Die Wahrheit - Das Hörspiel


Erster Eindruck: Spiel um Realität und Lüge

Sieben Jahre ist es her, dass Sarahs Mann Phillip von einer Geschäftsreise nach Südamerika nicht zurückgekehrt ist. Sieben Jahre, in denen Sarah ihr Leben allein meistern musste. Gerade hatte sie sich damit abgefunden, ihren Gatten nicht wiederzusehen, als dieser überraschend wieder auftaucht und nach Deutschland zurückkehrt. Doch der Mann, der aus dem Flugzeit steigt, sieht Phillip zwar ähnlich, doch Sarah ist sich sicher, dass es sich nicht um ihren Ehemann handelt...

„Die Wahrheit“, der zweite Roman der Autorin Melanie Raabe, wurde ein Jahr nach der Buchveröffentlichung auch als Hörversion veröffentlicht – dieses mal allerdings nicht als gelesenes Hörbuch (welches bereits erscheinen ist), sondern auch klassisches Hörspiel. Dabei ist der oben beschriebene Ansatz der Geschichte sehr gut aufbereitet, denn zunächst wird von der Aufregung kurz vor der Ankunft von dem angeblichen Philipp aufgegriffen, sodass man die Grundsituation erfassen kann, bevor die beiden Hauptfiguren erstmals aufeinander treffen. Ab diesem Moment entwickelt sich eine Katz-und-Maus-Geschichte, in der mal Sarah, mal ihr angeblicher Mann die Oberhand haben. Es bleibt lange ein großes Geheimnis, warum der fremde Mann behauptet, Sarahs Gatte zu sein, und genau hierin besteht der Reiz des Hörspiels. Hinzu kommt ein düsteres Geheimnis um Sarah, welches sie immer wieder heimsucht, dem Hörer aber auch lange Zeit verborgen bleibt. Die Auflösung des Ganzen ist dann überraschend, löst aber nicht alle Fragen, die gestellt wurden, zufriedenstellend auf. Dennoch ein interessantes und treffendes Finale für einen packenden Verlauf. Die starke Kürzung des Romans hat ihm offensichtlich gut getan, denn die Ereignisse folgen schnell und dynamisch aufeinander, sodass eine unterhaltsame und lohnenswerte Produktion entstanden ist.

Ulrike C. Tscharre ist in der Rolle der Sarah zu hören und bestreitet damit einen Großteil der Handlung sowie auch einige Erzähltexte. Dieses gestaltet sie sehr variabel und geht damit sehr gut auf die durchaus komplexe Figur ein, lässt sowohl die selbstbestimmte und gradlinige Art der Frau, aber auch ihre verletzliche und verängstigte Seite sehr intensiv wirken. Auch Felix Klare hat mir als Philipp sehr gut gefallen, seine markante und dunkle Stimme klingt geheimnisumwittert und geheimnisvoll, seine Reaktionen sind oft überraschend, aber immer glaubwürdig. Besonders in der Rückschau nach der Auflösung hat er einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Weitere Sprecher sind Kerstin Draeger, Eckart Dux und Anne Moll.

Das Team um Regisseur Sven Stricker hat sehr gute Arbeit geleistet und unterstützt die Handlung mit einer treffenden Umsetzung. Die Musik von Jan-Peter Pflug ist unaufdringlich, aber stimmungsvoll und fügt sich elegant in die Dialoge ein. Die Geräusche drängen sich ebenso wenig in den Mittelpunkt und beeinflussen die Stimmung nur unwesentlich, sodass die Sprecher stets im Vordergrund stehen.

Die CD ist in einem stabilen und hübsch gestalteten Digipack enthalten Das Titelbild in blau-grauen Farbtönen zeigt die nackte Schulter eine Frau, wobei eine kleine, abgeschnittene Haarsträhne auf ihr liegt. Die dadurch vermittelte Stimmung passt gut zu der Handlung. Als Bonus gibt es die Fotos der beiden Hauptsprecher sowie der Autorin, dazu einige Informationen zu den Sprechern, der Autorin und dem Regisseur. Leider sind die restlichen Sprecher zwar erwähnt, werden aber nicht ihren Rollen zugeordnet.

Fazit: Nach dem packenden Anfang lässt die Handlung zwar etwas nach, die Spannung ist durch die vielen Ungewissheiten jedoch immer gegeben. Zum Ende hin wird das Hörspiel interessant und packend aufgelöst, kann sich aber nicht von allen Widersprüchen frei machen. Ein kurzweiliges Hörspiel, welches die Geschichte auf ihren Kern reduziert und so sehr verdichtet wirkt.

VÖ: 28. August 2017
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 978-3-8445-2719-3