Foster – 11. Hinter dem Spiegel



Erster Eindruck: Tiefe Einblicke...

Foster ist verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt, ohne eine wirkliche Spur zu hinterlassen. Bei der Suche nach ihm müssen sogar einige recht ungewöhnliche Allianzen bilden, doch nur er kann einen Krieg verhindern, der die ganze Welt ins Chaos stürzen würde. Foster ist währenddessen in seiner ganz eigenen Hölle eingesperrt und kann sich von selbst nicht befreien...

Wenn die Folge einer Hörspielserie mit einem fiesen Cliffhanger endet, erwartet man für gewöhnlich eine Auflösung in der darauffolgenden Episode. Oliver Döring hat genau dies in der elften Folge seiner düsteren Mystery-Serie „Foster“ jedoch nicht getan, sondern setzt an einem ganz anderen Punkt an – nicht die einzige Überraschung, die der Hörer hier erleben kann. Denn hier werden mal wieder ganz andere Wege eingeschlagen, man muss sich auf eine neue Szenerie einstellen und beschäftigt sich beim Hören mit der Psyche, den dunkelsten Abgründen der Hauptfigur. Das ist atmosphärisch, aber auch etwas verworren, so ganz leicht steigt man nicht durch die Szenen. Der Handlungsstrang in der realen Welt ist da schon eingängiger in Szene gesetzt und enthält einige starke Szenen, die Dynamik der Folge sorgt dabei mit den schnellen Wechseln für einen flüssigen Verlauf. Interessant ist auch, dass eine weitere ungeschriebene Regel des Genres gebrochen wird und auf Actionszenen weitgehend verzichtet, sodass eine sehr eigenständige Stimmung erzeugt wird. „Hinter dem Spiegeln“ setzt zwar die Ereignisse um den Kampf mit Sebul gekonnt fort, findet dafür aber neue Wege. Dabei wird dem Hörer viel Aufmerksamkeit abverlangt, was aber mit einer sehr dichten Stimmung versehen wurde.

Hans Bayer ist in der Rolle der Sergei Andropow zu hören und passt wunderbar zu der düsteren Ausstrahlung der Serie, seine Passagen setzt er mit viel Energie und treffender Betonung um. Maximiliane Häckle spricht die Dunja Ivanova mit hartem, leicht abgehacktem Klang und lässt die Russin so in einer ganz eigenen Aura leuchten, was auf mich einen sehr positiven Eindruck gemacht hat. Auch Antje von der Ahe ist als Jazz wieder in Hochform und setzt den individuellen Charakter auf ihre ganz eigene Weise um. Weitere Sprecher sind Gerrit Schmidt-Foß, Frank Glaubrecht und Julia Kaufmann.

Akustisch ist Oliver Döring und seinem Team hier wieder ein sehr eindrucksvolles Werk gelungen, das für jede Szene die passende Umsetzung parat hat. Die Szenen um Foster wirken so sehr atmosphärisch und düster, während sich die Momente in der Realität auch akustisch hiervon absetzen. Das gilt sowohl für die stimmungsvolle Musik als auch für die Geräusche, wobei sich die Kulisse hier mehr zurückhält als in den übrigen Folgen.

Ein Mann kniet im Schein der untergehenden Sonne auf dem Boden, einen Blumenstrauß in der Hand, das Haupt gesenkt. Doch dieses melancholische Cover wird wieder gebrochen durch die reptilienartigen, böswilligen Augen, die über dieser Szenerie schwebt und in den Farben des Hintergrundes gehalten ist – sehr ansehnlich.

Fazit: „Foster“ schafft es mal wieder, zu überraschen und Neues auszuprobieren. So ist die sehr intensive Beschäftigung mit Fosters Seelenleben eine etwas anstrengende, aber auch lohnenswerte und intensive Angelegenheit. Durch die Szenen um Jazz und das ungewöhnliche Bündnis kommt mehr Dynamik und Spannung mit in die Folge.

VÖ: 22. Dezember 2017
Label: Imaga
Bestellnummer: 978-3-946207-28-3