Karl May – 5. Winnetou I



Erster Eindruck: Ein Klassiker kehr zurück

Der Deutsche Old Shatterhand, der seinen Spitznamen seinem kräftigen Faustschlag verdankt, treibt mit einigen Kollegen den Bau der Eisenbahn in Richtung Pazifik voran. Doch die Strecke soll direkt durch das Gebiet der Apachen-Indianer, die durch ihren Anführer Intschu-Tschona und dessen Sohn Winnetou darum bitten, ihr Territorium nicht weiter zu zerstören. Doch viele der neuen Siedler stellen sich gegen die Ureinwohner und nehmen die Delegation gefangen. Doch Old Shatterhand sieht dies als großes Unrecht an...

Mit kaum einer anderen Figur wird der Western-Autor Karl May so sehr verknüpft wie mit dem Apachen Winnetou, mittlerweile ist die bekannte Romanfigur zu einem richtigen Mythos geworden. Bereits in den 70er Jahren gab es zu den Geschichten auch Hörspielumsetzungen von Maritim, die im Zuge der Wiederveröffentlichung der Reihe natürlich nicht ausgespart werden. Der erste Teil beginnt dann auch direkt mit einer recht dynamischen Szene und vielen Geräuschen, die den Zuhörer direkt in die richtige Stimmung versetzen. Und auch wenn der erste Dialog vielleicht eine Spur zu lang geraten ist und sich recht undynamisch darstellt, ist der weitere Verlauf wirklich sehr gelungen. Das abenteuerliche Flair der Vorlage wurde gekonnt getroffen, es gibt einige passende Actionszenen, allerlei brenzlige Situationen und auch einen Schuss Humor. Die entstehende Freundschaft zwischen dem Greenhorn und dem Häuptlingssohn wird gekonnt nachgezeichnet, überhaupt kommen die Charaktere sehr gut zur Geltung und können mit ihrem speziellen Charme überzeugen. Ein Hörspiel für Nostalgiker, die analoge und klassische Hörspiele mögen, einen Hang zum Wilden Westen sollte man allerdings auch mitbringen, um die Ausstrahlung dieses Klassikers schätzen zu können.

Heinz-Ingo Hilgers ist in der titelgebenden Rolle zu hören und verleiht der bekannten Figur seinen eigenen Stempel, lässt ihn immer hintergründig weise und ruhig klingen, gestaltet einige Passagen aber auch forscher. Eberhard Krug ist als Old Shatterhand nicht nur als handelnde Person, sondern auch als Erzähler im Einsatz und kann mit seinem markanten Klang und dem eingängigen Ausdruck den Hörer sofort für sich einnehmen. Gut gefallen hat mir auch Peter Schiff in der Rolle des Sam Hawkins, er bringt einen schlitzohrigen Humor mit ein und sorgt für einige Lacher. Weitere Sprecher sind Monika Ogorek, Hans Mahlau und Walter Riss.

Der Hörer wird gleich zu Beginn mit einer lebendigen Geräuschkulisse empfangen, die sofort die richtige Stimmung erzeugt. Manche Dialoge stehen zwar auch für sich allein, doch eigentlich sind durchgängig passende Sounds vorhanden, die die Szenen lebendig wirken lassen. Gerade hier entsteht ein großer Nostalgiefaktor, auch weil nur sehr wenig Musik im Einsatz ist.

Das typische Grün, das schon die ursprüngliche Schallplattencover geziert hat, wurde auch für die Wiederveröffentlichung ausgewählt. Das eigentliche Motiv ist eine nostalgische Zeichnung, bei der Old Shatterhand im Kreise der Apachen zu sehen ist, hier wird mit vielen lebendigen Farben gearbeitet. Hübsch ist auch der Aufdruck auf der CD in Schallplattenoptik.

Fazit: Wilde Abenteuer, wahre Freundschaft, ein Schuss Humor und auch einiges an Pathos: Die Umsetzung des ersten Teils von Winnetou ist trotz einiger Kürzungen nahe am Original und trotz einer zu langen Introszene sehr unterhaltsam gelungen. Ein Hang zu nostalgischen Hörspielen sollte allerdings schon vorhanden sein.

VÖ: 22. September 2017
Label: Maritim
Bestellnummer: 978-3-960661-04-7