Mord in Serie – 30. Bis in den Tod



Erster Eindruck: Mörderisches Duo mit Durchschlagskraft

Im Krieg hat Eddie Brunner Schreckliches mit angesehen, erlebt und selbst angerichtet. Schwer traumatisiert und ohne wirkliche Perspektive flüchtet er sich in eine Welt voller Drogen, bis er entscheidet, in seine alte Heimat zurückzukehren und seine Jugendfreundin Cindy Pietsch zu besuchen. Die arbeitet mittlerweile als Prostituierte und muss sich just im Moment von Olivers Ankunft gegen einen aufdringlichen Freier wehren...

Schon am Cover der 30. Folge von „Mord in Serie“ könnte man erkennen, dass in dieser Folge einiges anders läuft als bisher, denn auch mit der bisherigen Schematik wurde gebrochen. Und so werden in „Bis in den Tod“ dann auch einige bisher ungeschriebene Grenzen der Serie überschritten, was viele Neuerungen mit sich bringt. Die auffälligste Grenze ist dabei wohl die ungehemmte Brutalität, mit der die beiden Protagonisten agieren. Sicherlich ein guter Schockeffekt, aber sicherlich wird bei dem einen oder anderen die ganz persönlich gesteckte Grenze des guten Geschmacks überschritten. Wer hier eine eher niedrige Schwelle hat, sollte vom Hören Abstand nehmen, allen anderen wird eine ungewöhnliche und spannende Folge geboten. Denn die Dynamik, die sich zwischen den beiden Charakteren entwickelt, ist sehr gut inszeniert und treibt die Folge ordentlich voran. Die sich bietenden Konflikte verschärfen sich im Laufe der Zeit, was die Atmosphäre der Handlung immer weiter verdichtet. Und dann ist da das große Finale, tragisch, packend und für die Handlung passend – und eben kein Happy End. Die krassen Abweichungen zum bisherigen Verlauf der Serie bringen neuen Schwung mit sich. Besonders die Wechsel des Blickwinkels ist interessant, denn hier steht mal nicht der Ermittler im Mittelpunkt, sondern eben ein ziemlich abgebrühtes und seelisch abgewracktes Verbrecherpärchen im Mittelpunkt. Hier wollte man mal nicht die Erwartungshaltung aller Hörer erfüllen, sondern neue Wege gehen, was durchaus begrüßenswert ist.

Oliver Kube versteht es, die Rolle des Eddie Brunner mit seiner Härte, seiner Unnachgiebigkeit und insbesondere seiner Abgestumpftheit treffend zu inszenieren, die Kälte in seiner Stimme sorgt dabei für einige intensive Momente. Greta Galisch de Palma steht im in der Role der Cindy Pietsch zur Seite und schafft einen genauso facettenreichen Charakter, den sie mit vielen Feinheiten versieht. Ulrike Stürzbecher bringt als Psychologin Paula Schellenberg eine ganz andere Note mit ein und sorgt mit ihrer warmen Stimme für ein sehr gelungenes Intro in die Handlung. Weitere Sprecher sind Robin Brosch, Harald Schwaiger und Frank Fabry.

Auch akustisch werden von Contendo Media hier neue Pfade begangen, denn die Musik greift einige neue Stilistiken auf. Das gilt nicht nur für die Szenenübergänge, sondern eben auch für eine Party mit ziemlich lauter Musik, die so aus dem Ganzen heraussticht. Die Geräusche sind auch meist gut eingefügt und sorgen für einen lebendigeren Eindruck der Dialoge.

Ein Mann steht in einer geöffneten Tür, der dadurch geworfene lange Schatten wird von einer großen Blutlache umspielt. Gemeinsam mit dem ungewohnten Zeichenstil und dem prägnanten Schriftzug wirkt dies wie ein altes Filmplakat und beschwört eine ganz andere Stimmung herauf. Auch dieser Bruch in der Serie hat mir gut gefallen.

Fazit: Wer sich auf einen trickreichen Krimi wie bisher einstellt, wird ziemlich überrascht sein, denn neben einigen sehr explizit beschriebenen Folter- und Splatterszenen wird eher auf die unheilvolle Dynamik zweier kaputter Charaktere geschaut denn auf die Aufklärung eines Falles. Der Hörer ist immer sehr nahe am Geschehen und wird durch die steigende Dramatik gut unterhalten.

VÖ: 24. November 2017
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 978-3-945757-84-0