Das schwarze Auge – 4. Verschwörung am Hofe



Erster Eindruck: Ein feiger Giftanschlag...

Während sich Gundar Gemmenschneider und seine unfreiwilligen Gefährten weiter auf dem Weg durch Aventurien befinden, muss sich Lares einer ganz anderen Gefahr stellen. Denn bei einer Feier am Hofe wird ihm ein vergiftetes Glas Wein gereicht – ein klarer Anschlag auf sein Leben. Und um den Meuchelmörder zu stellen, müssen auch mal ungewöhnliche Pakte eingegangen werden...

Noch ist die Fantasy-Reihe „Das schwarze Auge“ recht jung. Die wichtigsten Parameter der Handlung sind zwar schon abgesteckt, doch Folge vier zeigt eindeutig, dass mehr hinter der Rahmengeschichte steckt als bloß die Reise der Angehörigen verschiedener Völker. Zwar gibt es auch hiervon einige Szenen, die Haupthandlung kehrt aber wieder zu Laren vom Weißen Turm am Adelshof zurück, um einen anderen beliebten Aspekt von Fantasy-Literatur zu zeigen: Den Ränkespielen und Intrigen der Reichen und Einflussreichen. Das erzeugt eine gänzlich andere Atmosphäre als die actiongeladenen Abenteuer der bisherigen Rollen, wesentlich ruhiger und bedächtiger. Das ist genauso unterhaltsam und eingngig geschildert, die Spannung wird aber eben auf eine ganz andere Weise erzeugt, da die Bedrohung lange Zeit völlig im Unklaren liegt. Allerdings sind die Charaktere hier nicht ganz so prägnant und dem Hörer noch nicht so sehr ans Herz gewachsen, und durch diese geringere emotionale Bindung konnte ich nicht ganz so sehr mitfiebern wie bei den vorigen Folgen. Mir gefällt, dass hier ganz andere Aspekte der Serie beleuchtet werden, zumal diese flüssig und atmosphärisch wie immer umgesetzt ist. Und auch wenn mich dieser Handlungsstrang noch nicht vollkommen gepackt hat, ist dieses Hörspiel sehr lohnenswert und betont den sehr guten Ansatz der Serie.

Julius Jellinek ist in der Rolle des Laren vom weißen Turm zu hören, den er mit sehr prägnanter Stimme spricht und so eine sehr präsente Aura erschafft. Er bringt dabei in vielen verschiedenen Facetten die Emotionen des Charakter sehr klar herüber. Eckart Dux ist in der Rolle des Sordos zu hören, er setzt seine ganze Erfahrung ein, um einen lebendigen und treffenden Eindruck seines Charakters zu schaffen. Freimut Götsch war mir bisher als Sprecher noch kein Begriff, in der Rolle des Beltram von Lauterfurt konnte er mich deswegen positiv überraschen, da er sehr lebendig und vielseitig intoniert. Weitere Sprecher sind Peter Flechtner, Antje von der Ahe und Martin Kautz.

Da die Geschichte der Folge deutlich ruhiger ist als seine Vorgänger, ist dementsprechend auch die akustische Gestaltung nicht ganz so voluminös als sonst – allerdings nicht weniger treffend. Die Musikuntermalung ist immer noch lebendig und atmosphärisch geraten, aber besser an die Stimmung bei Hof angepasst. Die Geräusche sind nach wie vor präzise eingebunden und lassen die Dialoge stimmiger wirken.

Auch die Covergestaltung bietet bei dem neuen Setting neue Gestaltungsmöglichkeiten, sodass hier nun ein imposanter Saal zu sehen ist. Über dem Thron im Hintergrund schwebt ein riesiges, stilisiertes Auge, während die Szenerie in einem sanften, rötlichen Licht schillert, welches durch die hohen Fenster scheint. Gemeinsam mit den durch den Saal schreitenden Menschen ist so ein sehr ansehnliches und äußerst gelungenes Cover entstanden.

Fazit: Hier zeigt „Das schwarze Auge“ mal eine ganz andere Seite der Serie und konzentriert sich in dieser Folge vorrangig auf die intriganten Vorgänge bei Hof. Dabei ist es durchaus interessant, den Charakter von Lares und den anderen Mitgliedern des Hofes zu erkunden, auch wenn diese nicht ganz so prägnant sind wie die Gefährten. Dennoch eine hörenswerte und lebendige Folge der Serie.

VÖ: 15. Dezember 2017
Label: Winterzeit / Audionarchie
Bestellnummer: 978-3-960660-01-9