Geister-Schocker – 73. Vampire auf der Bohrinsel



Erster Eindruck: Boshaftes Treiben vor der schottischen Küste...

Nahe der schottischen Küste liegt eine Bohrinsel, die Produktion läuft auf Hochtouren. Und so denkt keiner mehr an die Mythen, die sich um die Region ranken, und auch der schwere Sarg, der unerwartet auftaucht, versetzt die Besatzung noch nicht in Aufregung. Doch als eine seltsame Krankheit ausbricht, nehmen zumindest Jack Kelvin und Linda Radford die Gefahr ernst...

Von klassisch über unkonventionell bis abgedreht - „Geister-Schocker“ bringt innerhalb des Genres immer wieder neue Facetten ans Licht. Der Titel der 73. Folge verrät schon einmal, dass die Geschichte auf einer Bohrinsel spielt und dass Vampire ihr Unwesen treiben. Unweigerlich formt sich in den Gedanken des geneigten Hörers dann ein möglicher Ablauf der Geschichte – und genauso kommt es dann auch. Hier werden nur wenige wirkliche Überraschungen geboten, man hört zudem deutlich heraus, dass es sich um die Vertonung eines etwas in die Jahre gekommenen Heftromans handelt. Doch die Stimmung ist dabei durchaus stimmig, zumal die Kulisse der Bohrinsel mit ihren begrenzten Fläche einen atmosphärischen Schauplatz bietet. Und wie immer mehr Besatzungsmitglieder den Vampiren zum Opfer fallen, mag zwar vorhersehbar sein, kann aber dennoch ein gelungenes Klima des leisen Schauderns erzeugen. Die Situation spitzt sich immer weiter zu, was durch die aufsteigende Panik der beiden Hauptcharaktere vorangetrieben wird. Die Darstellung der Vampire gefällt mir gut, da es eben keine blutrünstigen Bestien sind, sondern systematisch vorgehen und so noch bedrohlicher wirken. Das Ende hingegen wirkt leider unfreiwillig komisch, den Kampf gegen den Vampir hätte ich mir etwas epischer vorgestellt.

Die Sprecher wurden wieder gut ausgesucht, wobei sich viele bekannte und einige neue Stimmen vereinen. Rainer Schmitt ist beispielsweise als Jack Kelvin zu hören, den er sehr eindringlich spricht und so die Dramatik der Folge mit seiner Stimme nachzeichnet. Ihm zur Seite steht Marion von Stengel als Linda Radfort, die ihre Rolle ebenfalls sehr engagiert spricht und die Stimmung der Folge gekonnt wiedergibt. Felix Würgler ist als Vampir zu hören, er verleiht der Rolle eine subtile Bosheit, die während seiner Szenen sehr präsent ist. Weitere Sprecher sind Reent Reins, Robert Missler und Martin Sabel.

Auch akustisch ist die Folge solide umgesetzt, wie man es von der Reihe mittlerweile gewohnt ist. Musik und Geräusche fügen sich dabei stimmig ineinander und präsentieren dem Hörer eine gelungene Atmosphäre, die den Spannungsbogen der Geschichte aufgreift und jeder Szene ein passendes Kleid überzieht.

Wer wegen des Covers sexy Vampirinnen mit riesigen Flügeln erwartet, wird ziemlich enttäuscht werden – ein solches Wesen oder überhaupt weibliche Vampire kommen hier nämlich während der gesamten Handlung nicht vor. Zudem ist das Booklet von mehreren Seiten auf ein einfaches Faltblatt zusammen geschrumpft, bei dem immerhin noch die Fotos einiger Sprecher sowie der Ausblick auf die kommende Folge als Extra geblieben sind.

Fazit: „Vampire auf der Bohrinsel“ ist reichlich konventionell erzählt und bietet nur wenige Überraschungen, die Stimmung allerdings ist recht dicht. Der sich immer weiter steigernde Bedrohung durch die Blutsauger ist im Mittelteil gekonnt erzählt, flacht im Finale dann aber wieder etwas ab. So bleibt der Eindruck einer soliden, aber eben nicht überragende Episode der Reihe.

VÖ: 26. Januar 2018
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 978-3-86473-231-7