Sherlock Holmes Chronicles – 46. Der Baumeister von Norwood



Erster Eindruck: Der Beweis der Unschuld...

Der junge Anwalt John Hector McFarlane sucht die Hilfe von Sherlock Holmes, da er in einem Mordfall als Hauptverdächtiger gilt. Um an das Erbe des Baumeisters Jonas Oldacre zu kommen, soll er diesen getötet haben. Doch das Motiv scheint unklar, denn McFarlane plagen keine finanziellen Nöte, auf das Erbe hätte er wegen des hohen Alters von Oldrace auch nicht mehr lange warten müssen. Zunächst sind die Ermittlungen des Meisterdetektivs jedoch von wenig Erfolg gekrönt...

In Folge 46 der „Sherlock Holmes Chronicles“ ist es wieder Zeit für ein Original aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle, wobei „Der Baumeister von Norwood“ zu den Geschichten zählt, die recht spät in die Sammlung eingefügt wurden. Und doch wurde hier ein neuer Ansatz gefunden und einige tatsächlich überraschende Details eingefügt, sodass auch dieses Hörspiel sowohl für Holmes-Kenner als auch für Neueinsteiger in die Materie sehr lohnenswert ist. Der Einstieg ist noch recht klassisch, wenn John Hector als neuer Mandant von Holmes zunächst einmal von den bisherigen Gegebenheiten berichtet. Doch schon hier ist ein interessanter Kniff eingebracht, denn der Verdacht, der auf Hector lastet, bringt einen neuen Reiz in die Handlung mit ein. Und tatsächlich scheinen sich auch während der Ermittlungen nur belastende Beweise zu sammeln, so tief Holmes auch in den Umständen stochern mag. Diese sind sehr eingängig und atmosphärisch geschildert, die Charaktere werden gut herausgearbeitet, die Dramatik steigert sich im Laufe der Folge. Und auch wenn es klar ist, dass der Fall am Ende gelöst wird – allein schon weil es sich um Holmes handelt – kann auch die Auflösung mit so einigen kleinen und großen Überraschungen überzeugen und die Geschichte sehr clever abschließen. WinterZeit hat sich dabei eng an die Vorlage gehalten und nur hier und da ein wenig „geschliffen“, sodass die Geschichte im Medium Hörspiel besser funktioniert, sodass auch Kenner der Geschichte mit der Umsetzung zufrieden sein werden.

Marius Claren ist in der Rolle des Hector McFarlane zu hören und macht seine Sache sehr gut, indem er einen sehr lebendigen Ausdruck in seiner Stimme wählt und seine Szenen mit viel Energie auflädt, sodass eine sehr präsente Figur entsteht, mit der man mitfiebert. Beate Gerlach ist in der Rolle der Mrs McFarlane zu hören, auch ihr habe ich wegen ihrer markanten Stimme und dem präzisen Einsatz verschiedener Facetten sehr gern zugehört. Bernd Vollbrecht taucht mal wieder in der Rolle des Inspector Lestrade auf, wobei er eine eingängige Sprechweise anschlägt. Weitere Sprecher sind Frank Otto Schenk, Patrick Bach und Oliver Baumann.

Das Sounddesign der Serie funktioniert auch bei dieser Geschichte sehr gut, wobei sie eher ruhig und bedächtig umgesetzt wurde. Dabei wird insbesondere auf eine vielseitige Gestaltung des Hintergrundes gelegt, die mit den immer passenden Geräuschen ausgestaltet ist. Auch Musik ist ab und an im Einsatz und steigert dann die Stimmung der Handlung.

Das Cover ist durch ein sehr gelungenes Spiel von Licht und Schatten geprägt, wobei der titelgebende und deutlich gealterte Baumeister von Norwood als Motiv gewählt wurde. Angestrahlt von einer Lampe sitzt er an seinem Arbeitsplatz und führt seine Bücher, wobei sein langer Bart, die weißen Augenbrauen und seine Glatze ein markantes Gesicht schaffen.

Fazit: Mit „Der Baumeister von Norwood“ wurde eine sehr starke Geschichte von Arthur Conan Doyle von WinterZeit vertont, was dann auch mit starkem Ausdruck, tollen Sprechern und einem gelungenen Klang geschehen ist. Dabei wird sich eng an die Vorlage gehalten, worin einige sehr gut eingebaute Überraschungen enthalten sind.

VÖ: 24. November 2017
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-96066-048-4