John Sinclair – 118. Die Kreuzweg-Legende



Erster Eindruck: Eine Legende erwacht zum Leben...

Der Graf des polnischen Dorfes Szetisch übt eine unüberwindbare Faszination auf die junge Martha aus, nicht zuletzt wegen der beiden Wölfe, die den Reiter stets begleiten. Als sie eines nachts seinem Ruf folgt folgen ihr die Männer des Dorfes und stellen den dämonischen Mann und erhängen ihn an einer Eiche direkt neben einer Kreuzung. Doch damals ahnt noch keiner von ihnen, dass viele Jahre später die junge Wanda beim Putzen einer Madonnenstatue das Unheil wieder heraufbeschwört...

Nach Russland in „Zombies auf den Roten Platz“ geht es in der 118. Folge weiter nach Polen für den Geisterjäger, und auch hier handelt es sich wieder um eine Einzelfolge, die von der Serienhandlung völlig losgelöst ist. Dabei geht es mit einem atmosphärischen Intro los, in dem die Legende um den grausigen Reiter erzählt wird. Die Szenerie ist düster, die Figuren einfach gestaltet, aber durchaus voller Strahlkraft, der Bogen zur heutigen Zeit wird recht schnell geschlagen. Auch hier ist alles mystisch erzählt, umso besser gefällt mir, dass es im Laufschritt erzählt wird, wir Sinclair zu dem Fall gekommen ist. So wird die Dynamik der Folge nicht unterbrochen und es kann direkt mit den ersten Recherchen begonnen werden. Hier verbinden sich Vergangenheit und Gegenwart gut miteinander und führen zu einigen eindringlichen Szenen und – natürlich – gegen Ende zu einer bombastischen Geistererscheinung mit Wucht. Das alles ist gut zusammengestellt und unterhaltsam erzählt, der ganz große Wurf ist mir dieser Folge dann aber nicht gelungen. Denn ein wenig vorhersehbar ist die Geschichte dann doch geworden. Doch als Zwischenspiel zwischen den großen Schlachten kann „Die Kreuzweg-Legende“ durchaus überzeugen, die eingängige und dichte Stimmung ist durchaus gefällig und wird von einer guten Szenerie ergänzt.

Walter Gontermann ist in der Rolle des düsteren Grafen Wojtek zu hören und lässt seine Stimme volltönend und eindrucksvoll klingen, baut so eine beeindruckende Aura um sich herum aus, So schafft er eine prägnante Figur, die als Mittelpunkt des Hörspiel bestehen kann. Jochen Schröder hat mir als gutmütiger Küster Kasimir Wojtek ebenfalls gut gefallen, mit seinem sanften Klang und lebendiger Sprechweise ist er ein verlässlicher Mitstreiter für Sinclair. Julia Fölster macht ihre Sache als Wanda sehr gut, sie spricht sehr präzise und kann die Gefühlsregungen des aufgeweckten Mädchens gut darstellen. Weitere Sprecher sind Tim Grobe, Robin Brosch und Frank Gustavus.

Die Atmosphäre der Geschichte ist bestechend, was durch die sehr gute akustische Gestaltung noch unterstrichen wird. Dabei ist besonders die ausgewählte Musik besonders treffend ausgewählt und lässt die erste Szene düster nachwirken. Die Geräusche sind der Dynamik der Folge gut angepasst und dürfen in den dramatischeren Szenen auch mal etwas lauter sein, überdecken aber nie die Dialoge, alles bleibt immer gut verständlich.

Der dunkle Reiter in seinem wallenden Umhang scheint von orangefarbenen Flammen umgeben zu sein, während er durch die vollmondbeschienene Nacht reitet – natürlich an einem Kreuzweg und natürlich an einer blattlosen Eiche. Das Cover greift die Atmosphäre der Folge sehr gelungen auf und wirkt durch die Verwendung des Heftromantitelbilds herrlich nostalgisch.

Fazit: Atmosphärisch ist diese Folge sehr weit vorne mit dabei, gleich die beiden anfänglichen Szenen sind sehr düster und stimmig umgesetzt. Schön, dass die Ermittlungen von Sinclair dann gleich losgehen, auch wenn wirkliche Überraschungen oder Wendungen nicht aufkommen. Eine unterhaltsame und kurzweilige Einzelfolge der Serie.

VÖ: 29. September 2017
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 978-3-7857-5429-0