Sherlock Holmes Chronicles – 45. Im Auftrag der Krone



Erster Eindruck: Fesselnde Langfolge

Dass sich Sherlock Holmes bereits mehrfach in äußerst verzwickten Kriminalfällen bewiesen hat, hat sich bis in die höchsten Kreise der Regierung herumgesprochen. Und so kommt der neue Auftrag direkt vom König des Landes, denn die Mordserie an französischen Prostituierten erinnert frappierend an die Taten von Jack the Ripper. Um weitere Panik zu vermeiden, ist eine schnelle Aufklärung der Taten unausweichlich...

Die letzten Folgen der „Sherlock Holmes Chronicles“ von WinterZeit passten allesamt auf eine CD, manchmal waren sogar zwei besonders kurze Episoden auf einer Scheibe vorhanden. Und so ist der Bruch in der mittlerweile 45. Folge mit dem Titel „Im Auftrag der Krone“ recht stark, denn in einer Laufzeit von deutlich über zwei Stunden lässt sich natürlich deutlich mehr und komplexer erzählen, was Autor G.G. Grandt auch sehr punktiert und spannungsgeladen gelungen ist – und das, obwohl es seine erste Geschichte um den legendären Detektiv ist. Dabei hat er gleich mehrere positiv Aspekte mit eingebracht, die den Reiz deutlich erhöhen: Das Anheben des Falles auf eine politische Ebene, die Parallelen zu den Ripper-Morden und sehr gradlinige Dialoge sind dafür unter anderem zu nennen. Besonders gefallen hat mir das Zusammenspiel zwischen Holmes und Watson, das eben nicht von perfekter Zusammenarbeit und Harmonie geprägt ist, sondern hier deutlich ins Holpern gerät. Und auch die Reduktion auf wenige, dafür umso wichtigere Charaktere zeigt, dass der Autor sein Handwerk hier verstanden hat. Die Handlung ist sehr spannend und unterhaltsam geschildert, da der stete, aber nie vollständige Informationsfluss zu einigen falschen Fährten führt, die clever aufgelöst werden, da sie dennoch einen Teil zur Lösung beitragen. In einem typischen Monolog werden von Holmes dann zum Finale hin alle Informationen und Hinweise zusammengetragen und der Fall dann überraschend, aber sehr stimmig aufgelöst. Eine sehr gute Folge der Serie, die weitgehend auf lockeres Geplänkel verzichtet und die ernsthafte Seite der Figuren betont.

Hervorragend ist dabei auch wieder die Sprecherleistung von Till Hagen in der Hauptrolle des Sherlock Holmes, die er sehr präzise und scharf umrissen vertont und den Charakter des Meisterdetektivs in allen Situationen sehr gekonnt zum Vorschein bringt. Auch die Nebenrollen sind sehr gut besetzt, unter anderem ist Jürgen Kluckert als Vincent Richard in einer überzeugenden Darbietung zu hören, wobei seine markante und volltönende Stimme immer wieder hervorsticht. Matti Klemm hinterlässt einen sehr engagierten Eindruck als Peter Kronwald und lässt seine Figur realistisch und lebendig wirken. Neben Tom Jacobs als Watson sind auch Mario Hassert und Santiago Ziesmer zu hören.

Akustisch wird von WinterZeit wieder eine sehr saubere und hörenswerte Umsetzung geboten. Die Auswahl der Musik ist gelungen, diese steigert die Atmosphäre noch weiter und greift die in den Dialogen vorherrschende Stimmung gut auf. Geräusche sind vielfältig und mit sicherer Hand eingefügt, sodass alles wie aus einem Guss wirkt und gut zusammen passt.

Das Konterfei von Sherock Holmes höchstpersönlich ist auf dem Cover zu sehen, doch da das Licht hier von hinten kommt, sind seine Gesichtszüge nur zu erahnen – mit seinen typischen Symbolen Pfeife und Hut kommt er vor dem Buckingham Palace aber sehr gut zur Geltung. Die erdigen Töne des Cover und der schlichte, aber ansehnliche Schriftzug sind hierzu eine passende Ergänzung. Wie immer gibt es im Inneren einige einleitende Worte von Markus Winter zu lesen.

Fazit: Eine richtig tolle Folge der Serie, die trotz der langen Laufzeit keine Sekunde verschwendet und immer unterhaltsam und spannend bleibt. Die Geschichte ist gelungen konstruiert und wird flüssig erzählt, die Charaktere kommen gut zur Geltung, der Fall ist dramatisch und reizvoll geschildert. Auch die angespannte, ernste Atmosphäre der Folge gefällt mir hier sehr gut.

VÖ: 3. November 2017
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 978-3-96066-047-7