Die Original-Hörspiele - Aschenputtel und weiter Märchen



Erster Eindruck: Ruckedigu, Blut ist im Schuh

Ein junges Mädchen wünscht sich sehnlich, auf dem großen Ball des Prinzen tanzen zu dürfen. Ein Geschwisterpaar entflieht durch den Wald ihrer herrischen Stiefmutter, ist aber weiter ihren Schikanen ausgesetzt. Nach dem Sprung in einen Brunnen landet ein fleißiges Mädchen bei einer gütigen Frau mit Überbiss. Wegen einer nicht erfolgten Einladung zu ihrer Taufe wird eine Königstochter mit einem schrecklichen Fluch belegt. Wegen einiger getöteter Insekten legt ein Schneider eine erstaunliche Karriere hin...

Kaum jemand ist hierzulande nicht mit den Märchen der Brüder Grimm aufgewachsen – früher als Erzählung von Mund zu Mund, später aus Büchern vorgelesen, dann auch als Hörspiel umgesetzt. Fünf davon hat der Audio Verlag in seiner neuen Reihe „Die Original-Hörspiele“ mit der Titelgeschichte um „Aschenputtel“ zusammengefasst. Alle Produktionen sind zum Ende der 50er Jahre entstanden, sodass sie natürlich viel Reiz durch den großen Nostalgiefaktor erhalten. Neben einem gewissen, knarzigen Grundton ist es die Einfachheit der Umsetzung, die dies erzeugt, aber auch die Erzählweise trägt einiges dazu bei. So hat der Erzähler hier einen sehr großen Part, manchmal sind nur einige Sätze der Protagonisten eingebaut, längere Dialoge sind nicht vorhanden. Und auch auf die Kürzung einiger Szenen muss man sich einstellen, das typische Abhacken der Ferse oder des großen Zehs sind hier ausgespart worden. Freunde von nostalgischen Hörspielen kommen hier voll auf ihre Kosten, die fünf recht kurzen und knapp erzählten Märchen verbreiten viel Charme und sind stimmig in Szene gesetzt.

Aschenputtel wird in dieser Umsetzung von Gertraude Schönrock gesprochen, die eine sehr sanfte Sprechweise wählt und das Sehnen des Mädchen gut umsetzt. Eduard Marks ist in vier der Märchen als Erzähler zu hören, wobei er mit gelungener Betonung und seinem warmen Klang für die passende Stimmung sorgt. Auch Hans Paetsch ist in einer Geschichte als Erzähler im Einsatz, mit seiner typischen Märchenonkel-Stimme hat er mir auch hier sehr gut gefallen. Weitere Sprecher sind Volker Lechtenbrink, Annemarie Peters und Hans Irle.

Typisch für die damalige Zeit ist der Klang der Stimmen immer ein wenig blechern, die Lautstärke ist aber gut eingestellt. Auch störende Nebengeräusche oder ein Grundrauschen sind nicht vorhanden. Dafür sind recht viele Melodien eingebunden, die der Handlung die passende Stimmung verleihen, wobei sich Geräusche hier sehr zurückhalten und nur ab und an im Einsatz sind.

Wie schon bei den anderen Teilen der Reihe ist das Cover mit einer weißen Grundfarbe versehen, während ein dicker Balken – hier in Orange gefärbt – und ein typisches Motiv aus dem Märchen das Hauptaugenmerk auf dich ziehen. Im Inneren des hübschen Digipacks sind die Mitwirkenden der Hörspiele genannt, wobei nicht bei allen Hörspielen die Sprecher rekonstruiert werden konnten.

Fazit: Die fünf klassischen Märchen der Brüder Grimm sind hier in reduzierten und schnell erzählten Umsetzungen zu hören. Dabei ist der Nostalgie-Faktor ziemlich groß, was durch die klassische Erzählweise mit recht wenigen Dialogen unterstützt wird. Eine schöne Veröffentlichung, die ganz alte Schätze wieder zu Tage befördert hat.

VÖ: 9. Februar 2018
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 978-3-7424-0385-8