volkes begonnen hat – wohlgemerkt tatsächlich nur der Beginn, das Schlüsselerlebnis, die Steigerung ihrer magischen Fähigkeiten wird hier völlig außer acht gelassen, sodass der Hörer immer noch viel eigenen Interpretationsspielraum hat, wie die Figur ihr Leben weiter führt. Eine wirkliche Handlung ist hier nicht vorhanden, es ist vielmehr eine Momentaufnahme von Skangas aktueller Situation, wobei auch thematisiert wird, wie sie in die schwierige Situation gelangt ist. Ein tiefer Einblick in das Volk der Trolle und in deren gesellschaftliche Struktur wird dabei gewährt, doch noch mehr steht eben Skanga im Vordergrund. Erst nach einiger Zeit kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung mit einem mächtigen Wesen, welches der Kern dieser Folge ist. Die Erzählweise ist langsam, viele Gedanken werden öfter wiederholt oder später noch genauer ausgeführt, dennoch habe ich mich trotz der langen Laufzeit zu keinem Zeitpunkt gelangweilt – im Gegenteil, „Der Blick in den Himmel“ ist eine sehr kurzweilige Geschichte mit einem berührenden Ende, welche eine weitere Facette in das Gesamtkonstrukt einfügt.

Natürlich gab es keine andere Wahl einer passenden Sprecherin als Luise Lunow, die die Rolle der Skanga auch schon in der ursprünglichen Serie so unvergesslich gemacht hat. Interessant ist hier besonders der Perspektivwechsel, da sie statt einem greisen Troll hier über ein junges Mädchen berichtet. Dabei setzt sie ihre Stimme handwerklich brillant ein, lässt sie mal schneidend, mal peitschend, mal warm und mal bedrohlich klingen, sodass eine sehr dynamische Aura entsteht – und das, obwohl Frau Lunow völlig davon absieht, ihre Stimme zu verstellen. Ihr wunderbar kratziger Klang, dem ich immer sehr gern lausche, passt zudem bestens zu dieser Geschichte.

Nach dem Konzept dieser Nachfolgeserie sind in der Umsetzung keinerlei Geräusche zu hören, auch Musik erklingt nur äußerst selten – am Anfang, am Ende und bei einer handvoll Szenenwechsel. Dann ist sie hervorragend eingesetzt und transportiert das Ambiente des Volkes sehr gut. Dennoch liegt der Fokus stetig auf Luise Lunow, die die Stimmung auch allein wunderbar ausgestaltet.

Natürlich geht es in dieser Folge nicht nur im Trolle, auch die titelgebenden Elfen haben ihren Auftritt – was auf dem Cover auch gleich aufgegriffen wird. Eine in dunkles Grün gewandete Gestalt, deren Kapuze tief ins Gesicht gezogen ist, steht schwer bewaffnet über der am Boden liegenden unförmigen Gestalt eines Trolls. Die fantasievolle Gestaltung ist wieder sehr detailliert gelungen und passt sehr gut in die bisherige Covergalerie der Serie.

Fazit: Wieder hat es Bernhard Hennen geschafft, einer Figur aus seinem Universum deutlich mehr Tiefe zu verleihen, denn nach dem Genuss dieses Hörbuchs kann man zumindest erahnen, wie sich das zurückhaltende Trollweibchen zur mächtigen Magierin entwickelt hat. Dabei konzentriert sich die Erzählung ganz auf den einen Moment, auf das Hier und Jetzt und bietet gegen Ende einen erstaunlichen Kniff in dem intensiven Finale. Und: Luise Lunow ist hier schlicht und ergreifend wunderbar!

VÖ: 1. Dezember 2017
Label: Zaubermond
Bestellnummer: 978-3-9542-6997-6

Datenschutzerklärung